BlogFilmkritik: Achilles und die Schildkröte

Filmkritik: Achilles und die Schildkröte

-

Gestern kam ich in den Genuss des neuesten Filmes von – man kann ihn wohl schon so nennen – Altmeister Beat Takeshi. Der Film heisst “Akiresu to Kame”, wörtlich “Achilles und die Schildkröte – eine Anspielung auf das Zenon-Paradoxon mit besagten Darstellern.
In dem Film geht es um einen Mann namens Machisu – gespielt von drei verschiedenen Schauspielern, denn der Werdegang beginnt mit Machisu als kleinem Jungen mit (noch) lebenden Eltern, geht weiter in seiner Jugend, als er seine Frau kennenlernt, und endet mit Takeshi himself als Darsteller. Und – zumindest meine Meinung – alle drei leisten gute Arbeit. Machisu entwickelt schon als Kind ein Talent, vielleicht sollte man aber auch besser Spleen sagen, zum Malen. Jedoch zieht sich der Tod von Anfang an wie ein grausamer, roter Faden durch sein verträumtes Leben.
Anfangs sieht alles noch nach einem Happy End aus, man traut dem Maler allerhand zu. Doch schon in der ersten Hälfte bekommt man eine Idee davon, warum der Film das trügerische Gleichnis zum Titel hat: Was der Maler auch versucht, er läuft dem Zeitgeist hinterher. Mit ihm seine treue, mitleidenswerte Frau.
Der Film bekam in Japan weniger gute Kritiken – gemessen zumindest an anderen Filmen von Kitano (Beat Takeshi). Ich frage mich warum. Ich fand den Film herrlich surreal, und es ist eine Weile her, dass 2 Stunden Film dermassen schnell vorübergingen.
Es sind die zahlreichen, Kitano-typischen Wendungen, die mehr oder weniger vorhersehbar hereinbrechen. Und sehr skurrile Szenen voll schwarzen Humors (NDE als Muse z.B.).
Der Film ist hier mit englischen Untertiteln erhältlich – und wer weiss, vielleicht auch mal mit deutschen Untertiteln in Europa.
Die Premiere fand übrigens im August 2008 beim Filmfest in Venedig statt; der Film gewann seither gelegentlich auch schon Preise – nur eben nicht in seiner Heimat. Achilles und die Schildkröte ist der dritte Film einer surrealen Triologie mit autobiographischen Elementen. Obwohl man eins mit Sicherheit sagen kann – Kitano braucht nach wie vor niemandem hinterherzurennen. Erst recht nicht dem Zeitgeist.
Hier noch die offizielle Webseite – die Szenenphotos geben einen guten Vorgeschmack: Akiresu to Kame.
Das Wort (bzw. der Satz) des Tages: アキレスと亀 – akiresu to kame. Akiresu = Achilles, to = und, kame = Schildkröte (man braucht nicht viel Phantasie, um in dem Zeichen eine solche zu erkennen).

tabibito
tabibitohttps://japan-almanach.de
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei der Tabibitos Blog empfohlen.

3 Kommentare

  1. hallo ihr lieben hat einer von euch den Film??????????????????
    Oder weiß jemnad wo ich den Film kaufen kann????????????
    Ich brauche ihn unbedingt…..
    Vielen Dank im voraus für die Infos….

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Neueste Beiträge

Fehlende Brandmauern und Falschinformationen über massenhafte Einwanderung von Afrikanern

Besser kann es für Rechtsaußen in Japan eigentlich nicht laufen: Einerseits hat sich Liberaldemokraten-Urgestein Asao Tarō heute mit Kamiya...

Mori Ōgai oder wie es das ostdeutsche Ampelmännchen in die japanische Provinz verschlug

Neulich verschlug es mich bei einer kleinen Tour durch Westjapan in das kleine Örtchen Tsuwano - der Ort liegt...

Kōraku (口樂) in Hachiōji, Tokyo

Hier wird es etwas chinesisch-taiwanesisch: Erstklassige Mazesoba mit chinesisch gewürztem Fleisch sind die Spezialität des Hauses

Abstecher zur EXPO 2025 in Osaka

Seit Mitte April findet sie nun schon statt - die Weltausstellung "EXPO" 2025 in Osaka, dem Herzen von Kansai....

Der ganz normale Rassismus

Ach, was wird die japanische Gastfreundschaft doch über den grünen Klee gelobt. Sicher, wenn man an den Kundenservice in...

Wenn der Verstand mal eben aussetzt: McDonald’s Happy Meal mit Pokémon-Karten

Da hatte das Marketing-Team von McDonald's Japan ja mal eine fantastische Idee: Die Happy Meals (in Japan als Happy...

Must read

Die 10 beliebtesten Reiseziele in Japan

Im Mai 2017 erfolgte auf dem Japan-Blog dieser Webseite...

Auch lesenswertRELATED
Recommended to you