KantoTokyo-toTokyo: Shinagawa-ku

Tokyo: Shinagawa-ku

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Region 関東 Kantō
Präfektur 東京 Tokyo
Rang 2 von 5 Sternen: Kann man sich ansehen, muss man aber nicht
Name Shinagawa. Setzt sich aus den Schriftzeichen (HIN, shina) und (SEN, kawa) zusammen. „Shina“ bedeutet „Waren“, „kawa/gawa“ bedeutet „Fluss“. Der Name tauchte zuerst 1184 auf, und zur Entstehung gibt es verschiedene Legenden – er könnte von einer gleichnamigen Familie abstammen, oder davon, dass die Waren, die entlang des Meguro-Flusses angeboten wurden, von guter Qualität waren, um nur zwei zu nennen. Zuerst erhielt eine Herberge auf dem Tokaido-Weg den Namen „Shinagawa-juku“ – 1947 entschied man dann, den Namen für das neu gebildete Stadtviertel zu benutzen.
Lage Shinagawa-ku liegt im Südosten der 23 Innenstadtbezirke von Tokyo und grenzt von Norden im Uhrzeigersinn an die Stadtviertel Minato-ku, Kōtō-ku, Ōta-ku, Meguro-ku und Shibuya-ku. Das Stadtviertel erstreckt sich von der Bucht von Tokyo bis zur etwas höher gelegenen Yamanote-Ebene.
Ansehen DIE Sehenswürdigkeit als solche gibt es nicht — der Shiokaze-Park mit dem Museum der Meereswissenschaft und die alte Einkaufsstraße Togoshi-Ginza sind einen Spaziergang sind am ehesten interessant.

Shinagawa-ku – Beschreibung

Shinagawa-ku liegt mit einer Fläche von 22,8 Quadratkilometern ziemlich genau im Mittelfeld der 23 Innenstadtbezirke („-ku“) von Tokyo – das gleiche gilt für die Bevölkerungsdichte. Rund 420’000 Einwohner zählt der Stadtbezirk – das sind gut 18’000 Einwohner pro Quadratkilometer. Zum Vergleich: Im mit Abstand am dichtesten besiedelten Stadtviertel Berlins, Friedrichshain-Kreuzberg, sind es rund 14’000.

Große Kreuzung vor dem Bahnhof von Gotanda, Shinagawa-ku
Große Kreuzung vor dem Bahnhof von Gotanda, Shinagawa-ku

Wenn man lange in Tokyo wohnt, fällt eines auf: Sieht man ein extravagantes, teures Auto, dann steht auf dem Nummernschild auffallend oft „Shinagawa-ku“ – aus gutem Grund. Das Stadtviertel liegt sehr zentral, und dennoch gibt es zahlreiche ruhige, schöne Ecken mit hauptsächlich Einfamilienhäusern und kleinen Parks, in denen es sich gut leben läßt. Dementsprechend teuer sind die Grundstücke in Shinagawa und dementsprechend betuchter ist die Klientel. Shinagawa ist nicht hipp, aber sehr praktisch und beinahe schon ein Statussymbol. Ein Quadratmeter Boden kostet in Shinagawa zwischen 500’000 und 3,5 Millionen Yen, also zwischen 3’500 und 17’500 Euro. Einfamilienhäuser kosten so nicht selten 100 Millionen Yen (700’000 Euro) und mehr – oftmals sind die Grundstücke jedoch winzig und die Häuser schmal mit 3 oder sogar mehr Stockwerken. Wer also schön und mit Platz in Shinagawa wohnen möchte, muss tief in die Tasche greifen.

Shinagawa ist ein ziemlich gemischter Bezirk, und fast die Hälfte der Fläche ist Neuland, sprich, es wurde in den vergangenen 200 Jahren der Bucht von Tokyo abgerungen. Der Stadtbezirk läßt sich grob in drei Teile aufteilen: Der Nordteil, innerhalb bzw. entlang der Yamanote-Ringlinie, wird von Hochhäusern dominiert, mit einer Mischung aus Wohnraum- und Büronutzung. Ein guter Teil des Ostteils, insbesondere die jüngsten Neulandinseln, gehört zum Hafen von Tokyo. Dort befindet sich unter anderem ein riesiger Containerhafen.

Shinagawa-ku Neulandbereich
Shinagawa-ku Neulandbereich

Der Südteil wiederum wird hauptsächlich als Wohnfläche benutzt – mit größeren Häusern entlang der Hauptachsen und kleineren Häusern abseits der Hauptstraßen und Bahnhöfe.

Die wichtigsten Bahnhöfe — und damit auch Stadtkerne bzw. Einkaufszentren — sind Meguro ganz im Norden, Gotanda (ebenfalls im Norden), Musashi-Koyama, Togoshi und Ōi in der Mitte sowie Hatanodai und Ōmori im Süden, wobei der Großteil von Ōmori, inklusive des Bahnhofs, bereits in Ōta-ku liegt. Ganz im Südosten von Shinagawa-ku gibt es ausgedehnte Sportanlagen — darunter auch die Pferderennbahn G-FRONT, eine Sportarena und mehrere Parks. Mitten im Herzen des Stadtbezirks wiederum liegt ein riesiger Rangierbahnhof, der zur JR East-Gruppe gehört (diese einst staatliche Eisenbahngesellschaft betreibt auch die meisten Bahnlinien in und um Tokyo sowie die Shinkansen, die von Tokyo Richtung Norden fahren).

Bei japanischen Ortsnamen gilt: Nomen est Omen. Der ziemlich große und berühmte Bahnhof Shinagawa — immerhin halten hier alle nach Westen fahrenden Shinkansen — liegt gar nicht im Stadtviertel Shinagawa-ku, sondern im Nachbarbezirk Minato-ku. Dafür liegt aber der Bahnhof Meguro nicht etwa in Meguro-ku, sondern in Shinagawa-ku.

Der Bahnhof Meguro - welcher kurioserweise in Shinagawa-ku liegt
Der Bahnhof Meguro – welcher kurioserweise in Shinagawa-ku liegt

Gotanda 五反田

Drei Bahnhöfe der Yamanote-Ringlinie liegen im Stadtviertel Shinagawa-ku — Meguro, Gotanda und Ōsaki. Letzterer Bahnhof ist eher unspektakulär, aber Meguro und Gotanda sind „Ausgehviertel“ mit einem ausgeprägten Nachtleben. Tagsüber fallen vor allem in Gotanda nur die Hochhäuser auf, aber nachts herrscht rund um die Station Hochbetrieb – es gibt unzählige kleine und kleinste Restaurants, Kneipen und auch eine Vielzahl von eher zwielichtigen Etablissements. Vor allem die Gegend Higashi Gotanda 1-chōme nordöstlich des Bahnhofs ist eher berüchtigt und weist eine überdurchschnittlich hohe Kriminalitätsrate auf – nach japanischem Standard, wohlgemerkt (im ersten Quartal 2020 waren es ganze 6 kriminelle Handlungen). Trotzdem sind die Mieten in Gotanda exorbitant hoch.

Die Tokyu-Linie in Gotanda, Shinagawa-ku
Die Tokyu-Linie in Gotanda, Shinagawa-ku
Der Meguro-Fluß in Gotanda
Der Meguro-Fluß in Gotanda

Gotanda wird auch von wichtigen Verkehrsachsen dominiert – die sehr breite Staatsstrasse Nummer 1 verläuft quer durch Gotanda und sorgt für viel Verkehr zu jeder Tageszeit. Etwas ruhiger ist es nur entlang des Meguro-Flusses, der ebenfalls durch Gotanda fliesst.

Wesentlich ruhiger wird es ein paar hundert Meter östlich des Bahnhofs — dort steigt das Relief um rund 20 m an, was für lockere Bebauung und ein undurchdringliches Geflecht aus engen und engsten Strassen sorgt – nicht wenige davon sind Sackgassen. In den ruhigeren Vierteln nördlich und östlich von Gotanda befinden sich rund 15 Botschaften — darunter die der VR China, Serbien, Peru, Belarus, Indonesien, Brasilien, Thailand und ein paar weitere.

Mitten in diesem ruhigen Gebiet mit sehr teuren Einfamilienhäusern, kleineren Apartmentblocks, Botschaften – sowie der Seisen-Universität – eine private Universität nur für Frauen, wobei die Universität trotz der Lage keine Eliteuni ist – steht auch ein wichtiger Anlaufpunkt für etliche in Japan lebende Deutsche: die Kreuzkirche, ihres Zeichens das Gotteshaus der Evangelischen Gemeinde deutscher Sprache Tokyo-Yokohama. Die heutige Kreuzkirche wurde 1959 eingeweiht – einen Vorläufer gab es jedoch schon seit 1897, doch die Vorgänger wurden erst während des Großen Kanto-Erdbebens 1923 und dann noch ein Mal während der Bombenangriffe 1945 zerstört.

Die Kreuzkirche hält Gottesdienste und kirchliche Feierlichkeiten ab – außerdem gibt es sowohl regelmäßige wie auch unregelmäßige Veranstaltungen. Zu ersteren zählt der Weihnachtsmarkt, der Anfang Dezember ausgerichtet wird – mit Glühweinständen, selbstgebackenem Kuchen und dergleichen. Der Weihnachtsmarkt ist öffentlich – man muss nicht Gemeindemitglied sein, um daran teilzunehmen. Mehr zur Kirche und aktuellen Veranstaltungen erfährt man auf der offiziellen Webseite der Gemeinde unter kreuzkirche-tokyo.jp.

Die evangelische Kreuzkirche in Shinagawa-ku
Die evangelische Kreuzkirche in Shinagawa-ku
Die serbische Botschaft in Shinagawa-ku
Die serbische Botschaft in Shinagawa-ku

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Togoshi-Ginza & Park 戸越銀座・戸越公園

Mitten im Stadtbezirk Shinagawa befindet sich das Stadtviertel Togoshi mit den drei U- und S-Bahnstationen Togoshi, Togoshi Kōen und Togoshi Ginza. Das Viertel liegt nur rund 1,5 Kilometer südlich von Gotanda. Die Gegend ist gekennzeichnet durch ein Geflecht vieler kleiner Gassen. Große Wohnsilos gibt es nur rund um die Bahnhöfe, ansonsten erinnert das Viertel eher an eine Kleinstadt mit vielen kleinen und zum Teil schon recht alten Einfamilienhäusern — mit dem Unterschied, dass es hier kaum Leerstand oder verfallene Häuser gibt, da die Grundstücke hier sehr teuer und beliebt sind.

Quer durch das Viertel verläuft von Ost nach West die Togoshi Ginza (Ginza ist nicht nur der Name der Prachtstraße von Tokyo — Ginza kennzeichnet vielerorts die Hauptgeschäftsstrasse). Entlang der kleinen, aber immerhin über ein 1 Kilometer langen Straße, die in der Regel auf weiten Strecken für den Autoverkehr gesperrt ist, gibt es zahlreiche und sehr verschiedene Geschäfte – von Obsthändlern über Schmuck- und Modeläden bis hin zu Geschäften für Kunsthandwerk. Kurzum – es macht Spaß, hier ein bisschen zu flanieren und in das eine oder andere Geschäft zu schauen.

Die Togoshi-Ginza - eine alte Einkaufsstrasse mitten in Shinagawa-ku
Die Togoshi-Ginza – eine alte Einkaufsstrasse mitten in Shinagawa-ku
In der Togoshi-Ginza
In der Togoshi-Ginza

Rund 300 Meter südlich von der Togoshi-Ginza liegen gleich zwei kleinere Parks — der 文庫Bunkonomori („Bibliothekswald“) und direkt im Anschluss daran der 戸越Togoshi公園kōen (Togoshi-Park). Zwischen den beiden Parks steht eine Grundschule. Im Norden des kleinen Togoshi-Parks steht die École Togoshi – ein „Lernzentrum“ und schöner, lichter Bau mit viel Holz und Glas, wo Kinder alle möglichen Sachen lernen und entdecken können – eine sehr schöne Einrichtung für Kinder.

Im Park selbst gibt es einen größeren Teich mit Schildkröten und Karpfen sowie ein paar an die Edo-Zeit erinnernde Bauwerke. Hier können die Kinder nach Herzenslust toben – allerdings ist der Park gerade mal 200 x 200 Meter groß und damit eher klein – im Zentrum von Shinagawa gibt es keine wirklich ausgedehnten Parkanlagen.

Eingang zum Togoshi-Park in Shinagawa-ku
Eingang zum Togoshi-Park in Shinagawa-ku
Im Sommer erfrischend: Der kleine Togoshi-Park in Shinagawa-ku
Im Sommer erfrischend: Der kleine Togoshi-Park in Shinagawa-ku

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tabibito
tabibitohttps://japan-almanach.de
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei der Tabibitos Blog empfohlen.

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