Damit hätte JR East (Japan Railways), die größte Eisenbahngesellschaft in Ostjapan, wohl nicht gerechnet: Als man in einer Pressemitteilung am 11. November 2025 bekannt gab, dass der beliebte Pinguin ab dem kommenden Jahr von den Suica-Karten verschwinden soll, liefen die sozialen Medien heiß: Ein Sturm der Entrüstung brach über das Unternehmen hinein – bis hin zu Online-Petitionen, die fordern, dass das schwarz-weiße Maskottchen doch bitte bleiben solle. Für einen Moment mochte man da wirklich glauben, dass Japan keine anderen Probleme hätte. Aber eins nach dem Anderen. Suica? Pinguin?
Suica-Karten wurden im Jahr 2001 eingeführt, und kaum eine andere Erfindung machte das Leben in Japan um so vieles Einfacher wie Suica. Nun ja, elektrischer Strom vielleicht noch. Vor der Suica-Karte musste man nämlich jedes Mal an die mitunter abenteuerlich und auf den ersten Blick reichlich kompliziert aussehenden Fahrkartenschalter – meistens musste man vorher nachschauen, wie viel die Fahrt bis zum gewünschten Ort kostet, und das wurde gerade dann kompliziert, wenn man unterwegs in die Linie eines anderen Bahnunternehmens umstieg. Man zahlte, bekam seine winzige Fahrkarte mit dem Magnetstreifen, und die schob man dann in die Ticketschranke. Im schlimmsten Fall verlor man das Ticket dann irgendwo unterwegs.
Mit der Suica wurde das alles einfacher: Man lädt einfach Geld rauf, und schon braucht man nie wieder an den Fahrkartenautomaten anstehen und rätseln. Es fiept, man geht durch die Schranke – fertig. Reisen, vor allem im Nahverkehr, wurde mit Suica ein Kinderspiel. Der Name SUICA ist übrigens ein Kofferwort aus すいすい und カード. Und SUICA war anfangs nur für die JR-Bahnen des Großraums Tokyo gedacht – die ganzen anderen Regionen Japans brachten ihre eigenen Karten heraus – mit eigenen Maskottchen und eigenen Namen, wie Kitaca zum Beispiel oder SUGOCA und PiTaPa. Selbst die Metro von Tokyo brachte eigene Karten heraus – die PASMO, mit einem Roboter als Maskottchen.
Der die SUICA-Karten zierende Pinguin ist eine Erfindung der Illustratorin Sakazaki Chiharu (man sieht ihn auch sofort auf der Startseite ihrer Webpage) – und er wurde NICHT wegen der Suica-Karten kreiert, sondern existierte bereits vorher, und zwar als Figur von Kinderbüchern – die ersten Bücher mit dem Pinguin zum Beispiel erschienen bereits in den 1990ern. Sakazaki malt natürlich nicht nur Pinguine, sondern auch andere Sachen.
Die Betreibergesellschaft von SUICA, JR East, beauftragte Dentsū, eine der größten Marketingfirmen Japans, mit der Vermarktung und dem Produktmanagement – und so lizensierte Dentsū den Pinguin von Sakazaki, wobei das Patent aufgeteilt wurde – die Illustratorin kann ihren Pinguin weiterhin benutzen und vermarkten – ebenso Dentsū sowie eben auch JR East. Doch der Pinguin sollte eins verdeutlichen: Die Karte als Mittel, um sich von A nach B zu bewegen. Das soll sich ab dem kommenden Jahr ändern, denn dann soll aus Suica und Pasmo ein neuer Nutzungszweig entstehen: TEPPAY. Das TEP im Namen entstammt den Anfangsbuchstaben der englischen Begriffe Travel, Easy und Partnership.
“Nicht noch ein Bezahlservice!” dürfte da allen durch den Kopf gehen, die in Japan leben – schließlich gibt es schon jetzt unzählige Systeme wie dBarai, PayPay, QuickPay, auPay, MeruPay, RakutenPay und so weiter und so fort. TEPPAY soll wohl, so der Plan, alles miteinander vereinen: Kontaktloses Bezahlen, Bezahlen mit Barcode, versenden von Geld und mehr. Und es soll von Anfang an bei mehr als 1,6 Millionen Geschäften verfügbar sein – also bei mindestens all jenen Stellen, bei denen man auch heute schon mit der Suica bezahlen kann.
Dafür braucht man ein neues Image – und aus dem Grund muss im nächsten Jahr der Pinguin dran glauben. Zumindest der SUICA-Pinguin, denn der Sakazaki-Pinguin wird natürlich weitergehen. Was mit den von JR betriebenen Pensta-Shops – dort werden Plüsch- und andere Varianten des Maskottchens verkauft, und das auch ziemlich erfolgreich – ist soweit noch nicht bekannt. Man kann sich aber ziemlich sicher sein, dass auch Teppay mit irgend einem Maskottchen aufwarten wird.




Nachteil der Karte: man schließt sich z.T. von Rabatten aus (glaube ich zumindest). Wenn ich z.B. in Kyoto unterwegs bin und weiß, dass ich viel mit Ubahn oder Bus fahren werde und häufiger aus- und umsteige (bezahlt wird jedesmal beim Aussteigen, auch bei Kurzstrecken), kaufe ich ein Tagesticket für 1100 ¥. Unbegrenztes Fahren und Umsteigen. Wenn ich aber mit meiner guten alten Icoca- Karte zahle, macht das jedes mal 230 ¥. (Genau wie Barzahlung). Eigentlich müßte die Software doch registrieren, dass ich mich nach 5 Mal umsteigen für eine Tageskarte qualifiziert habe und mich ab da “umsonst” fahren lassen …
So ähnlich funktioniert das tatsächlich in London Unterground mit der Oyster Karte. Da gibts dann einen “Daily cap”. Sogenannte “Travelcards”, also Tagestickets lohnen sich dort kaum.
War da nicht eigentlich immer ein Unterschied zwischen IC und Barzahlung? Hab sowas in Erinnerung.
Wohl wahr. Die Technik ist allerdings nicht der Grund dafür – bei den Bussen in Kawasaki zum Beispiel kann man auf manchen Strecken umsteigen, ohne ein zweites Mal zu fahren. Wenn Kyoto sich die Mühe machen würde, die Software entsprechend einzurichten, würde es gehen – die werden sich allerdings auch denken, dass sie ohne die Software ja kein Geld verlieren… im Gegenteil.
Die Busse in London muss man zB auch nur einmal pro Stunde bezahlen. Dranhalten muss man seine Oyster immer, aber es wird nur einmal pro Stunde eine Flat Fare abgezogen, ansonsten steht da halt “deducted 0,00”.
Schade um den kleinen Pinguin. Ich hab gar nicht soviel Berührung mit ihm (und der Suica) gehabt. Meine erste Karte war tatsächlich die Kitaca von JR Hokkaido. Beim ersten Urlaub sind wir tatsächluch komplett ohne Privatbahnen nur mit JR Pass gefahren, und sind den Rest einfach gelaufen. Unvorstellbar :D
Beim zweiten Urlaub stand dann Sapporo an, und da war dann eben die erste Karte die Kitaca.
Irgendwann musste ich mir dann doch eine Suica holen, weil die Chiba Urban Monorail tatsächlich nicht an das restliche IC-Netz angeschlossen ist, und nur Suica/Pasmo funktionieren.
Das gleiche ist mir letztes Jahr auch in Kumamoto auf Kyushu passiert. Da kam ich dann um die Anschaffung der Kumamon no IC Card nicht drumrum. Nur die Straßenbahn lief noch mit anderen IC-Karten, die Busse beispielsweise nicht.
Da fällt mir ein, dass die Shonan Monorail nach Enoshima 2017 auch nicht am Netz hing, da ging sogar nur Papierticket. Mittlerweile ist das aber schon sehr lang der Fall.
Bekommt das IC-System etwa Löcher? Weiss da jemand was?
Ich glaube nicht, dass das System Löcher bekommt. Einige kleinere Verkehrsbetriebe (genauso wie viele Restaurants) machen da bewusst nicht mit, da sie ja bei jedem Ticketkauf bis zu 3% der Einnahmen verlieren. Grund könnte natürlich auch ein störrischer Chef sein, der die ganzen Bezahlsysteme für Hokuspokus hält :)
Wie ich gelesen hatte, damals auf Vorbereitung für die Reise, wollte man in Kumamoto wohl die Technik nicht aufrüsten, um weiter an dem IC-Netzwerk teilnehmen zu können. Die Straßenbahnen sollen glaube nächstes Jahr auch auf “Kumamon IC-Only” umgestellt werden.
Die Karte ist eh interessant, und ist wohl komplett abgeklemmt. Ich konnte sie nicht mal in einem 7eleven aufladen. Das ging nur beim Busfahrer oder an den sehr unscheinbar wirkenden Kumamon Automaten. Die übersieht man leicht.
Ist aber ein nettes Sammlerstück, außerdem komme ich wohl sicher nochmal wieder.