TohokuAomoriAomori - Heimat des berühmten Nebuta-Festivals

Aomori – Heimat des berühmten Nebuta-Festivals

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Region: 東北 Tōhoku
Präfektur: 青森 Aomori
Rang 3 von 5 Sternen: Durchaus einen Abstecher wert
Name Aomori. („SEI, ao-i“) bedeutet „grün“ und „blau“ (ja, ursprünglich wurde im Chinesischen und Japanischen nicht unterschieden, aber das ist eine lange Geschichte…) und („SHIN, mori“) bedeutet „Wald“. Ein erstaunlich schlichter Ortsname, der wahrscheinlich wirklich das bedeutet, was er besagt. Ein dichter Kiefernwald am ehemaligen Hafen war wohl namensgebend, aber den Wald gibt es schon lange nicht mehr.
Lage Hoch im Norden von Tōhoku 東北 in der gleichnamigen Provinz an der Aomori-Bucht 青森湾 – einer Nebenbucht der Mutsu-Bucht. Aomori liegt näher an Russland (530 Kilometer Luftlinie) als an Tokyo.
Ansehen Das Zentrum östlich des Hauptbahnhofs. Interessant und in ganz Japan berühmt ist das Nebuta-Festival ねぶた祭 im August – außerhalb dieser Zeit ist das Nebuta-Museum sehr empfehlenswert. Die Küstenpromenade. Die Umgebung, vor allem der Berg Hakkoda.

Aomori ist die Hauptstadt der gleichnamigen Präfektur – ihres Zeichens die nördlichste Präfektur der Hauptinsel Honshū. Die Stadt liegt an der gleichnamigen Bucht, einer Nebenbucht der großen Mutsu-Bucht. Dank zahlreicher Eingemeindungen ist das Stadtgebiet über 800 Quadratkilometer groß. hier leben rund 320’000 Einwohner – damit zählt Aomori zu den kleineren Präfekturhauptstädten Japans. Die Bevölkerung stagniert zur Zeit – die Überalterung und Kinderlosigkeit schreitet auch in Aomori voran, doch das wird durch den Zuzug von Einwohnern kleinerer Gemeinden in Aomori ausgeglichen.

Die 100’000-Einwohner-Marke knackte die Stadt erst 1950 – im Jahr 1900 war der Ort mit rund 30’000 Einwohnern eher unbedeutend. Im Bereich der heutigen Stadt siedelten schon mindestens seit 6’000 Jahren Menschen. Der Ort wurde als Siedlung 1626 gegründet und war zeitweise ein relativ wichtiger Hafen und später, seit dem 19. Jahrhundert, Garnisonsstandort. 1910 wurden weite Teile der Stadt durch ein Grossfeuer vernichtet. Aufgrund der militärischen Bedeutung wurde Aomori in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges zudem noch massiv aus der Luft bombardiert – knapp 90% der Stadt wurden dabei völlig zerstört. Rund die Hälfte der Einwohner zog vorerst weg, kehrte aber bald wieder.

Blick auf das - recht lose bebaute - Stadtzentrum von Aomori
Blick auf das – recht lose bebaute – Stadtzentrum von Aomori
Aomori - mit der Mutsu-Bucht und der Shimokita-Halbinsel im Hintergrund (rechts) und schwach erkennbar Hokkaido (links)
Aomori – mit der Mutsu-Bucht und der Shimokita-Halbinsel im Hintergrund (rechts) und schwach erkennbar Hokkaido (links)

Strategisch hatte die Stadt spätestens seit Mitte des 19. Jahrhunderts eine besondere Bedeutung, galt sie doch als Tor zur nördlichen Insel Hokkaido. (siehe Hakkoda-Fähre weiter unten). Das Klima ist allerdings etwas problematisch und macht Aomori nicht zum beliebtesten Wohnort Japans – zwar sind die Sommer vergleichsweise kühl – Regenzeit und Taifune beeinflussen das Klima nicht übermäßig, doch in den Wintermonaten fallen insgesamt knapp 6 Meter Schnee, und das ist eine ganze Menge. Dafür ist die Lage am Ende der Bucht vorteilhaft — da die Einfahrt zur Bucht relativ eng ist, wird die Stadt so gut wie kaum von Tsunamis gefährdet, da sich das Wasser in der weiten Bucht gut verteilt. Dementsprechend ist auch der Tidenhub wesentlich geringer als anderswo in Japan.

Bis 1871 spielte Aomori die zweite bis dritte Geige im Gebiet der heutigen Präfektur Aomori. Bedeutsamer war bis dahin die Stadt Hirosaki südöstlich von Aomori sowie Hachinohe östlich von Aomori. In jenem Jahr jedoch wurde im Zuge der Modernisierung das System der Lehen („Han“) abgeschafft – stattdessen entstanden Präfekturen. Zuerst wurden im Gebiet des heutigen Aomori 5 Präfekturen geschaffen, die man jedoch kurz darauf zu einer Präfektur zusammenlegte. Aufgrund der zentralen und geschützten Lage der Stadt Aomori beschloss man, diese zur Präfekturhauptstadt zu erklären — und dementsprechend auch die Präfektur danach zu benennen.

A-Factory mit der markanten Bucht von Aomori-Brücke
A-Factory mit der markanten Bucht von Aomori-Brücke
Aomori Prefecture Tourism Information Center ASPAM
Aomori Prefecture Tourism Information Center ASPAM

Im Jahr 1873 wurde eine regelmäßige Fährverbindung zwischen Aomori und Hakodate eingerichtet – diese spielte eine vitale Rolle in der Erschließung von Hokkaido. 1891 dann wurde die Stadt an das Eisenbahnnetz angeschlossen – damit wurde es möglich, von Tokyo (vom Bahnhof Ueno, um genau zu sein) nach Aomori zu fahren. Für die 740 Kilometer lange Strecke benötigte der Zug damals 26 Stunden.

1876 wurde Aomori zur Garnisonsstadt, doch im Jahr 1902 kam es zu einem schweren Zwischenfall – 210 Infanteristen machten sich im Winter zu einem Fußmarsch nach Hachinohe auf. Zum einen aus Übungszwecken, da ein Krieg mit Russland am Horizont lag, zum anderen, weil Teile der Eisenbahnlinie aufgrund eines Angriffs seitens Russlands unbrauchbar waren. Also besonders schwer galt die Etappe von Aomori Stadt bis Tashiro-Motoyu in den Hakkoda-Bergen. Die Infanteristen gerieten auf der 20 Kilometer langen Strecke in einem Schneesturm stecken und verirrten sich. Dies sowie die schlechte Ausrüstung der Soldaten, gepaart mit einigen Fehlentscheidungen inkompetenter Vorgesetzter, führte dazu, dass 199 der Teilnehmer in den folgenden 8 Tagen an Hunger, Erschöpfung und Erfrierungen starben. Nur 5% beziehungsweise 11 Soldaten überlebten den Marsch – allerdings mit schwersten Erfrierungen.

Da Aomori über einen wichtigen Hafen und Kasernen verfügte, wurde die Stadt im Sommer 1945 das Ziel amerikanischer Bomberverbände. Diese warfen erst zehntausende Flugblätter ab, auf denn sie bekannt gaben, dass Aomori auf einer Liste mit 11 Städten steht, von denen demnächst 4 oder 5 bombardiert werden. Doch die Stadtverwaltung verbot das Lesen der Flugblätter sowie die Flucht aus der Stadt. Am Folgetag regnete es dann rund 83’000 Brandbomben auf Aomori. Fast 1’800 Einwohner verloren ihr Leben, 18’000 Häuser wurden zerstört und rund 70’000 Menschen wurden obdachlos.

Damit man auch nicht vergisst, wo man ist: Am Ufer, unterhalb der Bay Bridge von Aomori
Damit man auch nicht vergisst, wo man ist: Am Ufer, unterhalb der Bay Bridge von Aomori
Die teilweise überdachte Einkaufspassage in der Shinmachi-dōri in Aomori
Die teilweise überdachte Einkaufspassage in der Shinmachi-dōri in Aomori

Es dauerte einige Jahre, bis sich die Stadt von dem Luftangriff erholt hatte, aber danach ging es rasch bergauf. 1964 wurde der Flughafen eröffnet (der heutige Flughafen befindet sich jedoch an anderer Stelle), und 1979 erfolgte der Anschluss an das Autobahnnetz. 1993 gründete man die öffentliche Universität Aomori. 2010 schließlich erreichte der erste Shinkansen die Stadt, und seit 2016 kann man sogar mit dem Shinkansen weiter bis nach Hokkaido fahren.

Das Stadtzentrum von Aomori ist relativ modern und nach amerikanischen Vorbild geplant – mit rechteckigen Blöcken und breiten Hauptverkehrsstraßen. Wie in anderen kleineren japanischen Präfekturhauptstädten auch gibt es erstaunlich viel Platz in der Innenstadt, der oft als (ziemlich günstiger) Parkplatz genutzt wird. Die kompakte, langgestreckte Innenstadt verläuft länglich zwischen Staatsstrasse 4 und dem Ufer der Bucht, in einem Bereich zwischen dem Bahnhof Aomori und dem Tsutsumi-Fluss. Die meisten Geschäfte findet man in der Shinmachi-dōri, die das Zentrum von Ost nach West quert und am Bahnhof endet.

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Hakkōda-Denkmal 八甲田丸

Am 13. März 1988 wurde er nach 27 Jahren Bauzeit eröffnet: Der 青函tonneru (Seikan-Tunnel). Etwas zum Namen: Japanische Städtenamen werden oft (aber nicht immer) mit der japanischen Lesung der Schriftzeichen geschrieben. Bei Verbindungsstrecken (wie Eisenbahnen, Straßen und dergleichen) zwischen zwei Städten nimmt man gern eins (von meistens zwei) Schriftzeichen der jeweiligen Stadt und bildet daraus einen neuen Begriff, für den man dann die chinesisch angelehnte Lesung benutzt. Der Seikan-Tunnel verbindet Aomori auf Honshu mit Hakodate auf Hokkaido. Also nimmt man das 青 in 青森 (Aomori), dieses wird auch „SEI“ gelesen, sowie das 函 von 函館 Hakodate – dieses wird auch „KAN“ gelesen, und fertig ist der Name. Für Ausländer etwas schwer zu merken, aber Japaner verstehen sofort, was gemeint ist, wenn sie die Schriftzeichen sehen.

Der Seikan-Tunnel ist eine ingenieurtechnische Meisterleistung – er ist insgesamt knapp 54 Kilometer lang, gut 23 Kilometer davon befinden sich unter dem Meer, die tiefste Stelle befindet sich 240 m unter dem Meeresspiegel. Der Tunnel ist nur für den Bahnbetrieb ausgelegt und erlaubt Geschwindigkeiten bis zu 250 Stundenkilometer. Bis zur Eröffnung des Gotthard-Basistunnel im Jahr 2016 war der Seikan-Tunnel der längste Verkehrstunnel der Welt.

Das Gedenkschiff Hakkoda-Maru im Hafen von Aomori
Das Gedenkschiff Hakkoda-Maru im Hafen von Aomori
Mit den Eisenbahnwaggons ging es rein in die Fähre
Mit den Eisenbahnwaggons ging es rein in die Fähre

Bis zur Eröffnung des Tunnels war man bei Reisen und Lieferungen nach Hokkaido neben dem Flugzeug auf die Eisenbahn- und Personenfähre angewiesen. Bereits ab 1908 wurden Eisenbahnfähren eingesetzt – die bekannteste Fährverbindung beziehungsweise Fähre war die markante, gelb-weiße Fähre 八甲田Hakkōdamaru. Gebaut wurde dieser Schiffstyp 1964, und er bediente bis zur Tunneleröffnung 1988 zusammen mit drei baugleichen Schiffen die Route zwischen Aomori und Hakodate. Die über 130 m lange Fähre konnte mehrere Eisenbahnwaggons sowie bis zu 1’200 Passagiere transportieren. Die Fahrt bis Hakodate dauerte dabei in etwa 3½ Stunden.

Heute kann man für den Eintrittspreis von 530 Yen das Innere der Fähre besichtigen – besonders beeindruckend ist dabei natürlich das Deck, in dem die Eisenbahnwaggons transportiert werden, aber auch die oberen Passagierdecks sind ein faszinierender Blick in die 1980er.

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Utou-Schrein 善知鳥神社

Mitten im Stadtzentrum von Aomori befindet sich der relativ kleine Utou-Schrein. Dieser markiert den Ursprung der Stadt, denn lange bevor Aomori entstand, gab es hier das Dorf Utou. Der Schrein ist hauptsächlich den 3 Munakata-Göttinnen gewidmet – diese stammen von der Sonnengöttin Amaterasu ab (siehe Kami im Shintoismus) und sind vor allem für das Meer und die Sicherheit von Seefahrern „zuständig“.

Wann der Schrein genau entstand ist nicht mehr ganz nachvollziehbar – die Schreinhüter gehen davon aus, dass er in der jetzigen Form im Jahr 807 gebaut wurde. Damals gab es hier einen kleinen See, der den Fischern bei jedem Wetter Schutz vor Wind und Wetter bot, doch der See fiel später trocken, als die Flüsse umgeleitet wurden.

Am 14. und 15. September jeden Jahres wird das große Utou-Schrein-Matsuri abgehalten.

Hauptgebäude des Utou-Schreins im Zentrum von Aomori
Hauptgebäude des Utou-Schreins im Zentrum von Aomori
Torii des Utou-Schreins mit umgebenden Park
Torii des Utou-Schreins mit umgebenden Park

Interessant ist der Name des Schreins — 善知鳥Utō神社jinja, der „Utou-schrein“. Utou ist der Name einer Vogelart, auf deutsch „Nashornalk“ genannt. Der Vogel wird mit den Schriftzeichen U, to und u geschrieben, wobei die Lesungen für alle drei Schriftzeichen ungewöhnlich sind. Den Schriftzeichen nach handelt es sich um „einen Vogel, der Gutes weiß“ — der Utou gilt als Götterbote, der gute Kunde von den kami zu den Menschen bringt. Der Name selbst wird nicht „uto-u“ gesprochen sondern Utō, und stammt wahrscheinlich von dem Ainu-Wort für „hervorstehen“ ab (das bezieht sich auf eine Wulst am Schnabel, daher der Name „Nashornalk“).

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Nebuta-Museu WA RASSE ねぶたの家 ワ・ラッセ

In Japan gibt es unzählige 祭りmatsuri – Feste mit meist religiösem Ursprung (Shintoismus, um genau zu sein). Die meisten Feste haben nur lokale Bedeutung – quasi alle Schreine, in denen es Priester gibt, richten mindestens ein Mal im Jahr, und das meist im Sommer, ein Fest aus. Es gibt aber auch ein gutes Dutzend Feste, die so ziemlich jeder Japaner kennt. Dazu gehört zweifelsohne das 青森AomoriねぶたNebutaMatsuri, das „Nebuta-Fest“. Dieses zählt zu den vier großen Festen von Tohoku und lockt normalerweise bis zu 2-3 Millionen Besucher an – das sind doppelt so viele Menschen wie die Präfektur Aomori Einwohner hat. Das Wort „Nebuta“ kommt möglicherweise vom Wort 眠たいnemutai – „ich möchte schlafen“. Der Legende nach gab es früher Rituale, um die durch die sommerliche Wärme bedingte Müdigkeit bei der Feldarbeit zu verscheuchen, und dazu gehörte das Anzünden und tragen von „Feuerkörben“ und dergleichen.

Heute ist das Nebuta-Fest ein riesiges Spektakel. Vom 2. bis zum 7. August werden zwischen 15 und 25 sehr bunte, beleuchtete Wagen mit fantasievollen Figuren durch die Straßen gezogen, welche von hunderttausenden von Schaulustigen bevölkert sind. Am letzten Tag gibt es als letzten Höhepunkt ein großes Feuerwerk, welches über dem Wasser abgefeuert und damit von vielen Orten gut sichtbar ist. Zu dieser Zeit werden auch ein paar der prächtigen Installationen mit Booten über das Wasser gezogen.

Das futuristisch anmutende Nebuta-Museum Wa Rasse
Das futuristisch anmutende Nebuta-Museum Wa Rasse
Die farbenprächtigen Festwagen des Nebuta-Fests
Die farbenprächtigen Festwagen des Nebuta-Fests

Die Plätze entlang der Paradestrecke sind allesamt reserviert – für 3,500 Yen pro Tag bzw. Nacht kann man im Voraus Tickets erwerben, und das ist auch ratsam, da man sonst nicht allzu viel dient. Man kann auch — im Gegensatz zu vielen anderen Matsuris — nicht einfach mittanzen. Nur eine ハネトhaneto genannte Nebenveranstaltung erlaubt Besuchern, selbst aktiv zu werden. Auch hier muss die Teilnahme im Voraus angemeldet werden, und es werden „nur“ gut 100’000 Teilnehmer erlaubt.

Natürlich muss eine Teilnahme an dem Fest gut geplant werden, denn die Übernachtungen in Aomori sind Monate im Voraus ausgebucht. Wer jedoch nicht das Glück hat, Anfang August in Aomori zu weilen, dem bleibt ein Besuch des sehr schönen ねぶたNebutanoieワ・ラッセWa-Rasse (Nebuta Museum WA RASSE). Das stadteigene, 2011 eröffnete Museum ist bereits architektonisch eine kleine Sensation mit seinen lichtdurchlässigen, leicht geschwungenen, senkrechten roten Metallstreben. Die Idee für das Museum entstand kurz nach dem Jahr 2000 — die Gegend rund um den Hauptbahnhof war sehr trist und so gut wie tot. Deshalb beschloss die Stadtverwaltung, die Gegend wiederzubeleben. So entstand das Nebuta-Museum, aber auch der daneben befindliche A-Factory-Komplex. Das „A“ steht für „Apple“, denn Aomori ist in ganz Japan als Apfelanbaugebiet bekannt. In dem schön gestalteten Komplex gibt es eine Cidre-und Apfelsaftbrauerei sowie einen kleinen Markt, in dem man lokale Produkte erwerben kann.

Einer der Festwagen im Nebuta-Museum
Einer der Festwagen im Nebuta-Museum
Holz, Draht und Elektrik - filigrane Meisterarbeit
Holz, Draht und Elektrik – filigrane Meisterarbeit

Das Nebuta-Museum ist sehr schön gestaltet, mit ausführlichen Betrachtungen der Geschichte des Festes, alten Fotografien — sowie zahlreichen Festwagen in voller Beleuchtung. Die Festwagen sind allesamt Einzelanfertigungen und mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Besonders eindrucksvoll sind die Farben der farbenfrohen Motive.

Das Nebuta-Fest ist übrigens nicht einzigartig — auch in anderen Städten in Aomori werden ähnliche Feste mit ähnlich bunt geschmückten Festwagen gefeiert. Selbst in Tokyo gibt es alljährlich ein Nebuta-Fest, organisiert von Menschen, die einst von Aomori nach Tokyo zogen.

Das WA RASSE Nebuta-Museum ist (fast) täglich von 9-17 Uhr geöffnet, der Eintritt kostet 620 Yen. Vom Bahnhof Aomori braucht man gerade mal 2 Minuten zu Fuss bis zum Museum.

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Hakkōda-Berge 八甲田山

Nur gut 20 Kilometer südöstlich vom Stadtzentrum erheben sich die über 1’500 Meter hohen Hakkōda-Berge – ein aktiver vulkanischer Bergkomplex, der sich in einen nördlichen Teil mit 10 Gipfeln und einen südlichen Teil mit 9 Gipfeln unterteilen läßt. Der 大岳Ōdake im nördlichen Bereich ist mit 1’585 m der höchste Gipfel.

Der letzte Ausbruch geschah 1550 und liegt damit fast ein halbes Jahrtausend zurück, doch die Gefahr ist nach wie vor präsent – so gab es 1997 und 2010 tödliche Unfälle aufgrund vulkanischer Gase, die noch immer aus dem Berg austreten. Nach dem verheerenden Erdbeben von 2011 nahmen auch am Hakkoda vulkanische Aktivitäten zu, zumeist in Form von vulkanischen Beben. Ein erneuerter Ausbruch des Vulkans könnte bei ungünstigen Bedingungen (genauer Ausbruchsort, Windrichtung) das Potential haben, der Stadt Aomori schwere Schäden zuzufügen.

Aufgrund der besonderen Form und der hohen Prominenz der Hakkoda-Berge gehören selbige zur Liste der 100 bedeutendsten Berge Japans. Aufgrund der nördlichen Lage und den schneereichen Wintern in der Gegend beginnt die alpine Zone am Hakkoda bereits auf rund 1’000 Meter Höhe.

Die Hauptgipfel des Hakkoda-Massivs
Die Hauptgipfel des Hakkoda-Massivs
Mit der Seilbahn kommt man schnell bis zur näheren Umgebung der Gipfel
Mit der Seilbahn kommt man schnell bis zur näheren Umgebung der Gipfel

Die Hakkōda-Berge sind ein beliebtes Ausflugsziel – im Sommer, weil man relativ leicht in rund 3 Stunden auf den Gipfel (und wieder herunter) gelangt; im Winter, weil man hier Ski fahren und die sogenannten „Schneemonster“ sehen kann – die kleinen Tannen verwandeln sich aufgrund des Schnees und des starken Windes in kleine, weiße Ungetüme.

Seit 1968 bringt die Hakkoda Ropeway (Seilbahn) bis zu 250’000 Besucher pro Jahr zum Berg – die Talstation liegt auf 670 m Höhe, und die Bergstation bereits auf 1’320 m – von hier bis zum höchsten Gipfel des Massivs sind es dann nur noch run 250 Höhenmeter. Die 10-minütige Fahrt kostet 1’250 Yen für eine einfache Fahrt und 2’000 Yen für die Hin- und Rückfahrt. Allein die Fahrt lohnt sich, denn an halbwegs klaren Tagen kann man die Stadt Aomori, die gesamte Mutsu-Bucht, Hokkaido, den Iwaki-san im Westen, den Chōkai-san im Südwesten und den Iwate-san im Südosten sehen.

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Kulinarisches

Aomori ist in erster Linie für die Produktion von Äpfel bekannt, doch es gibt natürlich noch viel mehr — zum Beispiel のっけNokkedon. Hier werden schlichtweg alle verfügbaren Meerestiere auf eine Schale Reis gelegt. Im Rest des Landes heißt das“Kaisendon“, aber in Aomori ist dieses Gericht natürlich aufgrund des regen Fischereiwesens besonders frisch und empfehlenswert.

In Japan relativ unbekannt ist die Tatsache, dass man auch in Aomori gern ba刺しsashi isst – rohes Pferdefleisch. Eigentlich ist Kumamoto auf der Insel Kyushu ganz im Süden für dieses Gericht bekannt, doch die Variante von Aomori ist ebenfalls sehr empfehlenswert (so man kein Problem mit Pferdefleisch hat, versteht sich).

Lokale Spezialitäten werden wie üblich in Japan vielerorts angeboten. Hervorhebenswert ist hier aber ein sehr kleines Restaurant mit nur rund 10 Plätzen – das 奥津軽Okutsugaru. Dieses Restaurant befindet sich in der kleinen Sanfuri-Yokochō, einer sehr kleinen Kneipenzeile in 3-8-3 Honchō. Die schon gut betagte Besitzerin ist sehr unterhaltsam und extrem freundich – und kocht mehrere dutzend verschiedene Gerichte komplett selbst – und das auch noch sehr gut.

Deftige Lokalkost gibt es im Oku-Tsugaru in Aomori
Deftige Lokalkost gibt es im Oku-Tsugaru in Aomori

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Anreise

Seit 2010 ist der Ort an das Shinkansen-Netz angeschlossen und seitdem auch ohne das Flugzeug bequem von Tokyo zu erreichen. Von Tokyo bis zum Bahnhof 新青森 Shin-Aomori (Neu-Aomori) dauert die Fahrt ca. 3 Stunden und 20 Minuten und kostet rund 17’000 Yen für eine einfache Fahrt. Von dort sind es noch mal rund 4 Kilometer bis zum Bahnhof im Stadtzentrum – die Fahrt dauert rund 7 Minuten. Seit 2016 fährt der Shinkansen sogar bis Hokkaido – so kommt man nun in rund 2 Stunden nach Hakodate. Nach Hakodate fahren übrigens auch Fähren über die Meerenge – das dauert rund 4 Stunden und kostet lediglich 1’600 Yen.

Die JR Tsugaru Kaikyō JR津軽海峡線 (Japanese Railways Tsugaru-Meerenge) betreibt Züge von Aomori direkt nach Hakodate 函館 auf Hokkaidō 北海道. Dauert 2 bis 2½ Stunden. Man fährt dabei durch den Seikan-Tunnel 青函トンネル – der zweitlängste der Welt. Die Fahrt kostet gut 5’000 Yen im Express und 3’090 Yen im weniger schnellen Schnellzug. Auch Boote fahren nach Hakodate – das Schnellboot ist schneller als der Zug und kostet ebenfalls um die 5000 Yen.
Der schnellste Weg von Tokyo führte bis 2010 nach Hachinohe 八戸 im Osten der Präfektur – mit dem Shinkansen dauert das drei Stunden. Von dort fahren Züge der JR Tōhoku Honsen JR東北本線 weiter bis zur Stadt (mit dem Express „Tsugaru“ eine knappe Stunde). Schnellzüge und normale Züge fahren auch nach Hirosaki 弘前 und weiter nach Akita 秋田. Nach Hirosaki dauert es keine halbe Stunde.

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Übernachtung

In der Stadt gibt es natürlich mehrere Hotels, da es sich ja um eine Präfekturhauptstadt handelt. Besonders hervorzuheben ist hier das Hotel Aomori — es befindet sich am östlichen Ende des Vergnügungs- und Geschäftsviertels und liegt damit sehr günstig. Von den höheren Etagen (insgesamt gibt es 17 Stockwerke) hat man einen hervorragenden Blick auf die Stadt, das Meer und die Berge. Der Service ist exzellent, das Frühstück sehr gut und mit Preisen ab 10’000 Yen pro Nacht bietet das Hotel Aomori ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis. Die Adresse: 030-0812, Aomori, Tsutsumi-machi 1-1-23. Mehr erfährt man auf der Webseite des Hotels: www.hotelaomori.co.jp.

Das Hotel Aomori
Das Hotel Aomori

Zu allgemeinen Übernachtungstipps siehe Übernachtungstipps Japan

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tabibito
tabibitohttps://japan-almanach.de
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei der Tabibitos Blog empfohlen.

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