KantoTokyo-toTokyo: Hino-shi

Tokyo: Hino-shi

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Region: 関東 Kantō
Präfektur: 東京 Tokyo

日野市 Hino-shi

2 von 5 Sternen: Kann man Sehen, muss man aber nicht
Name:

Der Name setzt sich aus „日“ (Sonne) und „no“ (Feld) zusammen. Zur Enstehung gibt es mehrere Legenden – unter anderem die, das der Name einst 火野 („Feuerfeld“) geschrieben wurde, da dort ein Feuerturm gestanden haben soll. Die LKW-Marke „Hino“ verdankt übrigens ihren Namen dieser Stadt.

Lage:

Hino liegt fast genau in der Mitte der Präfektur Tokyo – zwischen den 23 zentralen Bezirken im Osten und der Stadt Hachiōji im Westen. Historisch gesehen liegt der Ort im Südteil der Tama-Region. Das Zentrum von Tokyo liegt rund 35 Kilometer entfernt östlich von Hino.

Hino – Allgemeines

Die Präfektur Tokyo besteht aus 23 Sonderbezirken („ku“), 26 Städten („shi“), einer Gemeinde („gun“) sowie mehreren abgelegenen Inseln. Hino-shi ist eine dieser Städte und befindet sich außerhalb des Stadtzentrums von Tokyo. Die Stadt ist knapp 28 Quadratkilometer gross und hat rund 180’000 Einwohner – Tendenz stark steigend. Aufgrund der guten Zuganbindung und der im Vergleich zur Innenstadt noch niedrigen Grundstückspreise erfreut sich die Stadt Hino wachsender Beliebtheit bei Pendlern – einem Zensus zufolge pendeln über 20% der Bewohner täglich zur Hauptstadt. Der Trend begann bereits in den 1950ern, als der Ort immer leichter mit der Bahn erreichbar wurde.

Der Kongō-Tempel in Hino, Tokyo
Der Kongō-Tempel in Hino, Tokyo

Im Stadtgebiet gibt es einige Flüsse, aber auch die Tama-Bergkette. Allerdings wird das Stadtgebiet immer mehr zersiedelt. Interessant sind die klimatischen Unterschiede zur Innenstadt von Tokyo: Im Winter ist es hier rund 2 bis 3 Grad kälter; Schneehöhen von 20 bis 30 cm sind hier keine Seltenheit (im nahegelegenen Tokyo hingegen eine Sensation). Da man hier jedoch bereits weiter entfernt vom Meer liegt, ist es hier im Sommer gleich mal 2 bis 3 Grad wärmer. Die zunehmende Bebauung bleibt aber auch hier nicht ohne Folgen: Es wird wärmer im Winter, und heißer im Sommer.

Blick auf eines der Hauptgebäude im Kongō-ji
Blick auf eines der Hauptgebäude im Kongō-ji

Das Stadtgebiet ist nicht gerade reich an Sehenswürdigkeiten – dafür ist der Ort zu jung. Die Geschichte des Ortes begann wahrscheinlich im Jahr 1605 als 日野宿 Hinojuku (Hino-Herberge) – einer „Raststätte“ auf dem damals neu angelegten Handelsweg 甲州街道 Kōshūkaidō, der damals Edo mit der heutigen Präfektur Nagano verband. Hino war von der Burg von Edo aus gesehen die 5. Raststätte. Doch das heutige Stadtgebiet blieb eher ländlich (und Teile sind es noch heute). Im 19. Jahrhundert, infolge der Auflösung der Han, wurde Hino Teil der Präfektur Kanagawa, bevor es 1889 in die Präfektur Tokyo eingegliedert wurde. Von der Herbergsanlage sind zwar rekonstruierte Bereiche erhalten, doch wegen denen verirren sich hierher kaum Besucher.

金剛寺 Kongō-ji

Am Sockel der Pagode im Kongō-ji
Am Sockel der Pagode im Kongō-ji

Die eigentliche Sehenswürdigkeit der Stadt ist der 金剛寺 Kongō-ji – so der offizielle Name des grossen Tempelbereiches. „Kongō“ ist der japanische Name für „Vajra“, einem buddhistischen Ritualobjekt, das man auch in Indien, Tibet usw. findet. Der Tempel ist allerdings eher unter dem Namen 高幡不動尊 Takahata-Fudōson bekannt. Takahata ist der Ortsteilname, Fudō eine buddhistische, gottähnliche Figur (die in Indien auch unter dem Namen Acala bekannt ist). Der Fudō gilt als „Schützer der Lehre“ und sieht meist sehr grimmig aus, muss er doch die Feinde des Buddhismus abschrecken. Es gibt sehr viele Tempel in Japan, die dem „fudō“ gewidmet sind. In der Gegend von Tokyo (Kanto genannt) spricht man da von den 関東三大不動 Kantō Sandai Fudō – den „drei grössten/bekanntesten Fudō-Tempeln in Kanto“. Der Kongō-ji zählt dazu, ebenso der Narita-san in der Stadt Narita (beim dritten gehen die Meinungen auseinander – es gibt mehrere Kandidaten).

Laut Tempel-Annalen wurde die Anlage bereits im 8. Jahrhundert angelegt. So soll später dann auch der berühmte Mönch 円仁 Ennin (793-864) den Takahata-Hügel als buddhistischen heiligen Ort auserkoren haben (Ennin ist vor allem für die schriftlichen Ausführungen über seine Reisen nach China bekannt). Die Tempelanlage ist geräumig, hat ein prachtvolles Tor, eine schöne Haupthalle mit interessantem Dach, eine Pagoda und einen etwas abgelegenen, winzigen Bereich auf einem Mini-Hügel. Besonders am 28. jeden Monats ist die Tempelanlage gut besucht, manchmal findet auf dem Tempelgelände auch ein lebhafter Trödelmarkt statt. Der Takahata-Fudōson ist auch für seine アジサイ Gartenhortensien bekannt, die hauptsächlich im Juni, in der Mitte der Regenzeit, blühen. Der Eintritt in die Tempelanlage ist frei. Am besten kommt man zu dem Tempel mit der Keiō-Linie – der Bahnhof 高幡不動尊 Takahata Fudō liegt nur gute 100 Meter vom Tor des Tempels entfernt.

Die Fudōdō-Halle mit ihrem äußerst markanten Dach
Die Fudōdō-Halle mit ihrem äußerst markanten Dach

Interessant ist übrigens die Zusammensetzung des Stadtparlamentes von Hino-shi: Im Jahr 2014 sassen hier mehr Kommunisten im Parlament als Mitglieder der Regierungspartei.

tabibito
tabibitohttps://japan-almanach.de
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei der Tabibitos Blog empfohlen.

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