ShikokuKochiYusuhara - die kleine Stadt mitten in den Bergen...

Yusuhara – die kleine Stadt mitten in den Bergen mit architektonischen Perlen

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Region: 四国 Shikoku
Präfektur: 高知 Kōchi
Rang 3 von 5 Sternen: Durchaus sehenswert
Name wird eigentlich „TŌ, kirikabu oder orokanasama“ gelesen und ursprünglich mit dem wesentlich komplizierteren Schriftzeichen 檮 geschrieben. (GEN, hara) bedeutet Feld oder auch Ebene. „Yusu(-no-ki)“, ist ein anderer Name für den Baum „Isunoki“ – auf deutsch „Gemeine Doppelgriffel“ genannt. Der Baum kommt vor allem im Fernen Osten vor und gehört zur Familie der Zaubernussgewächse. Das harte Holz dieses nur 2-3 m hohen Baumes bzw. Strauches wird vor allem zur Herstellung der Soroban benutzt – die japanische Variante des Abakus. Der Yusunoki liebt vor allem höhere Lagen, und da es bei Yusuhara viele dieser Bäume gibt, wählte man diesen Namen. Auch für Japaner gilt – wer diesen Ort nicht kennt, kann den Ortsnamen nicht einfach lesen.
Lage Yusuhara liegt am gleichnamigen Fluss und so ziemlich genau in der Mitte der Westhälfte der Insel Shikoku. Die Präfekturhauptstadt Kōchi liegt rund 75 Kilometer entfernt Richtung Osten, und Matsuyama, die Präfekturhauptstadt von Ehime, liebt genau so weit entfernt nördlich von Yusuhara.

Yusuhara heisst genau genommen „Yusuhara-chō“, was bedeutet, dass es nach dem japanischen Verwaltungssystem zwischen Stadt („-shi“) und Dorf („-son, -mura“) liegt. Das Gebiet der Gemeinde ist 236 Quadratkilometer groß – dort leben zur Zeit rund 3’100 Menschen. Die Bevölkerungsdichte liegt damit bei gerade mal 13 Einwohnern pro Quadratkilometer – das ist extrem niedrig für Japan (von 734 „machi“ liegt Yusuhara damit auf Rang 655). Den Höhepunkt erreichte die Gemeinde 1957 mit über 11’000 Einwohnern, doch seitdem geht es stetig bergab – rund die Hälfte der Einwohner ist älter als 65 Jahre, und allein von 2015 bis 2020 nahm die Bevölkerung um 8% ab. Die Gegend wird regelrecht entsiedelt.

Im Gemeindegebiet aber etwas abseits vom Zentrum liegt eine Karsthochebene – die gehört zu den drei spektakulärsten Karstgebieten Japans. Bei idealen Sichtbedingungen kann man von der Ebene sowohl den Pazifik südlich von Shikoku als auch die Seto-Binnensee nördlich von Shikoku sehen. Im Winter ist die Karstebene jedoch schwer bis gar nicht erreichbar – kein Wunder, der Ort liegt auf 1,650 m Höhe, und im Winter schneit es nicht selten.

Im Gemeindezentrum von Yusuhara
Im Gemeindezentrum von Yusuhara
Die Hauptstraße von Yusuhara
Die Hauptstraße von Yusuhara

Und trotzdem geschieht einiges in Yusuhara. So wurde die Stadt 2009 zur Umweltstadt gekürt, da es viele umweltfreundliche Massnahmen gab beziehungsweise immer noch gibt. Einen wichtigen Beitrag dazu leistete einer der berühmtesten Architekten Japans – Kuma研吾Kengo. Der 1954 in Yokohama gebürtige Architekt gestaltete unter anderem die LVMH-Filiale in Osaka, das Nezu-Kunstmuseum, das Ginza-Kabukiza, das FRAC in Marseille, das Olympische Nationalstadion in Tokyo um nur ein paar wenige zu nennen. Er unterhält unter anderem auch in Paris ein Architekturbüro.

Zwar gibt es auch einige Ausnahmen, aber Kuma baut gern mit traditionellen Baustoffen, vor allem mit Holz. 1994 kam er zum ersten Mal nach Yusuhara, um dort die alte Theaterbühne komplett zu restaurieren. Yusuhara ist dafür berühmt, dass mehr als 90% des Gemeindegebiets bewaldet ist – hier gibt es natürliche Baustoffe im Überfluss.

Kumo-no-ue-Hotel und "Machi-no-eki" - Bauwerk von Kuma Kengo in Yusuhara
Kumo-no-ue-Hotel und „Machi-no-eki“ – Bauwerk von Kuma Kengo in Yusuhara
Auch ein Juwel: Das Rathaus von Yusuhara, von Kuma Kengo
Auch ein Juwel: Das Rathaus von Yusuhara, von Kuma Kengo

Kengo Kumas Bauwerke sind sofort erkennbar – sie fallen einfach auf, und das auf sehr angenehme Art und Weise. Dazu zählt unter anderem das Rathaus der Stadt, oder aber auch der Machinoeki – „no-eki“ heißt ursprünglich „Bahnhof von“, aber genau genommen handelt es sich hier in Japan stets um Raststätten, an denen man Pause machen und Erzeugnisse der Region erwerben kann. Die oberen Etagen des „Machi-no-eki“ gehören zum Kumo-no-ue-Hotel. Die Fassade besticht durch eine elegante Mischung aus Glas und Schilf – eine in der Tat ungewöhnliche Kombination.

Der „Machi-no-eki“ befindet sich an der langen Hauptstraße des Ortes – diese verläuft parallel zum Yusuhara-Fluß. Zwei der drei Brücken über den Fluss sind ebenfalls von Interesse – die Miyuki-Brücke im Norden und die Yusuhara-Brücke, die nur gut 100 m vom Hotel entfernt liegt. Beide Brücken sind aus Holz gebaut.

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Kommunale Bibliothek Yusuhara 梼原町立図書館

Definitiv ein Highlight des kleinen Ortes ist die kommunale Bibliothek – diese wurde 2017 aus Materialen von Yusuhara erbaut. Die Fassade wird bereits von Holz dominiert, doch in der Bibliothek selbst wähnt man sich beinahe in einem lebendigen Wald, mit unsteten, aber sehr beruhigenden Formen und einem warmen Timbre. Bücher und Holz, hier und da sehr bequeme Sofas, ein Cafe, eine Kletterwand – und von der Atmosphäre her einfach nur ein extrem beruhigender Ort. Eine Bibliothek, wie man sie unbedingt auch im eigenen Wohnort haben möchte, oder anders gesagt, würden mehr Büchereien so aussehen, gäbe es wahrscheinlich mehr Bücherfans. Allerdings stimmt die Bibliothek auch ein bisschen traurig, wenn man bedenkt, dass die Bevölkerung des Ortes seit Jahrzehnten schwindet und schwindet.

Die kommunale Bibliothek von Kuma Kengo in Yusuhara
Die kommunale Bibliothek von Kuma Kengo in Yusuhara
Die famose Stadtbibliothek von Yusuhara
Die famose Stadtbibliothek von Yusuhara

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Die Galerie über den Wolken 雲の上のギャラリー

Ein paar Kilometer außerhalb des Zentrums befindet sich ein weiteres, besonderes Bauwerk des Architekten – das 木橋MokukyōミュージアムMyūjiamu (Holzbrückenmuseum), auch bekannt unter dem Namen Kumonouenoギャラリーgyarari – die „Galerie über den Wolken“ („…über den Wolken“ sieht man überall in Yusuhara, welches sich ja auch selbst als Stadt über den Wolken bezeichnet). Die außergewöhnliche Konstruktion in der Mitte ist ein Gang, der ein Onsen (heiße Quelle) mit einem gläsernen Aufzugsturm verbindet. Die Konstruktion entstand im Jahr 2010 und ist begehbar – zumindest während der Öffnungszeiten des Onsen. Ein Restaurant gibt es auch in dem Bereich.

Die Galerie über den Wolken von Kuma Kengo, bei Yusuhara
Die Galerie über den Wolken von Kuma Kengo, bei Yusuhara
Die Wolkengalerie von unten
Die Wolkengalerie von unten

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Anreise

Ohne eigenes Gefährt ist die Reise nach Yusuhara etwas mühsam, aber die Berge rund um Yusuhara sind spektakulär und rechtfertigen etwaige Strapazen. Von Kōchi aus fährt man am besten erstmal mit dem Zug bis zum Bahnhof 須崎Susaki – das dauert mit dem Express 40 Minuten und mit dem Bummelzug rund 1¼ Stunden. Von dort fährt die 高知Kōchi高陵kōryō交通kōtsūバスbasu (Kochi-Koryo-Buslinie) direkt nach Yusuhara – das dauert ingesamt gut 1¼ Stunden. Wer mit dem Auto anreist, sollte knapp 2 Stunden Fahrtzeit von Kōchi einplanen. Genauso lange dauert es in etwa von Matsuyama. Im Winter sind einige der Straßen jedoch gesperrt.

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Übernachtung

Es gibt nur zwei, drei Übernachtungsmöglichkeiten im Ort – am bekanntesten ist mit Abstand das 雲の上のホテル – Kumo-no-ue-no-hoteru,  das „Hotel über den Wolken“ – auf 1’400 m Höhe. Das Hotel wurde von Kuma Kengo gestaltet (siehe oben) – für eine Übernachtung sollte man gute 20’000 Yen einplanen.

Zu allgemeinen Übernachtungstipps siehe Übernachtungstipps Japan.

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tabibito
tabibitohttps://japan-almanach.de
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei der Tabibitos Blog empfohlen.

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