
鳴門 (Naruto). Wörtlich übersetzt “Tosendes Tor”. Vor 1000 Jahren hiess der Ort 撫養庄 (Muyanoshō) oder auch 牟夜戸 (Muyanoto).
Im Nordosten der Präfektur Tokushima an der 鳴門海峡 (Meerenge von Naruto), die die Insel Awaji von Shikoku trennt.
Die Meerenge mit der grossen Brücke und den tosenden Strudeln. Das Internationale Kunstmuseum Otsuka.
Beschreibung
Der Name kennzeichnet den nordöstlichen Bezirk der Präfektur Tokushima, eine Meerenge, eine Bahnlinie … und die Stadt an sich. Letztere kann man eigentlich getrost links liegenlassen. Von der Stadt nebst Bahnhof sind es etliche Kilometer Richtung Norden bis zu den Orten, die den Namen berühmt machen in Japan. An der Meerenge von Naruto überspannt die 大鳴門橋 (Ōnaruto-kyō) – die grosse Brücke – die Meerenge und verbindet damit Shikoku mit der Insel Awajima. Die 1’629 m lange Hängebrücke wird von zwei imposanten, 144 m hohen Pfeilern geprägt. Die 1985 eröffnete Brücke hat zwei Ebenen – die obere ist für Strassenverkehr, die untere für Eisenbahnverkehr. Eigentlich sollte dort später mal der 四国新幹線 (Shikoku-Shinkansen) vorbeirasen, aber das hat sich wohl mit der Fertigstellung der 明石海峡大橋 (Grosse Akashi-Meerenge-Brücke) – siehe Akashi – erledigt, denn die wurde ohne Bahntrasse gebaut (Grund für die Planänderung sind die oftmals starken Winde bei Naruto, die den Bahnverkehr oft stilllegen würden). Ein Teil der unteren Ebene ist heuer für Fussgänger begehbar – von dort kann man die Strudel besonders gut sehen (siehe unten).

Am Südwestende der Brücke, also auf der Shikoku-Seite, liegt der 鳴門公園 (Naruto kōen (kōen=Park)), in dem sich alles rund um die Gezeitenstrudel in der Meerenge dreht. Zu dem Park gehört auch der oben erwähnte Wanderweg auf der unteren Ebene der langen Brücke. Der Weg wird 渦の道 (Uzu no michi – “Strudelweg”) genannt, denn von dort kann man direkt auf die tobenden Fluten schauen.

Den gleichen Zweck erfüllt eine Fahrt auf einem der zahlreichen Boote, die zu den Strudeln (und in die Strudel hinein) fahren. Ein paar von den Booten haben Fenster, die gerade so unter Wasser liegen. Man erwarte aber nicht zu viel – es ist in etwa so, als ob man in eine laufende Waschmaschine hineinschaut: Schäumendes Wasser. In die Strudel hineinfahren ist allerdings recht witzig und kann ziemlich schaukelig werden. Die Boote starten vom 鳴門観光汽船前 (Naruto Kankō Kisen-Mae – Ausflugsbootpier), die Fahrt kostet 2,450 ¥ (Preis variiert leicht je nach Betreiber) und dauert ca. eine halbe Stunde.
Der 鳴門の渦潮 (Naruto no Uzushio – Gezeitenstrudel) ist die Hauptattraktion hier, um die sich alles dreht – im wahrsten Sinne des Wortes. Grund für dieses Phänomen ist der unterschiedliche Tidenhub im Pazifik und der Seto-Binnensee – der Unterschied kann bis zu 1.5 m betragen. Vier mal am Tag (da zwei Mal Ebbe und zwei Mal Flut) verlässt sehr viel Wasser die Binnensee oder fliesst in sie hinein. Die Strömungsgeschwindigkeit liegt dann bei ca. 15 km/h, manchmal bei bis zu 20 km/h. Zu Spitzenzeiten entstehen dadurch bis zu 20 m breite, mehrere Meter tiefe Wasserstrudel. Grössere Gezeitenstrudel findet man ansonsten nur in Norwegen (der “Moskenstraumen”) und in Neu-Braunschweig in Kanada

Unweit der Bootsanlegestelle, eine Bushaltestelle entfernt, steht das gewaltige 大塚国際美術館 (The Otsuka Museum of Art), ein vom Pharmakonzern Otsuka gesponsertes Kunstmuseum, das mit seinen guten 29,000 m² Ausstellungsfläche zu den grössten Kunstmuseen Japans zählt. Zu den gezeigten Werken zählen die von Monet und anderen Berühmtheiten.
Der Bezirk 鳴門市 Naruto-shi (Naruto-Stadt) hat 62,000 Einwohner, aber die eigentliche Stadt Naruto selbst hat wesentlich weniger Einwohner. Das trostlose Stadtzentrum nebst Bahnhof liegt ein paar Kilometer entfernt vom Naruto-Park. Naruto ist übrigens Partnerstadt von Lüneburg und hat eine besondere Beziehung mit Deutschland: Das 板東俘虜収容所 (Bandō Furyoshūyōjo, Bando Kriegsgefangenenlager) befand sich in Naruto-shi und war die zeitläufige Unterkunft von fast 1,000 Kriegsgefangenen aus Deutschland und der k.und k. Monarchie. Zur Erinnerung: 1914 gab es Krieg zwischen Deutschland und Japan. Deutschland zog den kürzeren und verlor das heute chinesische Tsingtao an Japan. Die Gefangenen in Bando hatten relativ viele Freiheiten und bildeten beinahe ihr eigenes Dorf. Es kam zu zumeist positiven Kontakten zwischen den Einheimischen und den Gefangenen. Bando war auch der erste Ort Japans, in dem Beethovens Neunte (die kennt und liebt in Japan jeder) aufgeführt wurde. Heute erinnert das ドイツ館 (Doitsu-kan, Deutsches Haus) in Naruto an diese Geschichte.
Anreise
Es gibt zwei Möglichkeiten: Bus und Bahn. Es fahren zum Beispiel Busse von Kōbe über die Insel Awaji bis zum Naruto-Park (Endhaltestelle: Bootsanlegestelle). In Kobe fahren die Busse vom Busbahnhof ab – der liegt direkt unterhalb des JR Sannomiya-Bahnhofs. Die Fahrt dauert gute 2 Stunden und kostet 2,750 ¥.
Der Ort ist Endhaltestelle der 鳴門線 (Naruto-Linie) – es geht von hier aus nach Tokushima. Die Fahrt mit dem Bummelzug kostet 350 Yen und dauert eine gute halbe Stunde.
Park nebst Bootsanlegestelle und Bahnhof liegen ziemlich weit auseinander. Mit dem Taxi dauert es vom Pier bis zum Bahnhof ca. 2’600 ¥. Mit dem Bus kostet es 300 ¥.
Übernachtung
Es gibt nur ein paar wenige Hotels in der Stadt. Keine speziellen Tipps, da weitergefahren nach Tokushima. Zu allgemeinen Übernachtungstipps siehe Übernachtungstipps Japan.
naruto brücke ich war einmal da voll cool
Kleine Korrekturen (in Bezug auf das Bands Gefangenenlager): die österreichisch-ungarische Monarchie wurde nie “karkanische Monarchie” genannt, nicht einmal ironischerweise. Entweder “k. und k. Monarchie”, oder (ironischerweise) Kakanien (also ohne “r”, und ohne “Monarchie”)… für letzteres siehe Robert Musil’s “Der Mann ohne Eigenschaften”. Dann: “1914 gab es Krieg zwischen Deutschland und Japan”. Nun ja, noch viel mehr (und präziser wäre es zu sagen): “1914 fing der erste Weltkrieg an; Japan trat ca. einen Monat nach Kriegsbeginn an Seite der Ententemächte in den Krieg ein.”
falls nicht bekannt, über das Lager in Bando gibt es einen Film “baruto (Bart) no raku/gaku en (Musikgarten/Paradies?) DVD bei Toei Video