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Sittenpitti-Alarm in Japan
Sittenpitti-Alarm in Japan
Ich weiss die App 防災速報” (bōsai sokuhō) – Katastrophenschutz-Blitzmeldung von Yahoo! Japan zu schätzen. Sie kostet nichts und sagt mir regelmässig bescheid, wenn Gefahr im Verzug ist. Das kann man auch wunderbar einstellen – was interessieren mich denn Erdbeben unterhalb der Stärke 5? Eben. Wenn es “pling” macht und mein Handy mir sagt, dass es in ein paar Minuten exakt dort, wo ich gerade bin, gleich fürchterlich regnen wird, dann regnet es auch in der Regel ein paar Minuten später in Strömen.
Den Alarm, der heute jedoch, an einem schüttelfreien und blaubehimmelten Donnerstag reinkam, hatte ich vorher auch noch nicht gesehen. Laut Katastrophenschutzeilmeldung wurde ich darüber informiert, dass nur einen Kilometer von meinem Haus entfernt ein wildfremder und verdächtig aussehender Mann kleine Mädchen auf ihrem Nachhauseweg anquatscht – und zwar mit der Aufforderung, sie solen doch in eine 援助交際 enjo kōsai-Beziehung¹ einwilligen. Diese Nachricht wurde ihnen präsentiert von ihrer freundlichen Polizeiwache um die Ecke.
Sieh an – so vielfältig ist die Funke heutzutage. Böse kann ich ihr dafür nicht sein, denn just zu diesem Zeitpunkt war auch meine Tochter auf dem Heimweg, und die soll natürlich bitteschön keinen Sittenstrolch begegnen. Mich würde allerdings dann doch brennend interessieren, wie viele Mütter in der Gegend durch die Nachricht mobilisiert wurden. Und zu guter letzt hoffe ich natürlich, dass das für eine ausgemachte Menschenjagd hervorragend geeignete Werkzeug nie zur selbigen eingesetzt wird.
¹ Enjo Kōsai – siehe Wikipedia. A propos: Erst Anfang diesen Monats veröffentlichte die UN einen Bericht über das Enjo Kōsai-Phänomen. Demzufolge sind 13% der japanischen Schülerinnen (älteren Semesters) mehr oder weniger mittelbar daran beteiligt. Da der Übergang zur Prostitution hier sehr fliessend ist, wurde die japanische Regierung deshalb stark kritisiert – Regierungsvertreter wiesen den Bericht und die Kritik jedoch zurück und halten den Bericht für übertrieben. Mehr dazu siehe unter anderem hier.

tabibito
tabibitohttps://japan-almanach.de
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei der Tabibitos Blog empfohlen.

3 Kommentare

  1. Ich glaube den japanischen Politikern ist so vieles schnurz egal, vom Einbetoniren von Flussufern, Atom-Mühl, Pädophilenalarm bis zu Enjo Kōsai-Phänomen Statistiken – sie sind große Meister im Vertuschen vieler Statistiken und Bericht, die an Öffentlichkeit gelangen und alle wissen das in Japan und der Öffentlichkeit ist es auch offensichtlich egal, die leben einfach damit – hirnrissig oder?

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