BlogHokkaido im Winter

Hokkaido im Winter

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Zwischen Weihnachten und Neujahr 2025 sollte es mal wieder nach Hokkaido gehen – zum sechsten Mal, wenn ich mich nicht verzählt habe. Und wie immer habe ich vor Ort ein Auto gemietet, wohlwissend, dass die Fahrerei im Winter möglicherweise eine Herausforderung sein könnte. Der Abstecher begann mit einer gewissen Unsicherheit – schon am Flughafen Tokyo erfuhren wir, dass der Flieger möglicherweise wieder umkehren müsse – wegen widriger Wetterverhältnisse auf der nördlichen Insel. In der Tat – wir waren bereits auf rund 500 Meter abgestiegen, als das Flugzeug wieder die Räder einfuhr, durchstartete und ein paar Runden über den Flughafen drehte, bevor der Pilot es erneut, und zum Glück dieses Mal erfolgreich, versuchte. Kurze Frage an den Fahrer, der uns zum Autoverleih brachte, ob es denn momentan sehr glatt sei, und er trat kurz auf die Bremse – schon brach das Auto aus, drehte sich ein bisschen – ja, es ist glatt. Wir konnten dann schnell feststellen, dass die gesamte Gegend um den Flughafen von Schwarzeis bedeckt war.

Sicher, es gibt einfachere Straßenverhältnisse als diese
Sicher, es gibt einfachere Straßenverhältnisse als diese

Immerhin sind ordentliche Winterreifen auf der Insel selbstverständlich – Schneeketten hingegen nicht. Während man rund um Tokyo sofort überall dazu aufruft, Schneeketten anzulegen, wenn auch nur eine Flocke vom Himmel fällt, ist das auf Hokkaido scheinbar nicht so üblich. Das Eis wurde zum Glück schnell von Schneefall und auf bis -10 Grad sinkende Temperaturen “entschärft”. Das machte die Fahrt am nächsten Tag von Otaru rund um die Shakotan-Halbinsel wesentlich einfacher, wobei es an ein paar Stellen fast zum Whiteout kam. Merke: Den LKW-Fahrern auf Hokkaido sind Schnee und Eis egal – sie brettern bei jedem Wetter mit 80 km/h und mehr über die Landstrassen und hinterlassen eine dermassen grosse Schneewolke, dass man danach erstmal nichts sieht. So viel sei aber gesagt: Auch im Winter ist die Westküste von Hokkaido einfach traumhaft – mit all dem Schnee sieht alles gleich noch mal ganz anders aus.

Schön ist die Landschaft trotzdem – erst recht im Winter
Schön ist die Landschaft trotzdem – erst recht im Winter

Von der Halbinsel ging es weiter etwas landeinwärts, nach Kutchan und Niseko – nein, nicht zum Skifahren, sondern einfach nur so als Zwischenstation. Die Aktion war dann aber doch etwas gewagt, denn bei der Rückfahrt von Kutchan nach Otaru quer durch die Berge setzte starker Schneefall ein – und es wurde schnell dunkel. Man sah dementsprechend so gut wie gar nichts, und der Schnee war so hartnäckig, dass er sogar die Lichter der Autos stark verdunkelte, was nicht gerade hilfreich ist.

Trotz allem war Hokkaido sehr gut von Touristen besucht – und in Otaru sind dies vor allem asiatische Touristen. Auf den ersten Blick sah es nicht so aus, als ob sich kaum noch Chinesen nach Japan verirren. Auf den zweiten Blick war aber schnell zu erkennen, dass die meisten Chinesen nicht aus der Volksrepublik, sondern aus Taiwan und Singapur kamen – auch ABCs (American born Chinese) waren reichlich unterwegs. Dementsprechend war ich auch vom Gewusel am Flughafen in Chitose beeindruckt – es war rappelvoll. Das war im letzten Jahr weit weniger der Fall, und bei den beiden Malen davor war es “dank” Corona fast menschenleer. Dass Fazit bleibt trotzdem, dass Hokkaido im Winter absolut reizvoll ist – und zwar so sehr, dass ich mir sehr gut vorstellen kann, irgendwann wieder im Winter zu fliegen.

Dichtes Gedränge im Walzen-Spieldosen-Haus In Otaru: Hier braucht man starke Nerven
Dichtes Gedränge im Walzen-Spieldosen-Haus In Otaru: Hier braucht man starke Nerven
tabibito
tabibitohttps://japan-almanach.de
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei der Tabibitos Blog empfohlen.

2 Kommentare

  1. Willkommen im Paradies, haette ich ja fast sagen koennen… ;-)
    Immerhin hatten wir ausgerechnet zu Weihnachten Regen und Plusgrade – das erste Mal fuer mich nach meinem Umzug nach Sapporo im Sommer 2000. Sonst ist Hokkaido eigentlich eine Garantie fuer Weisse Weihnachten.

    Ja, die Leute, die hier nicht Auto fahren koennen, kommen alle aus “naichi”, wie man hier die anderen Inseln suedlich von Hokkaido nennt. Top Bereifung und Winterfestigkeit sind hier absolute Notwendigkeit von Ende Oktober bis zur Goldenen Woche (ich habe heftige Schneefaelle zu beiden Jahreszeiten erlebt, und die Einheimischen gehen tatsaechlich zu den genannten Zeiten zum Reifenwechsel…).

    Mit dem zweiten Landeanflug hast Du noch Glueck gehabt. 2001 bin ich einmal wegen Schneesturm (Chitose war dicht!) in Obihiro gelandet, aber der Transfer zum Bahnhof war perfekt organisiert, inclusive ein vorbereiteter Umschlag mit korrekt abgezaehltem Bargeld fuer eine Fahrkarte nach Sapporo fuer jeden der rund 200 Passagiere! Gaebe es sowas auch in Deutschland??? :-o

    • Vor dem kurz vor dem Ziel umkehren habe ich immer ein bisschen Angst… meine Kollegin war neulich auf dem Weg von Tokyo nach London, als das Flugzeug über Alaska wieder umdrehte…medizinischer Notfall. Eine Landung in Obihiro wäre da für mich auf jeden Fall besser als zurück nach Haneda…

      Ich hoffe, wir können uns dann endlich mal im Juni auf ein Bier treffen!

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