BlogChinesen meiden wieder Japan

Chinesen meiden wieder Japan

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Manchmal wähnt man sich wirklich im Kindergarten. Nachdem Premierministerin Takaichi im vergangenen Monat auf Anfrage im Parlament verlauten liess, dass ein Angriff der Volksrepublik China auf Taiwan möglicherweise die Bedingungen erfüllen könnte, Japans Selbstverteidigungsstreitkräfte in Marsch zu setzen, fiel die Reaktion aus China erwartungsgemäß heftig aus. Dabei beliess man es nicht mit den üblichen Protestnoten, Beschwerden bei der UNO und scharfer Rhethorik – es kam auch zu persönlichen Beleidigungen (seitens des chinesischen Botschafters in Japan) sowie zum abrupten Halt diverser kultureller Veranstaltungen. Bei einem Konzert einer japanischen Sängerin wurde dieser mitten im Lied der Strom abgedreht – danach wurde sie von der Bühne eskortiert. Als Ayumi Hamasaki, eine hüben wie drüben beliebte Sängerin, wollte in einem Stadium in Shanghai auftreten – plötzlich liessen die Behörden jedoch keinerlei Besucher zu, weshalb sie aus Protest trotzdem ihr Programm abspielte. Auch der Filmstart eines neuen japanischen Animes wurde in China auf unbestimmte Zeit verschoben. Auch das gerade erst aufgehobene Importverbot für japanische Meeresprodukte wurde sofort wieder in Kraft gesetzt.

Aber damit nicht genug. Umgehend gab die chinesische Regierung eine Reisewarnung für Japan heraus – und das beinhaltete auch, Stornierungen zu entschädigen und die Anzahl der Flugverbindungen zwischen China und Japan zu reduzieren. Die Reisewarnung wurde mit der Begründung herausgegeben, dass es in Japan vermehrt zu Angriffen auf chinesische Staatsbürger kommt. Das ist natürlich Blödsinn – in Japan selbst hat sich die Haltung gegenüber Chinesen in keinster Weise verändert. Doch woher soll Otto Normalverbraucher in China es besser wissen bei der strikten Internetzensur. Und so wird es kommen, wie es auch schon vor 13 Jahren kam: Die Zahl der chinesischen Besucher – in den vergangenen Monaten waren es durchschnittlich gut 700’000 pro Monat – wird stark abnehmen. Das wird in gewissen Gegenden und Wirtschaftszweigen für Einnahmeeinbußen sorgen – andere wiederum sehen das sehr gelassen bis freudig.

Weniger schön ist natürlich das Säbelrasseln und die Rhetorik. So wird wohl nun zunehmend in chinesischen Medien darüber berichtet, dass nicht nur die Senkaku-Insel eigentlich zu China gehören, sondern auch, dass Okinawa ja eigentlich gar nicht Teil Japans sei, da es bis zum 19. Jahrhunderten ein mit China stark verbundenes, eigenes Königreich war. Hinzu kommen Vorfälle wie gerade erst heute bekanntgegeben, bei dem japanische Flugzeuge bewusst vom Zielradar chinesischer Flugzeuge erfasst wurden. Nach ein paar Monaten wird sich die Aufregung sicherlich wieder legen, aber dass bei vielen Japanern da ein gewisses Unbehagen herrscht, ist keine große Überraschung.

tabibito
tabibitohttps://japan-almanach.de
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei der Tabibitos Blog empfohlen.

5 Kommentare

  1. Ich war gestern in Sapporo auf dem Weihnachtsmarkt und habe sowohl am Bahnhof als auch in der Unterfuehrung bis Odori, wo der Weihnachtsmarkt stattfindet, jede Menge chinesische Touristen gesehen, die mit prallen Koffern herumgeschlurft sind und die Einheimischen gestoert haben, wo sie nur konnten.
    Von “meiden” kann da eher keine Rede sein…

    • Nun ja, war am Wochenende in Oshino-Hakkai und da waren auch noch viele Chinesen am Start… entweder kollektiver Ungehorsam oder etwas Verzögerung :)
      Die Lage in Hokkaido kann ich mir Ende Dezember dann selber mal anschauen, bin dann für 3 Tage in Otaru…

  2. Meine persönliche Erfahrung ist, dass Japaner und Chinesen sich richtig gut verstehen – und ziemlich immun gegenüber der Rhetorik ihrer jeweiligen Regierung sind. Ein Vergleich zur bundesdeutschen Haltung gegenüber Israel und der breiten Meinung der deutschen Bevölkerung ist da hoffentlich nicht zu unangebracht.

    Ich kann allerdings nicht für die Generation X und älter unter den Japanern sprechen. Dass es mich überrascht hat, dass sich Japaner*innen und Chines*innen auf persönlicher Ebene so gut verstehen, spricht vielleicht dafür, wie sehr die Rhetorik der Regierungen bei uns in Drittstaaten ankommt.

    • Die Regierungs-Rhetorik wird vom Vizekanzler-Lehrling ja besonders gut demonstriert – in Peking schimpft er auf Japan, und zurueck in Berlin laesst er eine Tirade gegen Billig-Produkte aus China los… Wes Brot ich ess… :-/
      Bei meiner heutigen Fahrt nach Sapporo habe ich auf dem Bahnhof wieder mal reichlich Chinesisch vernommen. Derzeit erfreuen sich Chinesen auf Hokkaido eher begrenzter Beliebtheit – sie bringen zwar Geld, aber das Benehmen laesst zu wuenschen uebrig, und die Landaufkaeufe und staendige Missachtung von Bauvorschriften und wildes Bauen sogar in Naturschutzgebieten sorgen nicht gerade fuer Festigung von Freundschaftsbanden…

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