BlogAuch du, Nakai? #meToo erschüttert Medienriesen Fuji TV

Auch du, Nakai? #meToo erschüttert Medienriesen Fuji TV

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Sie waren einmal DIE Boygroup Japans – “SMAP”: Gegründet 1988 von Johnny Associates (oder “Janies” wie man in Japan sagt), wurden sie bis zur Auflösung 2016 omnipräsent als Musiker und Schauspieler. 55 Singles, 21 Alben, unzählige Fernsehsendungen und -serien (darunter der Gassenhauer “Smap & Smap”) und so weiter und so fort. Man konnte jahrzehntelang kaum einen Tag erleben, an dem man im Fernsehen oder im Radio nicht SMAP begegnete. Das Akronym steht übrigens für “Sports Music Assemble People” – aber das weiß zum Glück kaum jemand.

Auch nach der Auflösung blieben die meisten Bandmitglieder sehr präsent im Fernsehen – darunter auch Masahiro Nakai, der “Anführer” der Band und eine integre Gestalt. Mochte man meinen, denn im Dezember vergangenen Jahres veröffentliche eine Wochenzeitschrift einen Bericht, in dem mehrere Frauen des Senders Fuji TV besagtem Nakai sexuelle Übergriffe vorwarfen. So kam man einem Fall auf die Spuren, bei dem Nakai 90 Millionen Yen eine halbe Million Euro Schweigegeld an eine Kollegin bezahlt haben soll.

Es kam, wie es kommen musste: Erst wurde kategorisch alles verneint. Dann kam mehr ans Licht – so sollen wohl Veranstaltungen, bei denen Männern, die besonders erfolgreiche Sendungen haben, Gespielinnen zur Seite gestellt werden, bei einigen Sendern keine Seltenheit sein. Das ganze soll wohl Gerüchten zufolge eine regelrechte Falle für besagte Gespielinnen sein: Eine kleine Veranstaltung wird arrangiert, bei der dann plötzlich andere Gäste alle absagen, so dass die Frau völlig ungeplant allein gelassen wird mit besagtem Mann. Ein perfides Spiel, dass die Kollegin aufgrund der Machtstrukturen nur verlieren kann.

Fuji TV, Teil des Medienriesen Fuji Media Holdings, tat nun alles, um die Sache unter den Teppich zu kehren, doch das kam nicht gut an: Insgesamt 75 Werbepartner, darunter auch Giganten wie Seven & I oder Toyota, haben ihre Verträge mit dem Sender annulliert. Der Skandal wurde nun auch für Nakai zu groß – er gab heute seinen Rückzug aus dem Showgeschäft bekannt.

Der Skandal ist kein Einzelfall – zumal die Mitglieder von SMAP ebenfalls in einer Umgebung sexueller Gewalt großgeworden waren, wie der Skandal um Johnny & Associates im Jahr 2023 zeigte. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie zu Beginn ihrer Karriere ebenfalls Opfer waren, ist hoch. Doch wie dem auch sei – die #meToo-Debatte scheint an etlichen Orten in Japan noch nicht angekommen zu sein.

Firmenzentrale des Fernsehsenders Fuji TV auf Odaiba, Tokyo
Firmenzentrale des Fernsehsenders Fuji TV auf Odaiba, Tokyo
tabibito
tabibitohttps://japan-almanach.de
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei der Tabibitos Blog empfohlen.

2 Kommentare

  1. Angekommen ist metoo vermutlich schon, nur scheint es keine Solidarität zu geben.

    Ich habe mich gestern mit einer japanischen Freundin zum Thema Shiori Ito unterhalten und konnte es nicht fassen, dass besagte Freundin – eigentlich jung, weltoffen, intelligent – die in Japan verbreitete Meinung geteilt hat, dass Itosan selbst an ihrer Vergewaltigung schuld sei und nich daz nicht ganz “richtig” im Kopf…

    Dazu passend habe ich zuletzt auch eine Folge des NZZ Podcasts gehört: “Warum MeToo in Japan scheitert”
    https://open.spotify.com/episode/5G2xN1FI10NUVceOtRt96R

    Viele Grüße,
    Fabian

    • Danke für den Link, sehr interessant! Die Meinungen von Japanerinnen (mehr noch als von Japanern) bezüglich sexuelle Belästigung (“selber schuld”), Todesstrafe (“runter mit der Rübe”) oder Rassismus (“Amerikaner sind ja keine reine Rasse”) und dergleichen haben mich auch schon viele Male verblüfft.. um es milde auszudrücken.

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