In Japan liebt man Lautmalerei – in der Linguistik als Onomatopeia bekannt. Das ist kein rein japanisches Phänomen, schließlich sind zahlreiche deutsche Wörter ebenfalls reine Lautmalerei, wie zum Beispiel “zischen”, “rauschen”, “knistern”, “rascheln”, um nur einige zu nennen. Eigentlich haben alle Sprachen lautmalerische Elemente – zumindest wenn es um Tierlaute geht. Doch in Japan sind diese Begriffe allgegenwärtig, und es gibt im Wesentlichen zwei Gruppen: Wörter, die wirklich den zu beschreibenden Laut wiedergeben, sowie Ideophone, die zwar keine Laute oder Stimmen beschreiben, sondern durch die Betonung / Zusammensetzung einen gewissen Zustand beschreiben. Die bekanntesten Vertreter sind die 4-Silben-Wörter, mit dem Schema “1-2-1-2”, also “meromero” zum Beispiel, oder “zokuzoku”, “muramura”, “zowazowa” oder “wakuwaku”. Eine andere Gruppe sind die auf “-tto” endenden Wörter. Diese Wörter sind in der Alltagssprache allgegenwärtig – aber sie können auch ein ziemliches Hindernis darstellen, da sie zum Beispiel je nach Region variieren. Ein gutes Beispiel sind Wegbeschreibungen. In Kansai zum Beispiel gibt es diverse Onomatopeia, die sich je nach dem Winkel einer Kurve unterscheiden – diese können vom Standardjapanisch abweichen:
| Kansai | Standard / Tokyo | Bedeutung |
|---|---|---|
| バーッと | ダーッと | Geradeaus (0 Grad) |
| シュッと | スッと | Leichte Kurve |
| ガッと | グイッと | Plötzliche Kurve / rechter Winkel (90 Grad) |
| グッと | ぐーっと | Mehr als 90 Grad, steile Kurve |
| キュッと | クルッと | Im Prinzip eine Kehrtwende oder kurz davor |
Natürlich tauchen diese Wörter in Lehrbüchern so gut wie gar nicht auf – dort wird verständlicherweise nur die “normale” Form gelehrt, nach der man eben nicht “bātto” oder “dātto”, sondern nur 真っ直ぐ für “geradeaus” lernt. Das versteht man zum Glück überall – doch wenn man zum Beispiel in Osaka nach dem Weg fragt, ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich hoch, dass Wörter wie die obigen benutzt werden. Wer dann nicht versteht, dass “gutto” eine mehr als 90-Grad-Kurve beschreibt, kann schnell in die falsche Strasse einbiegen.
Diese Onomatopoeia sind hochinteressant, drücken sie doch oft ein Gefühl aus: Geht eine Straße immer gerade aus, dann ähnelt ein langgezogenes “a” eben diesem Zustand, die Straße ist dann “laaaang”. Eine steile Kurve dementsprechend “gu-tto” und eine noch steilere Kurve dann “kyutto” zu bezeichnen ist…irgendwie nachvollziehbar. Zumindest wenn man eine Zeit lang in Japan wohnt.

AHA!!!
Wegbeschreibungen in Japan? Nach Gefühl?
Nicht unproblematisch.
Ist das der Grund wenn man 3 Leute nach dem Weg fragt und dann jeder in eine andere Richtung zeigt?