BlogQuo vadis corona und ein singendes Schweinchen

Quo vadis corona und ein singendes Schweinchen

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Eine Woche ist es nun her, dass der Ausnahmezustand für die am stärksten von Corona betroffenen Präfekturen, inklusive Tokyo und der umliegenden Präfekturen, aufgehoben wurde. Mit spürbarem Effekt: Das Nachtleben ist zum Beispiel in der Nähe meines Büros, im ohnehin für sein Nachtleben berühmten Stadtteil Ebisu, in vollem Gange. Nachts sind die Strassen voller Menschen, etliche davon ohne Maske. Und die Kneipen sind voll. Doch nicht nur das: Als ich gestern von Gunma wiederkam, überholte ich ein paar Fernbusse, und die waren so ziemlich alle voll – darunter ein paar Busse, die zwischen Kusatsu, einem berühmten Kurort mit zahlreichen Onsen, und Tokyo verkehren. Unter den Passagieren sah man jeweils auch ein paar ohne Maske. Mit anderen Worten: Die hier so genannte 4. Welle, die sich eigentlich schon vor dem Ende des Ausnahmezustands abzeichnete, wird nicht lange auf sich warten lassen. Sie ist bereits im Anrollen, und so wie es aussieht, wird sie von den MutantInnen des Virus geprägt sein. Die häufen sich vor allem in und um Kobe, aber wie die Erfahrung in anderen Ländern zeigt, werden die britische und andere Varianten nicht lange brauchen, bis sie die Oberhand gewinnen.

Da man nun ja beschlossen hat, die Olympischen Sommerspiele auf jeden Fall, koste es, was es wolle, stattfinden zu lassen, werden die folgenden Monate nun entsprechend spannend werden. Die Spiele beginnen am 23. Juli 2021, und da man davon ausgehen kann, dass die Neuinfektionen ab jetzt wieder rasant anziehen, darf man gespannt sein, wann und in welchem Ausmass die japanische Regierung die Notbremse zieht. Sprich, wann kommt der nächste Ausnahmezustand? Bereits im April? Kurz vor der Goldenen Woche, um den Leuten das Reisen auszureden? Und wie lange wird er andauern? Etwa bis kurz vor Beginn der Olympischen Spiele? Es darf gewettet werden. Zumal eine Besserung der Situation nicht in Sicht ist, denn mit der Impfung der Bevölkerung sieht es völlig mau aus. Bisher wurden in Japan erst gut 800,000 Menschen ein Mal geimpft – das sind gerade mal gut 0.6 Prozent. Der Anteil derer, die bisher zwei Impfungen erhalten haben, liegt bei 0.03%. Gerade mal 40,000 Menschen, in einem Land von 120 Millionen. Mit anderen Worten: Japan hat den Impfstart komplett verschlafen, und wenn jetzt nicht richtig gehandelt wird, könnte es das Land letztendlich sogar die Olympischen Spiele kosten.

Apropos: Im Zusammenhang mit den selbigen kam vor ein paar Tagen ein anderer Skandal ans Licht. Einer der Kreativen, die an der Planung der Eröffnungszeremonie arbeiten, wollte bei der Zeremonie die im ganzen Land bekannte Schauspielerin, Komikerin und Model Naomi Watanabe auftreten lassen. Im Schweinskostüm. Die 1987 geborene, quickfidele und sehr selbstbewusste Naomi wiegt über 100 Kilogramm – bei einer Grösse von 158 Zentimetern, und sie trägt jedes einzelne Kilogramm mit Stolz. Als Komikerin macht sie darüber auch gern selbst Witze, ohne aber jemals durchblitzen zu lassen, dass sie an ihrem Gewicht ein Problem sieht. Das ist aber noch lange kein Grund, mit der abstrusen Idee aufzuwarten, sie als Schweinchen auftreten zu lassen. Allein dass diese Idee an die Öffentlichkeit gelangt, ist bereits Skandal genug.

Naomi Watanabe zeigte sich ob des Vorschlags ganz cool lediglich „überrascht“ und versicherte auf einer Pressekonferenz, dass sie mit ihrem Aussehen uneingeschränkt glücklich ist. Etwas anderes hätte ich auch nicht von ihr erwartet…  Naomi wurde übrigens erstmals durch sehr amüsante Parodien von Beyonce und Lady Gaga usw. bekannt. Eine Kostprobe gibt es in diesem neuen Video

 

tabibito
tabibitohttps://japan-almanach.de
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei der Tabibitos Blog empfohlen.

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