BlogGrippewelle erfasst Japan

Grippewelle erfasst Japan

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In der ersten Kalenderwoche des noch jungen Jahres 2019 zählte man in Japan eine gute halbe Million Grippepatienten, in der zweiten Woche 1,6 Millionen und in der dritten Woche rechnet man nun mit mehr als 3 Millionen: Die Grippewelle hat Japan voll erfasst – in 42 von 47 Präfekturen wurde die höchste Warnstufe herausgegeben, und in einigen Gegenden kommen auf einen einzigen Arzt mehr als 75 Grippepatienten. Dieses Jahr erwischt es dabei jüngere Leute am häufigsten, was aber womöglich daran liegen kann, dass sich eher ältere Leute impfen lassen als Jüngere. Die Grippewelle macht sich in dieser Dimension auch langsam im Alltag bemerkbar: Es gibt immer mehr “Maskierte”, vor den Nachtschaltern der Apotheken gibt es lange Schlangen und vielerorts fehlt Personal, da die Leute reihenweise krank werden. Doch obwohl es in den Schulen genaue Regeln dafür gibt, wann Klassen ausfallen (normalerweise wenn ein Drittel oder mehr wegen Grippe krank geschrieben ist), gibt es in vielen Firmen offenbar kaum Regeln – es tauchen immer mehr Berichte auf, nach denen etliche Firmen ihren Angestellten nicht erlauben, wegen einer attestierten Grippe zu Hause zu bleiben¹. Das ist natürlich sehr kurz gedacht – ein Grippekranker ist selten produktiv und die Gefahr, Kollegen anzustecken, ist kaum eindämmbar.
Grippewellen zu dieser Jahreszeit sind kein Wunder und werden vor allem durch die extreme Trockenheit begünstigt – eine Luftfeuchtigkeit von 30% bei 10 Plusgraden ist die Regel, und seit etlichen Wochen gab es keinen nennenswerten Regen. Kaum hängt man die Wäsche raus, ist sie auch schon trocken, und nimmt man im Büro eine Flasche Tee aus dem Tiefkühlfach, entsteht beim Auftauen absolut null Kondenswasser. Als Nichtinfizierter kann man da nur hoffen, dass die anderen Firmen vernünftig sind und ihre Angestellten nicht ins Büro zitieren, denn die brechend vollen Morgenzüge möchte man nur äußerst ungern mit Grippekranken teilen. In diesem Sinne wünsche ich allen eine grippefreie Saison!
¹ Siehe unter anderem hier

tabibito
tabibitohttps://japan-almanach.de
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei der Tabibitos Blog empfohlen.

5 Kommentare

  1. Ich fand es früher schon immer krass, dass die Grippe sich in Japan viel heftiger auszubreiten scheint als in unseren Breitengraden …. und das trotz Maske und Nicht-Händeschütteln …..
    Ich hab mich damals in Japan als Lehrerin jedes Jahr impfen lassen und hatte sie zum Glück kein einziges Mal. :)

    • Ist wohl wirklich die Trockenheit plus der kalten Luft und der vielen Klimaanlagen. Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich mich noch nie habe impfen lassen, aber auch noch nie die Grippe hatte… toi toi toi.

  2. Da scheint der vierfachimpfstoff in diesem Jahr wohl besser anzuschlagen als der dreifachimpfstoff vom letzten Jahr. Ich kann die Impfmüdigkeit hier in Deutschland auch nicht so recht verstehen, da es sich bei dem Grippeimpfstoff um einen Totimpfstoff handelt.
    Gibt es in Japan zur Prophylaxe für Kinder auch schon einen Lebendimpfstoff durch nasale Applikation?

    • 2016 wurde wohl die Zulassung des Lebendimpfstoffes durch nasale Applikation beantragt, aber das Medikament ist noch nicht zugelassen. Sowas dauert in Japan oft Jahre oder Jahrzehnte länger als anderswo. Angeblich gibt es aber wohl ein paar Ärzte, die das privat einführen und ihren Kliniken benutzen, aber beim Durchschnittsarzt wird man das nicht finden.

  3. Ich frage mich was, oder besser gesagt was nicht, in den Köpfen der Firmenchefs vorgegangen ist. Es macht doch keinen Sinn einen Grippekranken in die Arbeit zu bestellen.

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