BlogFilmkritik: Broken Rage von Takeshi Kitano

Filmkritik: Broken Rage von Takeshi Kitano

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78 Jahre alt – und kein bisschen leiser: Der Komiker, Regisseur, Drehbuchautor, Schriftsteller und Schauspieler Kitano Takeshi, hat mal wieder zugeschlagen. Nach der brutalen Yakuza-Trilogie “Outrage”, “Outrage Beyond” und “Outrage Coda” erschien nun noch ein “Rage”-Film – “Broken Rage”. Broken = Kaputt? Der Titel ergibt erstmal nicht viel Sinn. Aber wie man es bei dem Titel bereits erwarten konnte, geht es um die japanische Unterwelt. An der Stelle jedoch gleich ein Spoiler Alert: Wer sich mal richtig überraschen lassen möchte, hört besser hier auf, zu lesen – und schaut sich erst, so möglich, den Film an. Bei der Handlung gibt es jedoch nicht viel zu spoilern: Ein alternder Auftragskiller, natürlich gespielt vom Meister selbst, wird von der Polizei gefasst und bekommt eine letzte Chance, auszusteigen: Er soll den Beamten helfen, ein paar Yakuza dingfest zu machen. Er geht auf das Angebot ein, erfüllt seinen Auftrag – und alles ist gut. So weit, so gut – nach 30 Minuten ist damit alles zu Ende. Doch dann geschieht etwas Seltsames – plötzlich steht “Spin off” auf dem Bildschirm, und das Bild wird um 90 Grad gedreht Und plötzlich geht die gleiche Geschichte wieder von vorne los: Dieses Mal jedoch als Komödie. Und hier zieht Kitano wirklich alle Register – von krudem Slapstick über subtilen bis hin zu schlichtweg albernem Humor ist wirklich alles dabei. Charlie Chaplin, Leslie Nielsen, The Three Stooges, Monty Python – all das erkennt man in der alternativen Version des Stoffes wieder. Da man die Story ja nun schon kennt, kann man sich komplett auf die schauspielerische Leistung konzentrieren – und miträtseln, was nun als Nächstes Schiefgehen wird.

Filme, in denen die gleiche Handlung aus verschiedenen Perspektiven gezeigt wird, gibt es spätestens seit dem Klassiker “Rashomon”. Filme, die die gleiche Story mal ernst und mal saukomisch zeigen, sind mir so noch nicht untergekommen. Eine interessante Idee – und eine Lehrstunde in Sachen Humor & Film. Unkonventionell – genauso wie die Länge des Streifens, denn “Rage Broken” ist nur 66 Minuten lang und damit weder ein Kurzfilm noch ein voller Spielfilm.

Der Film wurde exklusiv für Amazon Prime produziert und am 14. Februar 2025 dort veröffentlicht. Die Premiere erfolgte bereits 2024 bei den Filmfestspielen von Venedig – ein Novum, denn dort werden Streamingfilme und -serien eigentlich nicht gewürdigt.

Takeshi Kitano ist vielen bereits seit der Variety-Show “Takeshi’s Castle” ein Begriff – oder seit dem berühmten Film “Furyo – Merry Christmas, Mr. Lawrence“, bei dem er an der Seite von David Bowie mitspielte. Persönlich kenne ich seine Filme seit Mitte der 1990er, und ich tat damals alles, um an die Original-DVDs von Hanabi, Brother, Zatoichi usw. zu kommen – glücklicherweise hatte Deutschland ja den gleichen Ländercode wie Japan. Doch während ich einige Filme liebe, gibt es auch Filme von Takeshi Kitano, die ich nicht ertragen kann: Der 2023 erschienene Film “Kubi” (Hals), ein Samuraidrama, kam mir wie ein Splatterfilm vor – und Kitano ist berühmt-berüchtigt dafür, Gewaltszenen sehr authentisch darzustellen. Da lobe ich mir dann doch lieber den Komiker – und Hobby-Yakuza Kitano.

tabibito
tabibitohttps://japan-almanach.de
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei der Tabibitos Blog empfohlen.

2 Kommentare

  1. Kennst du eigentlich ” Ano natsu, ichiban shizukana umi / Und das Meer war ruhig”? War hierzulande als Bonus bei der DVD des 1. Outrage dabei.
    Wenn nicht, unbedingt gucken; ein Traum von einem Film und so ganz anders als von Kitano gewöhnt

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