Just erschien in der Online-Ausgabe der Japan Times ein interessanter Artikel1 über das Thema Übertourismus und wie man versucht, damit in Japan umzugehen. Konkret ging es um den Wintersportort Hakuba in der Präfektur Nagano. Das Dorf hat keine 10’000 Einwohner, doch 2025 zählte man knapp 3 Millionen Besucher, von denen knapp 1,2 Millionen zum Wintersport in den Ort kamen. Knapp eine halbe Million der Wintersportler kommt aus dem Ausland, wovon fast die Hälfte aus Australien anreist.
Das führt zwangsläufig zu Problemen – einerseits, weil sich natürlich immer ein paar Besucher, und sei die Minderheit auch noch so klein – daneben benimmt. Schlimmer ist jedoch der wirtschaftliche Effekt: Die Besuchermassen treiben sämtliche Preise in die Höhe – sei es für Grundstücke, Dienstleistungen oder andere Dinge. Verstärkt wird das ganze durch den schwachen Yen – die ausländischen Besucher haben eine ganz andere Kaufkraft als die Einheimischen, und das führt natürlich zwangsläufig zu Missmut. Das Problem ist natürlich auch in anderen Regionen der Welt bekannt und eine logische Folge des Übertourismus.
Um dem entgegenzuwirken, versucht man verschiedene Sachen – darunter auch Preisstaffelungen. Das war bisher unbekannt in Japan, doch es gibt immer mehr Orte, dazu gehören auch Kyoto und andere beliebte Städte – in denen laut über verschiedene Preise für Einheimische und Ausländer nachgedacht wird.
Der Frust manch Einheimischer manifestiert sich dabei nicht selten in schlechtem Service. Das fiel mir neulich auch wieder in Hokkaido auf: Ich ging in einen Convenience Store, um dort Kaffee und Zigaretten zu kaufen. Alle Zigaretten sind in diesen Geschäften aufgrund der hohen Vielfalt nummeriert. Als ich an der Reihe war und die Auswahl hinter der Angestellten absuchte, blaffte sie mich sehr unwirsch mit einem “What number?” an. Ich war regelrecht erschrocken. Immerhin hatte ich die gesuchte Marke gefunden, und rein aus Gewohnheit sagte ich die Nummer auf Japanisch, um daraufhin auch noch den Kaffee zu bestellen. Was folgte, war eine lange Entschuldigung und tiefe Verbeugung – ich möge ihr doch bitte verzeihen, sie hatte ja keine Ahnung, dass ich Japanisch spreche. Gefolgt vom Versuch der üblichen Konversation, ob ich hier lebe und wie lang und warum und dergleichen.
Ein Verhalten dieser Art habe ich früher selten in Japan erlebt, doch in jüngster Zeit häuft es sich. Viele Japaner haben nichts gegen Ausländer per se, aber sie sind genervt von Touristen. Das ist zwar irgendwo verständlich, aber schön ist es trotzdem nicht. Muss man jetzt überall mit Japanischkenntnissen glänzen, um angemessen bedient zu werden? Wahrscheinlich ja.
- siehe hier

Da habe ich in Hakodate im Lawson am Bahnhof aber ganz andere Erfahrungen gemacht – die japanischen Kunden waren eher konsterniert ob der beiden auslaendischen Angestellten… Gottlob war es nicht Hauptverkehrszeit… :-o