JR East, die größte Eisenbahngesellschaft in Ostjapan, veröffentlichte heute in einer Pressemitteilung ein neues Poster, das man ab morgen in den Bahnhöfen aufzuhängen gedenkt: Traditionell sind diese Poster graphisch auf niedlich getrimmt – warnen dabei jedoch vor verschiedenen Dingen, die zur Gefahr für die Reisenden werden können. Dieses Mal nimmt sich JR East eine besondere Spezies vor: Die 撮り鉄, ein Kofferwort bestehend aus “aufnehmen, fotografieren” und “tetsu” für “tetsudō”, Eisenbahn, setzen sich aus japanischen Eisenbahn-Otaku und ausländischen Touristen zusammen, die alles dafür geben, die perfekte Aufnahme zu machen. Und es gibt viel aufzunehmen – und zwar nicht nur Bilder, sondern auch Töne, denn viele japanische Bahnhöfe haben ihre eigene Melodie und Art und Weise der Durchsage, von der Vielfalt der japanischen Züge ganz zu schweigen. JR East will darauf hinweisen, dass das Betreten des äußersten Bahnsteigrandes, das Aufnehmen von Selfies im Gewühl, das Aufnehmen mit Leitern oder Stativen am Bahnsteigrand sowie Aufnahmen mit Tonangeln gefährlich sind. Die Eisenbahngesellschaft hat ihre Gründe dafür, denn all das passiert mit Sicherheit täglich.
Die Angewohnheit, ernste Warnhinweise zwischen niedlichen Illustrationen zu verstecken, ist schon immer eine japanische Eigenart gewesen – mit der man sich schnell anfreunden kann. Trockene Verbotsschilder, vielleicht auch noch viersprachig, wie es oft auf Bahnhöfen der Fall ist, nerven schnell beziehungsweise werden gern übersehen, doch diese Poster sind ein Hingucker, und dank der leicht verständlichen Zeichnungen braucht man keine Japanischkenntnisse, um zu verstehen, was gemeint ist. Schön ist in diesem speziellen Fall auch das Wortspiel: “Tori” in “toritetsu” bedeutet nämlich auch 鳥 – “Vogel”.
In Sachen Erdbeben war seit dem 8. Dezember 2025 wieder einiges los in Japan: Den Anfang machte ein Erdbeben der Stärke 7.2 auf der Richterskale in 50 km Tiefe vor der Ostküste von Aomori / der Südküste von Hokkaido: Das Beben löste einen kleinen Tsunami aus – und zahlreiche Sachschäden, wobei es die Stadt Hachinohe im Osten von Aomori besonders schwer traf. Besondere Sorge bereitet den Behörden dort ein 70 m hoher Funkmast von NTT Docomo, der durch das Beben schwer beschädigt wurde und nun droht, einzustürzen: Zahlreiche Haushalte rund um das Gebäude wurden nun vorsorglich evakuiert.
Doch wie es bei einem solchen Beben immer der Fall ist, blieb es nicht bei diesem einen: Es folgten mehr als 70 Nachbeben, der Großteil davon in der selben Region, weshalb man vorsichtshalber 後発地震注意情報 – “Nachbebenwarnhinweise” herausgab. Für den Zeitraum einer Woche, die Frist endet also am 16. Dezember, wird deshalb zu erhöhter Aufmerksamkeit gerufen: Die Menschen mögen also in dieser Zeit ihre Notvorräte, Sicherheitsmaßnahmen (zum Beispiel Absichern der Möbel) und Fluchtwege überprüfen. Diese Maßnahme ist eine Lehre aus der schweren Erdbebenkatastrophe vom 11. März 2011: am 9. März 2011 gab es ein Vorbeben der Stärke 7.3 in der Region, gefolgt vom Hauptbeben der Stärke 9.0 zwei Tage später. Die Warnung gilt im Prinzip für die gesamte Pazifikküste nördlich von Tokyo, bis hoch nach Hokkaido.



Hi Matthias,
ich hoffe, bei dir ist alles in Ordnung? Ich habe mich mittlerweile schon so an den Rhythmus “zwei Posts pro Woche” gewöhnt, dass ich mir schon Sorgen mache und natürlich auch die Posts vermisse
In jedem Fall vielen Grüße und frohe Feiertage,
Fabian
Aber sicher doch :) Keine Sorge, ich lasse es am Jahresende immer ein bisschen ruhiger angehen. Obwohl, eigentlich nicht… scrhreibe gerade neue Seiten über ein paar Orte in Hiroshima. Auch dir ein frohes Fest!