BlogRückfällige Selbstmordattentäter abschrecken!

Rückfällige Selbstmordattentäter abschrecken!

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Vor rund einem halben Jahr habe ich in diesem Artikel bereits einen Vorgeschmack gegeben. Ab 20. November diesen Jahres wird es nun Ernst: Allen Aliens (=Nicht-Japaner) werden die Abdrücke von zwei Fingern bei der Einreise genommen. Und ein Foto. Nein, nicht lächeln. Mangels politischer Opposition wurde das Gesetz gnadenlos durch die beiden Kammern geboxt. Und umgehend wird zur Tat geschritten.
USA-Reisende werden das Procedere bereits kennen. Im Zuge der Terrorbekämpfung und unter Annahme, das nur und rein ausschliesslich Ausländer potentielle Terroristen sein können, verschärft man also die Einreiseregelung.
Aber man will ja nicht diskrimieren. Diese Regelung gilt nicht nur für Touristen, sondern auch für Geschäftsleute, Visainhaber, selbst für Ausländer mit permanenter Aufenthaltsgenehmigung.
Da das ganze komplett elektronisch von statten geht, könnte man jetzt als technisch versierter Mensch denken „Na ja, ein Mal… muss man ebend durch“. Denkste. Lediglich die Maschinen in Narita werden an ein Netz angeschlossen, dass es erlaubt, nur ein Mal durch das Tor gejagt zu werden – danach werden die Daten abgeglichen und bei der nächsten Einreise abgerufen. In allen anderen (Flug)häfen muss jeder jedes Mal ran.
Schon vorher hat man als Ausländer oftmals lange warten müssen, bis man durch die Immigration war. Das wird wohl nun noch länger dauern. Man braucht kein Prophet sein, um zu erkennen, dass es in den ersten Wochen (wenn nicht Monate) sehr chaotisch werden dürfte.
Übrigens fällt damit ein – wenn auch manchmal zweifelhaftes – Privileg weg: Besitzer einer permanenten Aufenthaltsgenehmigung oder eines Visums durften sich bisher bei den Schaltern für Japaner bei der Einreise anstellen. Vorteil: Ging oft viel schneller. Nachteil: Geraune („Der steht bestimmt falsch…). Das entfällt vorerst. Ob Tourist, Geschäftsmann, seit 20 Jahren in Japan lebend – alles eine Mischpoke.
Was kann man dagegen tun? Maximal Japan boykottieren. Aber das geht freilich nicht. Oder man macht es wie die Engländer: Man schlägt zurück. Seit diesem Monat muss jeder Japaner, der mehr als 6 Monate bleiben möchte, seine Finger herhalten.
Gerade Anwaltsverbände in Japan protestierten übrigens gegen die neue Regelung. Vergebens.
Hier noch ein Link zu dem eingesetzten System – zur Vorfreude: Biometrics Immigration Identification & Clearance System(BICS). Auf Japanisch, aber mit Fotos.
Das Wort des Tages: 大混乱 (daikonran) – „grosses Chaos“. Aber man will ja nicht unken.

tabibito
tabibitohttps://japan-almanach.de
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei der Tabibitos Blog empfohlen.

6 Kommentare

  1. Ach, als Computerspieler fühlt man sich eh schon als Verbrecher… ;)

    Aber seit wann steht Japan auf der Liste von Al Qaida & Co.? War von denen nicht immer nur von der „westlichen Welt“ die Rede? *schulter zuck*

  2. Da sind mir Computerspieler wohl einen Schritt voraus :-)
    Wahrscheinlich ist Japan weniger gefährdet als andere Länder. Aber in Sachen Terrorismus dürfte auch Japan keinen Freifahrtschein haben. Und wenn es hausgemachter Terrorismus, siehe Aum, ist.

  3. Hast du etwas in Erfahrung gebracht, ob man sich vorab registrieren lassen kann mit Wohnsitz in Japan. Der Finn hat im Handelsblatt Blog etwas darüber geschrieben. Wenn das wirklich gehen sollte und Japan gesonderte Schalter für die vorab registrierten bereit stellt. Dann ist das ganze heiße Luft und wird nach der Anlaufphase sicher verpufft sein.
    Im übrigen glaube ich fest daran das dieses Verfahren recht bald schon Standard werden wird und die USA so wie nun auch Japan vorreihter sind.
    Gruß
    E.

  4. Angeblich soll man sich vorher registrieren lassen können – aber nur in Kanto. Die Frage ist, was länger dauert: Extra deswegen zur Ausländerbehörde traben oder bei der ersten Rückreise bei Ankunft in Narita in den sauren Apfel beissen. Ich denke, Ersteres.

    Klar sind die USA und Japan nur Vorreiter. Zumindest in den Flughäfen werden diese Geräte sicher auch schnell in Europa landen.

  5. 안녕하세요! aus korea ^^ hm, na das ist ja interessant… ich war bisher 5 mal in japan und hatte eigentlich nie stress, bis auf die letzte sexuelle belaestigung (eine dame am flughafen hat bei der „koerperinspektion“ mir irgendwo hingegriffen…, naja, es sei ihr verziehen, sie war huebsch ^^), aber mit dieser neuen regelung wird sich die wartezeit definitiv verlaengern… schoene kacke… naja, vorm uebernaechsten jahr werd ich aber eh auch nicht wieder nach japan reisen, bis dahin wird sich das hoffentlich standardisiert haben -_-

  6. Hausgemachter Terrorismus lässt sich aber dann wohl am wenigsten mit den Fingerabdrücken von Touristen bekämpfen, oder übersehe ich etwas?

    Auch fällt mir gerade ein, dass nicht mittels Visa eigentlich festgestellt werden sollte, welche Ausländer sich im Land aufhalten?

    Ich weiß nicht, aber irgendwie ist mir der Schritt mit den Fingerabdrücken zu hoch. Oder kann man von Bombensplittern tatsächlich noch einen Fingerabdruck „runterkratzen“? Fragen über Fragen… Aber tolles Stammtischthema, finde ich…

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