BlogMusic Streaming - Neuland Japan

Music Streaming – Neuland Japan

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Spotify in Japan: Wir müssen leider draussen bleiben!

Wirtschaftlich liegt Japan zwar nicht mehr auf dem 2. Platz – der japanische Musikmarkt ist aber sehr wohl noch die Nummer 2 weltweit. Musik ist ganz grosses Business in Japan, und der Markt ist sehr protektionistisch. Das ist auch nicht so schwer: Die beliebtesten Künstler werden quasi nur in Japan gehört, so dass man um die heimischen Plattenfirmen nicht herumkommt. Bisher hat man es so auch erfolgreich vermieden, sich mit Streaming-Diensten herumschlagen zu müssen. Mit Spotify zum Beispiel — wer von Japan aus Spotify aufruft (und keinen Proxy benutzt), wird flugs zu einer URL mit dem Namen „www.spotify.com/int/why-not-available“ umgeleitet. Ihr wollt einen weltweit bekannten Streamingdienst in Japan benutzen? Aber nicht doch! Spotify sagt zwar auf seiner speziell für Japan errichteten Seite, dass man in den Startlöchern hocke, aber dort hockt man schon seit ein paar Jahren.
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Der 800-Pfund Gorilla in Japan: Line

Interessant ist am japanischen Markt, dass 80% des Umsatzes noch immer mit CD’s gemacht werden. Achtzig Prozent! Ich habe meine CD-Sammlung vor über 10 Jahren digitalisiert und seitdem – von wenigen Ausnahmen abgesehen – keine anfassbaren Tonträger mehr gekauft. Aus Platzgründen. Vielleicht kehre ich irgendwann zu CD’s (oder wer weiss, vielleicht sogar zum Vinyl?) zurück, aber momentan ist digitale Musik einfach praktischer, zumal ich gar nicht die Zeit habe, durch Plattenläden zu streifen. Beziehungsweise gibt es meine Musik dort sowieso nicht. Aber da scheine ich wirklich eine Ausnahme zu sein. Die restlichen 20% verteilen sich hauptsächlich auf iTunes & Co. Doch wie kommt das? Während die Musikindustrie 2009 noch rund 1 Milliarde Dollar mit digitaler Musik verdiente, ging es danach stetig bergab. 2014 waren es nur noch 350 Millionen Dollar. Der Anteil von Streamingdiensten ist dabei vernachlässigbar klein: Gerade mal 38,000 Euro wurden damit 2015 umgesetzt. Das ist freilich kein Wunder, da es ja quasi keine Streamingdienste gibt.
Doch langsam kommt Bewegung in den Markt. Zum einen dank Apple, die ja bald ihren eigenen Streaming-Dienst Apple Music starten wollen (hoffentlich auch in Japan). Doch in dieser Woche war plötzlich jemand schneller: Line, das japanische Pendant zu What’s App, hat vor 5 Tagen seinen eigenen Music-Streaming-Dienst gestartet¹. Der beginnt mit rund 1,5 Millionen Songs, auf die man mit nur 1’000 Yen, also weniger als 8 Euro, pro Monat zurückgreifen kann. Immerhin sind fast 60 Millionen Japaner, also jeder Zweite, bei Line registriert, womit Line schon mal eine gute Basis hat. Man darf gespannt sein, wie man hier auf Line und später auf Apple reagieren wird. Vielleicht taut ja der verknöcherte, überängstliche japanische Musikmarkt etwas auf. Gewinnen würden dann… die Musikfans.
¹ Siehe unter anderem hier: Reuters: Japan messaging app Line launches music streaming business

tabibito
tabibitohttps://japan-almanach.de
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei der Tabibitos Blog empfohlen.

6 Kommentare

  1. Wenn ich die Wahl habe, dann kaufe ich ebenfalls die CD. Diese werden zwar dann meist relativ zügig nach FLAC und/oder MP3 digitalisiert, aber was ich hab, das hab ich. Und so ein CD-Regal sieht aber schöner aus als die nackte NAS. :D

  2. Es ist wirklich erstaunlich, dass das Streaming in Japan nicht populaer isst und dass man es zu blocken versucht. Ich meine man diese sache leicht umgehen und dazu gibt es unzaehlige torrent Seien wo man sowieso eine Unzahl der Songs runter laden kann.
    Ich bin wahrscheinlich einer der wenigsten Menschen welcher sich etwas japanisches reinzieht ausserhalb Japan und daran Spass hat. Es ist ab und zu etwas schwer einen bestimmten Song zu finden, jedoch habe ich mir eine Reihe von Seiten rausgefunden, die ziemlich viel drin haben

    • Ich gehöre wohl auch zu dieser seltenen Gattung Mensch. So habe ich festgestellt, dass mein Musikgeschmack etwas moderner ist, als der meiner Frau.
      Aber immerhin habe ich über meine Frau Zugang zu „Klassikern“ bekommen und werde in Japan schräg beäugt wenn in zugebe gerne K2C oder solches Zeug zu hören.

  3. Streaming ist nicht ein Gewinn für den Musikfan, sondern der Anfang vom Ende. Die Künstler verdienen dann fast nichts mehr und können zukünftige Platten kaum noch finanzieren. 1000 Yen im Monat für 1,5 Millionen Songs, da braucht man kein Abitur um zu erkennen, dass das eine Katastrophe für die Musiktreibenden ist.

    • Sicher!? Also ich wäre mir da nicht so sicher. Ich bin nicht sicher, nach welchem Mechanismus die Tantiemen errechnet werden. Fakt ist jedoch in meinem Fall – und sicherlich im Falle vieler anderer auch – dass ich momentan im Schnitt weniger als 1,000 yen für Musik ausgebe. Leider. Sollte jedoch ein guter Streaming-Dienst erscheinen, werde ich umgehend und auf Dauer 1,000 yen ausgeben.

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