BlogAyako Sono und die Alten, die nicht gehen wollen

Ayako Sono und die Alten, die nicht gehen wollen

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Ayako Sono im Jahr 1956 (Quelle: Wikipedia)
Ayako Sono im Jahr 1956 (Quelle: Wikipedia)
Vor ein paar Tagen wurde ein Interview mit der in ganz Japan bekannten Schriftstellerin 曽野 綾子 Ayako Sono im Wochenmagazin Shūkan Post¹ veröffentlicht. Die Autorin, Kolumnistin und politische Beraterin Sono liess sich dort über alte Menschen aus, was letztendlich in der Überschrift „Die Pflicht, zum rechten Zeitpunkt zu sterben“ resultierte. In dem Artikel griff sie Fälle auf, in denen zum Beispiel ein 91-jähriger Rentner einen Rettungshubschrauber anforderte. Sono ist der Meinung, dass alte und gebrechliche Menschen zu viele Resourcen binden und diese für jüngere Menschen freimachen sollten – sonst gehe die Gesellschaft zugrunde.
Nicht völlig überraschend gab es umgehend zahlreiche Reaktionen im Sinne von „dann geh Du doch zuerst“ – denn die Autorin ist selbst 84 Jahre alt und geht somit ebenfalls allmählich auf das Licht zu.
Sono liess sich in den 1950ern zur Katholikin taufen (Taufname: Maria Elisabeth) und seehofert schon seit Jahrzehnten durch den japanischen Blätterwald. Nach dem Atomunfall von Fukushima 2011 behauptete Sono, dass Tepco keinerlei Schuld trägt und dass man „die ganzen Omas und Opas doch in die verstrahlte Zone gehen lassen solle. Dann werden junge Menschen nicht gefährdet. Ich würde auch hingehen. Ich habe meinen Führerschein auch schon (des Alters wegen) abgeben müssen, aber da ist alles Privatgelände, so dass man da auch führerscheinlos herumfahren kann. Und wer weiss, vielleicht kommen ja alle plötzlich ganz gesund wieder zurück!“². Liess sie sich darauf selbst in Fukushima blicken? Aber nicht doch. Zudem prangerte sie an, dass „die ganzen Katastrophenopfer und alten Menschen sich zu sehr auf die Gesellschaft verlassen, und dass die Gesellschaft das auch akzeptiert“.
Um alle Zweifel auszuräumen, wes Geistes Kind die Schriftstellerin ist, schlug sie in ihrer Kolumne in der 産経新聞 Sankei Shimbun im Jahr 2015 vor, die Apartheid in Japan einzuführen – sie bejahte die Notwendigkeit, ausländische Arbeiter nach Japan zu holen, aber nur, wenn diese getrennt von Japanern leben: Am Beispiel von Südafrika legte sie dar, dass das gemischte Zusammenleben von Schwarzen, Weißen und Asiaten einfach nicht funktionieren kann³. Es hagelte wütende Proteste, aber das liess Sono letztendlich kalt.
Wir sprechen hier von einer hoch dekorierten und hoch angesehenen, noch immer als politische Beraterin aktiven Schriftstellerin. Traurig, aber wahr.

¹ Siehe unter anderem hier (Japanisch)
² Siehe unter anderem hier (Japanisch)
³ Siehe unter anderem hier (Japanisch)

tabibito
tabibitohttps://japan-almanach.de
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei der Tabibitos Blog empfohlen.

4 Kommentare

  1. Ich wusste doch, dass ich den Namen von irgendwoher kenne! Genau, die Apartheids Dame!
    Naja, Senilitaet + rechte Ideologie sorgen eben fuer dumme und grausame Aussagen. Das sollte man am besten ausblenden.
    Wer Sankei liest, ist ohnehin selbst Schuld (so wie in D. die Bild).
    Und dass Abe die Frau nicht von sich weist, spricht Baende …

  2. Alex Kerr hat ueber Umweltanstellung der japanischen Regierung in Buch „Dogs and Demons“ gut beschrieben und ich sehe dazu hier eine Parallele

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