BlogAinu als Ureinwohner anerkannt

Ainu als Ureinwohner anerkannt

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Die Meldung kam am Freitag herein und hat durchaus Tragweite: Das japanische Oberhaus hat ein Gesetz verabschiedet, welches den Ainu (ein Volk, das hauptsächlich Hokkaido, Südsachalin und die Südkurilen bewohnt) den Status der „Ureinwohner“ zuspricht.
Allzu lange wurde in Japan die Doktrin 単一民族国家 (tan’ichi minzoku kokka) propagiert (das man jetzt ganz böse als „Ein Volk ein Reich“ übersetzen könnte – wörtliche Übersetzung: Staat eines einzigen Volkes), obwohl allen klar war, das die Ainu im Norden durchaus ihre eigene Kultur und Sprache haben.
Seit der offiziellen Inanspruchnahme Hokkaidos und der „nördlichen Territorien“ (Südkurilen, Südsachalin) in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts seitens der japanischen Regierung bzw. des Kaisers gab es nur eine Devise: Assimilierung der Ainu.
Ainu bekamen zwar auch Land zugesprochen, meist aber unwirtliches und ohne rechte Chancen, sich des Ansturms der japanischen Siedler zu erwehren. Ein Los, welches die Ainu mit tausenden anderen Ureinwohnern teilte. Obwohl es in Japan zumindest halbwegs gewaltfrei vorging.
Man schätzt, das es noch ca. 20,000 Ainu gibt. Aber viele haben japanisches Blut in ihren Adern. Die Sprache stirbt langsam aber sicher aus, und Ainu-Kultur existiert nunmehr meist nur noch als Folklore und Touristenbelustigung.
Mit dem neuen Status erhalten die Ainu vorerst mehr Rechte zugesprochen – zumindest das elementare Recht, zu versuchen, ihre Kultur zu wahren.
Da gibt es zum Beispiel sehr skurrile Geschichten: Während man im Südpazifik lustig auf Walfang geht (zu wissenschaftlichen Zwecken, selbstverständlich – wahrscheinlich möchte man herausfinden, welche Kunden welches Walfleisch in den Supermärkten kaufen), verbot man schon öfter den Ainu, eine Handvoll Lachse auf Hokkaido zu fischen, da diese ja gefährdet sind. Dabei sollte man erwähnen, das der Lachsfang (zur Selbstversorgung) für die Ainu eine nahezu religiöse Bedeutung hat.
Das Wort des Tages: 先住民族 – senjū minzoku – wörtlich: „Zuerst wohnen – Volk“, aka indigenes Volk, aka Ureinwohner. Okinawa-Bewohner streben auch nach diesem Titel.

tabibito
tabibitohttps://japan-almanach.de
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei der Tabibitos Blog empfohlen.

3 Kommentare

  1. Sag mal, kann man dieses coole Kanjiabfragetool auch dazu bekommen, ein anderes, früheres Kanji anzuzeigen, das man wiederholen möchte ode rverpasst hat?

  2. Naja ganz so gewaltfrei ging es dann doch nicht: Ich weiss nicht mehr genau wer, aber irgendein prominenter Daimyou hat sich seine Sporen mit einem Feldzug gegen die damals noch wesentlich weiter verbreiteten (Nord-Honshu) Ainu bzw. Emishi verdient. Die Vertreibung der Ainu geschah etwa Muromachi-Jidai – Edo-Jidai.

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