BlogPolitikum Kino - Yasukuni vs. Redefreiheit

Politikum Kino – Yasukuni vs. Redefreiheit

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Klaus Wiesmüller hatte es in seinem hervorragenden Blog für japanophile Cineasten in diesen Artikeln bereits angerissen: Den Wirbel um den Film „Yasukuni“.
Zur Erinnerung: Yasukuni ist der Schrein in Tokyo, in dem Kriegsgefallene geehrt werden – darunter auch ausgewiesene Kriegsverbrecher. Besuche des Schreins seitens japanischer Politiker haben schon immer grossen Wirbel in China und Korea verursacht.
Da kommt also der junge Regisseur Li Ying daher, ein Chinese (ausgerechnet!), der schon lange in Japan lebt und des Japanischen mächtig ist. Er drehte also einen Film namens „Yasukuni“ – er dreht sich freilich um besagten Schrein im Allgemeinen und um einen alten Schwertemacher im Speziellen, der „Yasukuni-Klingen“ schmiedet. Betrachtet werden die vielen verschiedenen Besucher des Schreins. Darunter natürlich sehr, sehr viele Ultranationalisten, aber ebend auch linke Demonstranten.
Ende Mai herum soll der Film in die Kinos kommen. Aber da ging es los – hier in chronologischer Reihenfolge:

  1. Ein bekanntes und ziemlich übles Wochenblatt mit viel Klatsch berichtet vorab vom Film und tauft ihn als japanfeindlich ein.
  2. Ein paar Abgeordnete der Regierungspartei LDP beantragten nun, den Film vor Veröffentlichung sehen zu dürfen. Das grenzt schon mal ganz stark an Zensur und ist auch in Japan recht ungewöhnlich. Gesagt, getan. Begründung für diese ungewöhnliche Behandlung: Der Film sei schliesslich teilweise von staatlichen Geldern gesponsert worden.
  3. Etlichen Kinos ist das bereits zu bunt: Sie nehmen den Film vorab aus dem Programm. Begründung: Man fürchte Randale der Rechtsradikalen (und damit auch der Yakuza). Und man wolle vor allem die anderen Mieter in den grossen Kinos (sprich Geschäfte, Restaurants etc.) nicht „in Unannehmlichkeiten bringen“.
  4. Erste Nationalisten bedrohen mehr oder weniger indirekt Kinos, die immer noch eine Aufführung planen.
  5. Der Schwertemacher wünscht plötzlich, er möchte ganz aus dem Film gestrichen werden. Er hatte ja keine Ahnung, worum es geht.
  6. Zu guter Letzt: Der Yasukuni-Schrein selbst erwägt zu klagen – schliesslich seien die Aufnahmen im und um den Schrein nicht authorisiert gewesen.

Nun könnte man einerseits natürlich meinen, das ein Film kaum bessere (und auch noch kostenlose) Publicity bekommen kann. Andererseits ist es natürlich traurig, mitanzusehen, wie weit es nachwievor mit der Vergangenheitsbewältigung in Japan her ist. Seit 1945 ist man da um keinen sun vorangekommen. Warum auch. Man lebt ja schliesslich nicht umsonst auf einer Handvoll Inseln am Rande der Welt.
Eins weiss ich allerdings – ich bin äusserst neugierig auf den Film.
Ach ja, jener hat bereits international Dokumentarfilmpreise abgeräumt. Also wenigstens im Ausland klappt es.
Und noch eins: Der Club Loft Plus One in Shibuya lädt zu einer Preview-Party ein. Eingeladen sind besonders Ultranationalisten. Organisiert wird das vom Club selbst in Zusammenarbeit mit Mitsuhiro Kimura, dem Führer (jawoll!) der nationalistischen →Issuikai-Bewegung. Mal sehen, was das wird.
Das Wort des Tages: 言論の自由 – genron no jiyū – die „Redefreiheit“.

tabibito
tabibitohttps://japan-almanach.de
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei der Tabibitos Blog empfohlen.

2 Kommentare

  1. auha, der yasukuni-schrein wieder. zunächst finde ich es sehr bemerkenswert, dass mit diesem „ehrenmal“ immer noch in japan stimmung gemacht werden kann. schaffen es die japaner nicht irgend wann, differenziert mit ihrer geschichte umzugehen? wie groß ist eigentlich der teil der bevölkerung japans, der sich kritisch mit der geschichte japans (welche nicht unbedingt die eigene sein muss) auseinandersetzt?

    nun muss ich zugeben, hier erstmals von diesem film gehört zu haben. da dieser aber bereits im ausland ausgezeichnet wurde, bin ich gespannt, ob dieser auch hierzulande in einem (wahrscheinlich) programm-kino zu finden sein wird. letztens gab es bei uns in L.E. tage des japanischen films. da hätte unsereins vielleicht mal nachschauen sollen. aber es gibt ja auch noch die dokfilm und dann kann man ja hoffen.

    vielleicht kannst du ja noch berichten, was aus dem club nach der nazi-preview-party geworden ist. oder ist das ein bekannter treffpunkt selbiger?

    grüße
    terry

  2. Pff, Nationalismus ödet mich dermaßen an. Man müsste meinen, nach 200.000 Jahren wären wir weiter.

    Gibt es eigentlich eine deutsche Vertonung des Filmes oder wenigstens deutsche Untertitel? Ich meine, wenn der Film komplett englische Untertitel hätte (tut er das?), ginge das natürlich auch, aber man ist dann ja doch irgendwo faul …

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