BlogPolitiker der Woche | Akebono verstirbt in Tokyo

Politiker der Woche | Akebono verstirbt in Tokyo

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Der — hier unregelmäßig — vergebene Preis des Politikers der Woche geht an den Präfekturgouverneur von Shizuoka, der Präfektur auf halbem Wege zwischen Nagoya und Tokyo. Der seit 2009 ununterbrochen im jetzigen Amt aktive Wirtschaftswissenschaftler 川勝Kawakatsu 平太Heita gab am 3. April auf einer launischen Pressekonferenz bekannt, seinen Posten niederlegen zu wollen. Hauptgrund für diese plötzliche Entscheidung war ein Zitat einer Rede, die er am 1. April vor den neuen Mitarbeitern (da das Schuljahr Ende März endet, beginnen die meisten neu Angestellten in Japan am 1. April) im Verewaltungsamt der Präfektur hielt. Zitat:

実は静岡県、県庁というのは別の言葉でいうとシンクタンクです。毎日、毎日、野菜を売ったり、あるいは牛の世話をしたりとか、あるいはモノを作ったりとかということと違って、基本的に皆様方は頭脳・知性の高い方たちです。ですから、それを磨く必要がありますね

— wortgemäß bedeutet dies:

Genau genommen kann man das Verwaltungsamt der Präfektur Shizuoka auch als Denkfabrik bezeichnen. Dies ist kein Ort, wo Tag für Tag Gemüse angebaut, Rinder versorgt oder Dinge hergestellt werden, sondern ein Ort, wo sich kluge und gelehrte Menschen versammeln. Deshalb müssen diese Fähigkeiten (Anm: gemeint sind Klugheit und Gelehrtheit) poliert werden.

Das liess viele Menschen aufhorchen — nicht nur in der eigenen Präfektur, die selbst sowohl landwirtschaftlich als auch im Produktionswesen sehr aktiv ist. Der Gouverneur hatte mal eben die Verve, all die Menschen in Landwirtschaft- und Fischereiwesen sowie in der Produktion als Idioten abzustempeln. Logischerweise ging das Zitat durch die Presse und sorgte für ein einhelliges Echo. Doch Kawakatsu, seit langem hinreichend bekannt für seine verbalen Entgleisungen, fehlt jederlei Einsicht. Bei der Pressekonferenz am 3. April und bereits davor verlautete er, das seine Aussage falsch verstanden wurde. Was es daran falsch zu verstehen gibt, liess er allerdings offen. Stattdessen beklagte er sich über den Shitstorm und nannte das ganze „media harassment“. Diese Auffassung ist leider gang und gebe unter japanischen Politikern, die es gar nicht mögen, wenn die Presse sie in die Verantwortung nimmt (was ohnehin schon zu selten geschieht in Japan — weshalb das Land ja auch nur auf Rang 68 beim Pressefreiheitsindex ist).


Und noch eine traurige Nachricht: Heute ist Akebono Tarō verstorben, der in Hawai’i gebürtige Wahljapaner, der es als erster Ausländer geschafft hatte, den höchsten Rang im Sumo – Yokozuna – zu erreichen. Er starb mit nur 54 Jahren an Herzversagen und hinterläßt seine Ehefrau und drei Kinder. Er war nicht nur lange im Ring aktiv (erst im Sumo, danach K-1 und Wrestling). Ich habe ihn noch sehr gut aus der interessanten Kindersendung にほんごdeあそぼ (nihongo de asobo – „lass uns mit der Japanischen Sprache spielen“) in Erinnerung, wo er mit seiner enormen Körperfülle mit ganz weicher und hoher Stimme das Lied „みんなちがってみんないい“ sang (der Titel bedeutet in etwa „alle sind verschieden, und alle sind gut, wie sie sind). Er trat in der Sendung mehrfach auf.

Beim Sumo ebnete er jedenfalls vielen weiteren ausländischen Kämpfern den Weg und leistete so Pionierarbeit.

tabibito
tabibitohttps://japan-almanach.de
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei der Tabibitos Blog empfohlen.

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