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Olympische Berichterstattung

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​Eigentlich bin ich ja ein Freund von internationalen Sportveranstaltungen, allen vorweg die Olympischen Spiel und die Fußball-WM. Leider ist das in Japan jedoch immer mit viel Frust verbunden. Zum einen, weil die deutschen Medien alles relevante aus ihren Nachrichten rausschneiden („aus rechtlichen Gründen können wir das leider nicht zeigen…“), zum anderen, weil die japanische Berichterstattung in der Regel einfach nur grauenvoll ist. Das erste Problem lässt sich zwar technisch lösen, aber ich streame mir die Nachrichten in der Regel aufs Handy, um mir das ganze im Zug anzusehen, und da wird es schon kompliziert. Das zweite Problem lässt sich natürlich nicht lösen, denn es ist ein grundlegendes Problem und wird als solches offensichtlich auch nur von medieninteressierten Ausländern als solches wahrgenommen. Beispiel NHK, das japanische Öffentlich-Rechtliche (mit Zwangs-Rundfunkgebühren und allem). Als der Eiskunstläufer Hanyū am Sonnabend wie erwartet bzw. erhofft die Goldmedaille gewann, war der Jubel groß, und die 7-Uhr-Nachrichten (das Äquivalent zur Aktuellen Kamera, äh, Tagesschau) begannen mit der Wiedergabe der kompletten Kür (und anschliessend, um fair zu bleiben, mit der Kür des Silbermedaillengewinners, da auch Japaner). So weit, so gut. Schließlich waren bis dahin die Erwartungen des Fernsehvolks eher enttäuscht – wenig Medaillen, und erst recht keine güldene). Doch am Sonntag begannen die NHK-Nachrichten exakt genauso: Wieder wurden die Vorstellungen in voller Länge gezeigt. Warum nur muss man das zwei Mal zeigen? In den Hauptnachrichten?
Richtig schlimm sind jedoch die 〇〇さんが1位になった理由 – Spezialsendungen: „Der Grund, warum Herr Watanabe/Frau Yamamoto Erste(r) wurde“. Na, warum wohl? Vielleicht weil er oder sie am schnellsten oder am perfektesten war? Könnte das sein? Aber das reicht natürlich nicht. In mehreren Stunden wird dann ausgeleuchtet, warum gerade der Japaner gewonnen hat, und kein anderer – der Sieg, so stellte sich heraus, war einfach eine Zwangsläufigkeit, es ging gar nicht anders! Aha. Dann hätte man sich ja den ganzen Rummel eigentlich schenken können, oder?
Doch auch das Gegenteil ist grausam: Die Reaktion darauf, wenn die Dinge nicht so laufen, wie man es sich gewünscht hat. Das Fernsehen ist da vergleichsweise milde, doch in den Printmedien wird gnadenlos auf die Verlierer eingedroschen. Das Bashing ist mitunter so grob, dass man sich fragt, warum sich die Sportler das überhaupt noch antun.
Die Art und Weise, wie die Medien damit umgehen, ist so enttäuschend, dass ich letztendlich kaum noch hinschaue. An die Olympischen Spiele von Sotschi zum Beispiel habe ich null Erinnerung, an frühere Spiele hingegen schon. Das einzige, was mir bleibt, ist darüber zu meckern, und das habe ich hiermit getan.
Ach ja: Interessant war die Reaktion in Japan auf das gar unsportliche Verhalten der koreanischen Speedskaterinnen bei der Mannschaftsverfolgung. Zur Erinnerung: Drei Eisschnellläuferinnen gehören zum Team, und die Zeit wird erst gestoppt, wenn die letzte im Ziel ist. Die vorderen beiden Koreanerinnen rannten jedoch der letzten einfach davon und nahmen ihr damit den Windschatten. Während in Südkorea umgehend eine halbe Millionen Menschen eine Petition unterschrieben, die die Regierung auffordert, die beiden Läuferinnen zu suspendieren, war der Grundtenor in Japan anders – dort verstand man nicht, warum nun so auf die beiden Flitzerinnen eingeprügelt wurde – so schlimm sei das dann nun auch nicht gewesen. Na dann! Sport frei!

tabibito
tabibitohttps://japan-almanach.de
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei der Tabibitos Blog empfohlen.

3 Kommentare

  1. Da stimmen wir doch voll ueberein!!
    Grauenvoll, „Japan, Japan ueber alles“??
    Und Du hast den guten Hanyu nur zwei mal erlebt? Muss wohl die fernseharme Zeit gewesen sein. Wie gerne haette ich Bobfahren in voller Ausfuehrung gesehen, aber Interviews mit (wohlgemerkt) erfolgreichen japanischen Athleten waren wichtiger. Auch andere Sportarten kamen kaum zum Zuge, es sei denn japanische Beteiligung war angesagt. Naja, Curling sowie Snowboard (oder hiess das Schneebrettfahren) wurden halt zu den absoluten olympischen Disziplinen erhoben. Wohl denn, am Sonntag haben wir es ueberstanden und die Leistung der deutschen Oympiamannschaft sind schon (zumindest) erwaehnenswert. In diesem Sinne ….. Pyeonchang tschuess …. „let the next games begin“!

  2. Ich schliesse mich Euer beider Meinung an. Es ist furchtbar und man lässt besser alle Medien aus. Möchte aber noch ergänzen das Japanische Berichterstattung allgemein grauenvoll ist. Sie sind wie die Fliegen mit dem berühmten Haufen. Jeh größer der Haufen jemehr von ihnen umkreisen ihn. Das Geruchsbild will ich hier jetzt nicht ausmahlen…

  3. In Deutschland hingegen hatte man den Eindruck, die Olympischen Spiele würden in Nordkorea stattfinden. So viele Dokumentationen, Berichte und ganze Themenabende gab es dazu. Über Südkorea kam hingegen deutlich weniger…

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