BlogNoto eine Woche nach dem Beben | NERV-App

Noto eine Woche nach dem Beben | NERV-App

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Vor genau einer Woche, am Neujahrstag, verwüstete ein schweres Erdbeben mit anschließendem Tsunami nahezu die komplette Noto-Halbinsel. Auf der Halbinsel leben zwar nicht sehr viele Menschen, doch auch nach einer Woche ist die Lage sehr prekär. Bisher wurden 168 Todesopfer gezählt, 323 Menschen gelten als vermisst. In insgesamt 400 Notunterkünften haben sich mehr als 28’000 Menschen eingefunden – doch es gibt noch mindestens 3’000 Menschen in insgesamt 24 Gebieten, die man nicht erreichen kann, denn die meisten Straßen der Halbinsel wurden durch Erdrutsche zerstört. Dazu kommen zahlreiche, zum Teil schwere Nachbeben – sowie zuerst schwere Regenfälle, die nun in Schnee übergegangen sind. Zwar sind nun auch die japanischen Selbstverteidigungskräfte vor Ort, doch die Schäden sind so schwer und die Infrastruktur dermassen schwer zerstört, dass es nur langsam vorangeht.

Soweit die Lage in der Präfektur Ishikawa — doch auch in entfernten Gebieten hat man mit den Folgen zu kämpfen – zum Beispiel im Stadtbezirk Nishi-ku in Niigata-Stadt. Dort hat das Phänomen 液状化ekijōka zahlreiche Schäden hinterlassen – durch die Schwingungen des Erdbebens verflüssigt sich dabei der Boden quasi, so dass Gebäude im Boden versinken. Mehr als 1’000 Gebäude wurden dadurch zerstört.

Für in Japan lebende stellt sich hier schnell die Frage, wie man helfen kann. Das Helfen vor Ort scheidet dabei aus, denn es mangelt überall an Ressourcen, von Übernachtungen bis hin zu Wasser. Im Prinzip bleibt da nur das Spenden von Geld.

Relevant zum Thema: In Japan gibt es verschiedene Vorwarnsysteme für Erdbeben, Taifune und dergleichen. Ziemlich interessant ist da die NERV防災bōsai-App, produziert von ゲヒルン株式会社 (Gehirn Inc.). Anime-Fans wissen, was dahinter steckt: Der Begriff “NERV” ist deutsch zu lesen und zu verstehen und spielt in “Evangelion” eine wichtige Rolle. Die Firma hat gerade mal 12 Festangestellte und entstand nach dem schweren Erdbeben von 2011, als der Firmengründer an eigenem Leib erfuhr, was es bedeutet, nicht rechtzeitig an lebenswichtige Informationen zu kommen. Die App ist kostenlos – man kann sie aber mit 250 Yen oder 480 Yen pro Monat unterstützen. Die App ist im Prinzip ein Aggregator – sie wertet katastrophenschutzrelevante Daten von zahlreichen Quellen aus und warnt vor Gefahren – und das manchmal sogar schneller als die staatlichen Warnsysteme. Ein interessantes Konzept — und die App selbst ist auch ziemlich gut gemacht. Mehr erfährt man unter nerv.app. Links zum Download siehe unten.

tabibito
tabibitohttps://japan-almanach.de
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei der Tabibitos Blog empfohlen.

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