BlogLiberaldemokraten gewinnen haushoch | Lausige Wahlbeteiligung

Liberaldemokraten gewinnen haushoch | Lausige Wahlbeteiligung

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Am Morgen hatte ich noch etwas Hoffnung: Auf Twitter und anderen sozialen Medien war einiges los in Sachen Wahlen, und als ich auf dem Weg zum Bäcker an einem Wahllokal vorbeifuhr, sah ich eine lange Schlange von Wählern und noch viel mehr Leute, die auf dem Weg zum Wahllokal waren. Könnte diese Wahl vielleicht doch noch eine Überraschung bergen?
Sie konnte nicht. Das Ergebnis war exakt genau so vorhersehbar. Die Wahlbeteiligung ist eine Schande für eine Demokratie: Gerade mal 52,6% der Bürger waren wählen (bei Huffingtonpost.jp gibt es eine schöne Übersicht darüber, wie hoch die Wahlbeteiligung in den einzelnen Präfekturen war) – das sind mehr als 6% weniger als bei der Parlamentswahl 2012 (und die Wahlbeteiligung bei jener Wahl war bereits die schlechteste seit dem 2. Weltkrieg!). 475 Sitze waren zu vergeben – beim jetzigen Stand (1 Uhr morgens) sind nur noch 9 Sitze nicht ausgezählt. Die regierenden Liberaldemokraten kommen mit ihrem Juniorpartner, der Komeito, soweit auf 319 Sitze (vor der Wahl waren es 325), die stärkste Oppositionspartei – die vor 2012 regierenden Demokraten – kommen demnach auf ganze 71 Sitze. Das sind immerhin 9 mehr als vor der Wahl. Die Kommunisten kommen auf 20 (vorher 8 Sitze), und die 次世代の党 – The Party for Future Generations des ehemaligen Gouverneurs von Tokyo, Ishihara, sowie Hashimoto, Statthalter von Osaka, wurde abgestraft: Vorher hatte sie 19 Sitze, jetzt nur noch 2. Anders gesagt – die Regierungskoalition bestätigt ihre satte Zwei-Drittel-Mehrheit.
Abe darf also weiter dabei beobachtet werden, wie er an der Wirtschaft und der japanischen Verfassung herumdoktert. Und er kann sich durch das Ergebnis bestätigt fühlen. Auch wenn es ihm hoffentlich zu denken gibt, dass sich gerade mal die Hälfte der Bevölkerung überhaupt dafür zu interessieren scheint.
In diesem Sinne kann man ganz getrost die Wahl mit 4 Wörtern beschreiben: Ausser Spesen nichts gewesen.
Die aktuellen Ergebnisse – mit Graphiken – sieht man bei NHK.

tabibito
tabibitohttps://japan-almanach.de
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei der Tabibitos Blog empfohlen.

7 Kommentare

  1. Kleines Schmankerl zur ganzen Wahl-Farce: Die beiden Damen, die im Oktober wegen Amtsmissbrauch zurecht aus dem Kabinett entlassen („geruecktritt“) wurden, haben in ihren Wahlkreisen auch dieses Mal wieder genug Stimmen bekommen.

  2. Was ich nicht so ganz verstehe, Abe’s Politik hat doch jetzt nicht so richtig viel Erfolg gezeigt. Populär war die Sache mit den Grundgesetzänderungen auch nicht sonderlich, oder?
    Warum also kriegt der Mann eine Zweidrittelmehrheit?
    Angst vor Experimenten? Nicht existierende Opposition? Oder einfach nur Resignation?

  3. Einmal mehr vielen Dank für einen guten Artikel. So hat er mich zu dem Gedanken verleitet, anzunehmen, es sei hier in D nicht arg anders. Bei Recherche im Netz wurde ich dann eines erheblich Besseren belehrt. Deutschland ist sogar eines der führenden Länder, was Beteiligung an freien Wahlen angeht, und das recht stabil.
    Von dem, was ich von Japanern in Deutschland mitbekomme (die ja auch per Brief wählen können), so herrscht wohl rechte Resignation. Nicht so sehr mit dem System an sich sondern mit den Wahlmöglichkeiten. Japaner haben es denn auch meiner Erfahrung nach nicht so sehr mit dem „aufmucken“ gegen den Mainstream, was wohl der Mentalität zusammenhängt.
    Wie gesagt, so dachte ich bis gerade eben noch, da seien wir den Japanern ähnlich.
    Interessanterweise – und ich habe da Erfahrung durch meine jahrelange Arbeit bei einem globalen Konzern, dessen einziges Ziel die Gewinnmaximierung ist, fragt man sich immer, wie lange sowas gut gehen kann und noch laufen wird.
    In etwa: wann kollabiert der ganze Mist eigentlich mal? Tatsächlich verdienen an diesen Systemen aber immer noch Unmassen an Menschen, die sich einen feuchten Dreck um ihre Mitmenschen scheren. Und so fürchte ich, wird auch trotz/dank Abenomics de marode japanische Wirtschaft einfach irgendwie weiterlaufen. Nur die Verteilung des Geldes und des Wohlstandes wird sich eben über die Jahre deutlich verschieben.
    Und da uns Menschen in den modernen (westlichen) Gesellschaften der Antrieb zur Revolution über Jahrezente „ausgetrieben“ wurde, kann man nur gespannt sein, wie die Zukunft aussehen wird.

  4. > Einmal mehr vielen Dank für einen guten Artikel.
    +1
    > Auch wenn es ihm hoffentlich zu denken gibt,
    > dass sich gerade mal die Hälfte der Bevölkerung…
    Die Hoffnung wird wohl leider enttaeuscht werden.

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