BlogJapans 2025-Problem

Japans 2025-Problem

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Ein Begriff taucht in den japanischen Medien in letzter Zeit immer häufiger auf – das 2025nisennijūgonen問題mondai, das „(Jahr) 2025 Problem“. Aber was passiert 2025? Kurz und salopp gesagt wird die erste Babyboomer-Generation nach dem 2. Weltkrieg alt. Richtig alt. Genauer gesagt, 75 bis 80 Jahre alt. Der erste Babyboom erfolgte kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges und dauerte bis 1950, und diese Generation wird 団塊dankai世代sedai genannt. Diese Babyboomer werden nun bis 2025 für einen weitere, kräftigen Schub bei der Überalterung Japans sorgen. 2025 wird der Anteil der über 75-jährigen an der Gesamtbevölkerung knapp 17% betragen – anders gesagt, wird jeder 6. Japaner dann 75 Jahre alt oder älter sein. Das muss man sich erstmal vorstellen. Der Anteil der Senioren ist jetzt schon groß, doch das wird in 4 Jahren noch einmal um einiges sichtbarer sein.

Was kann man dagegen tun? Natürlich nichts. Die Weichen der jetzigen demographischen Entwicklung wurden schon vor langer Zeit gestellt, und die damit einhergehenden Probleme sind schon lange bekannt. Als da wären:

  1. Bei der Überalterung der Gesellschaft geht es jetzt nicht mehr um die Geschwindigkeit der Überalterung, sondern um das Ausmaß. Die Überalterung ist jetzt definitiv da.
  2. Die Zahl dementer Personen liegt jetzt schon bei rund 3,2 Millionen, und diese Zahl wird ab 2025 stark ansteigen. Die Pflege und der Umgang mit dementen Personen wird damit zu einem gesellschaftlichen Problem.
  3. Die Zahl der Haushalte älterer Mitbürger liegt jetzt bereits bei über 18 Millionen, 70% davon sind entweder ältere Ehepaare oder alleinlebende (rund 37%)
  4. Die Zahl der Todesfälle liegt momentan bei 1,6 Millionen – 1,4 Millionen davon sind älter als 65 Jahre. Auch diese Zahlen werden stark ansteigen.
  5. Die Zahl der älteren Mitbürger in den Ballungsgebieten wird stark zunehmen – momentan betrifft die Überalterung eher die ländlichen Gegenden.
  6. Diese und weitere das Jahr 2025 betreffende Probleme kann man im Bericht „Die weitere Entwicklung der Überalterung – das gesellschaftliche Phänomen der extremen Überalterung 2025“ des japanischen Ministeriums für Gesundheit, Arbeit und Soziales nachlesen1. Der Bericht ist zwar schon von 2006, aber seitdem hat sich in Sachen Überalterung nicht viel geändert.

    Natürlich entstehen so noch weitere Probleme. So wird geschätzt, dass die pro Jahr anfallenden Kosten im Gesundheitswesen von 840 Milliarden Euro im Jahr 2018 auf rund 1 Billion Euro im Jahr 2025 ansteigen wird – bei sinkender Zahl von Einzahlern in die Krankenkasse, versteht sich2. Der durchschnittliche Arbeitnehmer wird somit 2025 rund 31% seines Bruttoeinkommens allein für Kranken- und Pflegeversicherung sowie für die Rentenkasse berappen müssen. Um dem entgegenzusteuern, soll es Teilzeitkräften und anderen unregelmäßig Beschäftigten erleichtert werden, der Sozialversicherung beizutreten. Im Klartext bedeutet dies jedoch, dass Geringverdiener stärker zur Kasse gebeten werden sollen – und dass es für Firmen, die diese Geringverdiener beschäftigen, teurer werden wird. Außerdem soll der Selbstkostenbeitrag an der medizinischen Versorgung für Senioren von 10% auf 20% steigen – das allerdings nur, wenn es die Haushaltskasse zuläßt.

    Eine weitere Maßnahme geht direkt mit einem natürlichen Nebeneffekt der Überalterung einher: Der Mangel an Arbeitskräften. So sollen japanische Firmen sich darauf einstellen, auch ältere Mitbürger zu beschäftigen beziehungsweise weiterhin zu beschäftigen. Diese Säule des Maßnahmenkatalogs ist besonders wichtig, schlägt man doch damit mehrere Fliegen mit einer Klappe: Der Arbeitskräftemangel kann dadurch abgemildert werden – und ältere Mitbürger können auch weiterhin Geld verdienen und somit in die Sozialkassen einzahlen. Negativ betrachtet bedeutet dies natürlich, dass die Gesellschaft und die Politik von den älteren Menschen erwarten wird, bis zum Umfallen zu arbeiten.

    Die Überalterung der Bevölkerung ist in kaum einem anderen Land der Erde soweit fortgeschritten wie in Japan, doch zeichnet sich eine ähnliche Entwicklung auch in anderen Ländern ab, weshalb andere Länder die weitere Entwicklung in Japan sicher mit Interesse verfolgen dürften. In Deutschland zum Beispiel dürften die Folgen jedoch spürbar durch die erhöhte Einwanderung in den vergangenen 10 Jahren abgefedert werden.

    1. siehe hier
    2. siehe hier
tabibito
tabibitohttps://japan-almanach.de
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei der Tabibitos Blog empfohlen.

12 Kommentare

  1. Tja, seid Jahren wird höre ich immer wieder das in den Reichen Ländern die Geburtenrate sinkt und die Gesellschaften überaltern. Ob Deutschland, USA, Korea oder Japan. Ich verstehe immer noch was daran so schwer zu verstehen ist warum die Geburtenzahlen sinken.

    Es hat nicht nur damit zu tun das alles teurer geworden ist, sondern auch das meine Generation nicht mehr diesen sozialen Druck haben mit 18 auszuziehen, mit 25 Jahren heiraten, viele Kinder zeugen und ein Haus bauen. Je reicher eine Gesellschaft ist und desto mehr Möglichkeiten man hat, desto eher ist die Chance hoch das die Mitglieder eher für sich leben und eher wenig kompromissbereit sind.

    Man sollte auch nicht die Kosten der Kinderbetreuung vergessen und wenn Frauen öfters in die Rolle der Hausfrau gedrängt werden.

    Ganz ehrlich, man sollte sich keinen so großen Kopf machen, das ist eine Sache durch die alle „reichen“ Ländern müssen. Durch die weiterentwicklung der Medizin bleiben die Leute viel länger „jung“.

    Geburtenraten:
    Japan: 1,36 Pro Frau
    Südkorea: 0,81 pro Frau
    Deutschland : 1,58 pro Frau
    Volksrepublick China: 1,70 pro Frau
    USA : 1,78 pro Frau
    Taiwan: 1,22 pro Frau
    Italien: 1,3 Pro Frau

    Auf Wikipedia gibt es eine Karte die die Geburtenraten auf der ganzen Welt anzeigt.

    https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/d/d7/Total_Fertility_Rate_Map_by_Country.svg

    Ich selber möchte auch keine Familie gründen, gegen Kinder habe ich nichts, aber ich möchte einfach nicht heiraten. Co-Parenting währe etwas für mich.

    Auf der Seite gab es mal einen Artikel das die junge Generation kaum noch Alkohol trinkt. Generell haben die jungen Leute an Luxus weit aus weniger Interesse als die Boomer. An mir kann ich das gut sehen. Ich bin mit meinem einfachen Bürojob zu frieden und brauche keine Große Wohnung oder gar ein riesiges Haus. Ich habe auf gut deutsch gesagt keine Lust mich halb zu tode zu arbeiten nur damit ich dem „sozialen Stand“ entspreche, dafür ist mir meine Zeit zu schade. Man ist nur einmal jung.

    Auf Wikipedia gibt es ein paar Schöne Artikel dazu.

    https://en.wikipedia.org/wiki/Satori_generation
    https://en.wikipedia.org/wiki/Sampo_generation
    https://en.wikipedia.org/wiki/Buddha-like_mindset
    https://en.wikipedia.org/wiki/Strawberry_generation

    • Gehört da jemand einer egoistischen Generation an, die nur ihr eigenes Ding machen möchte? Als wäre Famile und Partnerschaft eine zu große Belastung, weil man sich dafür halb zu Tode arbeiten müsste? Dafür braucht man eine größere Wohnung oder ein Haus. Die Überlebenschancen sind trotzdem gut, sonst gäbe es keine Großeltern.
      Co-Parenting ist sicherlich kein einfacheres Familienmodell.
      Ich finde es wichtig, sich über die Überalterung der Gesellschaft Gedanken zu machen.
      Es braucht Ideen um diese Aufgaben zu bewältigen. Wir werden alle einmal alt sein

  2. Das es Ideen braucht wie man mit der Überalterung zu recht kommt finde ich auch. Aber ich halte nichts davon auf die Leute Druck aufzubauen die keine Kinder wollen. Ich glaube es währe besser wenn man in die Medizin vermehrt forschen würde um zu sehen wie Leute auch im hohen Alter jung sein können.

    Ich habe nie behauptet das Co-Parenting einfacher ist. Blos ist diese Modell für mich einfacher weil ich A-romantisch bin und nicht in der Lage bin solche Gefühle zu empfinden.

      • Das habe ich auch nie behauptet das Tabibito Druck ausübt. Aber ich muss immer schmunzeln wenn immer wieder die Leier mit der Geburtenrate kommt. Es ist nunmal so das die Geburtenrate sinkt wenn es viele Individuelle Möglichkeiten gibt sein Leben zu leben und es keinen so starken Emotionalen Druck gibt zu heiraten und zusammenzuziehen. Ich bin immer noch dafür verstärkt in die Medizin zu forschen damit die Leute auch im hohen alter länger fit bleiben, geistig und körperlich.

        • Nun ja, ein ernsthaftes gesellschaftliches Problem als alte Leier abzutun ist so auch nicht richtig. Eine extrem niedrige Geburtenrate ist ein Problem, und zwar ein ernsthaftes. Das ist in Japan jetzt schon deutlich, und es wird in den kommenden 1, 2 Jahrzehnten noch viel heftiger. Und für dieses Problem gibt es durchaus Lösungsansätze, und die müssen entsprechend diskutiert und bei Bedarf implementiert werden. Mit einem „das legt sich schon wieder“ oder „das gab es früher auch schon“ sollte man das nicht einfach wegwischen. Es geht schließlich um die Zukunft der jetzigen und der kommenden Generation.

          • Ich tue das nicht als alte Leier ab. Ich spreche nur Tatsachen aus und Tatsache ist das je reicher eine Gesellschaft ist und je mehr Möglichkeiten man hat, desto eher haben die Leute keine Lust auf Heirat, Kinder und Haus.

            Ich gebe dir recht das man das nicht alte Leier abtuen sollte, ich gebe dir recht das man ein solches Thema ernsthaft diskutieren muss, aber weißt du was mich persöhnlich aufregt. Diese Themen sind schon seit Jahren bekannt. Ich bin jetzt 29 Jahr alt und seit ich 12 Jahre alt bin lese ich immer wieder davon das in den reichen Ländern die anzahl der Kinder zurückgeht.

            Man hatte so viel Zeit sich etwas zu überlegen, aber nein man hat es nicht getan. Man hat Leute die sich gegen Famlie/Kinder stellen immer wieder geshamt und guilttripping betrieben.

            Das sich Leute gegen Kinder stellen weil vieles teurer geworden ist, man als Mann im Scheidungsfall öfters das nachsehen hat, als Frau von einem erwartet wird die Kariere aufzugeben, es an der Kinderbetreungsmöglichkeiten mangelt und die Kosten teilweise sehr hoch sind, von einem Mann erwartet wird der „Zahlmeister“ zu sein etc. darüber redet keiner.

            Das könnte ich ewig fortführen. Gerade in Japan werden ja hohen Kosten als Grund angegeben weshalb sich die meisten gegen Kinder entscheiden. Du hast in einem älteren Beitrag erwähnt wie hoch die Kosten sind für Schuluniformen, Schulrucksack und die hohen Gebühren für das Lernmaterial, für die Nachhilfe und nicht zu vergessen die Studiongebühren. Ich glaube nicht das es Japan ein Sozialnetz gibt wie in Europa, oder?

            Generell hoffe sollte man vermehrt in die Medizin investieren, speziell wenn es um die Forschung geht. Beim Coronaimpfstoff hat man ja gezeigt wie schnell so etwas gehen kann. Auch könnte die Regierung eine Aufruf starten und den Leuten sagen das sie vermehrt zum Arzt gehen solln um einen einfachen Bodycheck zu machen. Wer das regelmäßig tut bekommt von der Krankenkasse Geld und sammelt Bonuspunkte. Ich habe das so ein Bonusheft von meinem Krankenkasse, lasse ich mir regelmäßig untersuchen sammle ich Bonuspunkte und bekomme Geld. Soetwas sollte man ausweiten. Krankheiten die man früher findet lassen sich leichter behandeln, das spart den Patienten nerven und der Krankenkasse Geld.

            Bei vielen Firmen könnte man darüber nachdenken wie Abläufe effizienter gestaltet werden können damit die Leute ihre Arbeitszeit reduzieren können und auch die Attetüde das man der einfache Angestellte nicht vor dem Chef das Büro verlässt endlich mal abschafft.

  3. Irgendwann wird die Geburtenrate auch wieder steigen. Solange sie dies nicht tut müssen die Jungen halt nun einmal die Kosten tragen. Dafür werden Sie auf dem Arbeitsmarkt immer gefragter und Land wird tendenziell billiger. Wohlhabender als vergangene Generationen werden sie trotz gestiegener Kosten für die Versorgung der Alten immer noch sein.

    • „Wohlhabender als vergangene Generationen“ werden sie ganz gewiss nicht sein. Die reichste Generation ist die, die in den 1980ern zwischen 30 und 40 Jahre alt waren (und nun nahezu ausnahmslos in Rente sind). Da kommt meine Generation und auch die folgende ganz gewiss nicht ran, auch nicht annähernd. Es sei denn, man erbt etwas von besagter Generation.

  4. Hallo,
    warum die Geburtenrate in einem Land wo, überspritzt gesagt, man erwartet das Männer nach dem Studium bis zur Rente, jede Wache Stunde für ihren Arbeitgeber zur Verfügung stehen, und Frauen nachdem sie das erste Kind bekommen zuhause bleiben, ist wohl nachvollziehbar. Wie gesagt, überspitzt gesagt, ich weiß auch das es da Anfänge von umdenken gibt.
    Wenn man sich die Medien, Filme, Anime, Mange usw. anschaut sieht man das der Wunsch nach Romantik, und darauf folgend auch Beziehungen Kinder usw. durchaus da ist. Aber, für eine Familie die man nur am Wochenende mal sieht, wenn man nicht zu müde ist, ständig arbeiten ist nicht mehr ganz so verlockend, bzw. die Komplette Karriere aufgeben weil man ein Kind möchte ( und auch die Tatsache das man den Partner nur am Wochenende wirklich sieht ) ist auch nicht eben verlockend.
    Dazu kommen natürlich noch die nachvollziebaren Zukunftsängste die man hat.
    Solange dort kein Wandel im denken passiert wird sich das Problem weiter verschlimmern. Natürlich sinkt auch in anderen Industrieländern die Geburtenrate, aus den schon genannten Gründen, aber in Japan ist es schon deutlich extremer.

    • Du kannst aber Leute nicht dazu zwingen. Wenn man auf die Leute nicht zugeht und mein alls kann beim alten bleiben, dann braucht man sich nicht wundern warum die Leute sich weigern Familie zu gründen. Ich habe oben einige Gründe aufgezählt.

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