BlogHauptsache Feiertag

Hauptsache Feiertag

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Der heutige Tag, der 11. Februar, ist Nationalfeiertag in Japan. Das heisst, die meisten gehen nicht zur Arbeit – nur wenige Besessene sind im Frack unterwegs. Darunter meine Wenigkeit, denn wir suchen händeringend nach Leuten (bzw. einem Leut), und ein solcher Feiertag ist ideal, viele Leute zum Vorstellungsgespräch einzuladen. Naja, viele ist übertreiben – 3 waren es heute.
Natürlich dankte ich den drei Kandidaten erstmal dafür, dass sie trotz Feiertages gekommen sind. Und fragte nebenher, welcher Feiertag das eigentlich sei. Immerhin: Einer wusste es. Es ist der „Tag der Staatsgründung“ – laut Annalen gründete der legendäre Kaiser Jimmu 660 v.u.Z. das erste Reich. Die anderen beiden konnten nur mit den Schultern zucken. Was soll’s auch – Hauptsache Feiertag!
Da ich meinen Tag lieber im Büro verbracht habe, konnte ich leider nicht mitverfolgen, was sich dieses Mal im nur wenige hundert Meter entfernt gelegenen, kleinen Park von Ebisu abgespielt hat. Schon am Morgen versammelten sich dort die Linken (Handvoll) und Ordnungskräfte (Hundertschaften). In der Tat haben sich am 11. Feb schon des öfteren Linke und Rechte im Ebisu-Park gepelzt – ist eine Tradition wie die Maifestspiele in Kreuzberg, nur ohne ausufernde Krawalle. Aber trotzdem mit viel Krach.
Das Wort des Tages: 建国記念の日 – kenkoku kinen-no-hi. Der „gründen/bauen-Staat-Gedenk-Tag“. Wurde nach dem Krieg abgeschafft, da nationalistisch-anrüchig geworden, 1966 aber wieder zum Feiertag erklärt (auch weil das der gleiche Tag ist, an dem MacArthur 1946 die neue japanische Verfassung für gut befand).

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tabibito
tabibitohttps://japan-almanach.de
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei der Tabibitos Blog empfohlen.

8 Kommentare

  1. War das Zufall oder wollte man den japanischen Befindlichkeiten entgegenkommen (MacArthur)?

    Ist der 11. Februar 660 v.u.Z. (schon lange nicht mehr gelesen!) tatsächlich belegt? Kann mir sowas immer nicht wirklich vorstellen. Entsprechende Dokumente (soweit nicht in Stein gemeißelt) dürften inzwischen der Vergänglichkeit verfallen sein.

  2. @Terry
    Gute Frage – ob das Zufall war oder nicht. Ich tippe eher auf Berechnung, aber ich bin nicht sicher, ob das bewiesen ist.

    Die Quelle, die Kaiser Jimmu und seine Zeit erwähnt, ist von 720 – unserer Zeitrechnung wohlgemerkt. Deshalb gibt es sehr wohl starke Zweifel ob des Datums – und ob des Kaisers sowieso. Soweit ich weiss, gibt es nachwievor keine anderen Belege für einen Kaiser nebst Staat zu so früher Zeit. Aber dazu gibt es ja sowieso die wildesten Theorien: Eine davon lautet, das die Japaner einer der verlorenen Stämme Israels sei.

  3. @ tabibito

    Ich hatte gleich mal in der freien Enzyklopädie geschmökert. Kaiser Jimmu wird da im Zusammenhang mit der japanischen Mythologie erwähnt. Interessant finde ich, dass dieser Kaiser dann 126 Jahre alt geworden war. Würde wieder mit dem verlorenen Stamm Israel zusammen passen. Waren damals ja auch ganz schön alt geworden;-). Jedenfalls schwingt hier wohl auch sehr viel Mystizismus mit.

    Als Feiertag wurde der 11. Februar offensichtlich sogar erst 1872 eingeführt. Was ich aber bei meinen Reisen durch das Wikipedia-Universum erstaunt gefunden habe, Japanisch ist mit dem finn-ugrischen verwandt. Da tun sich ja ganz neue Verbindungen auf.

  4. @ tabibito

    wegen Kaiser Jimmu und dem Datum der Staatsgründung würde ich eher sagen das es sich hierbei um einen sogenannten Gründungsmythos handelt. Das gibt es hier in Deutschland auch, siehe Hermann und die Varusschlacht, wir haben zwar für unseren Mythos keinen Feiertag aber hier in NRW steht eine riesige Fünf Stockwerke hohe Statue von dem Mann (ohne Sockel wohl gemerkt). Das ganze ist wahrscheinlich mündlich überliefert worden und mit Einführung der Chinesischen Schriftzeichen dann selbstverständlich nicht mehr in der historisch korrekten Version fixiert worden. Das mit dem verlorenen Stamme Israels wusste ich auch nicht, ziemlich wild aber amüsant. Warum sagt man nicht gleich das Japaner die ehemaligen Bewohner von Atlantis sind.

    @Terry

    Das japanisch mit dem finno-ugurischen verwandt ist, ist nur eine Theorie und nicht erwiesen. Dieselbe Theorie sagt übrigens auch das Japanisch mit den Turksprachen verwandt ist. Japanisch ist eine isolierte Sprache über Verwandschaftsbeziehungen lässt sich da kaum was aussagen. Aber es ist ziemlich wahrscheinlich das Koreanisch und Japanisch miteinander verwandt sind. Die Theorie auf die du da gestoßen bist basiert auf der Vermutung das all diese Sprachen sogenannte aglutinierende Sprachen sind was ziemlich selten ist, aber so selten nun auch wieder nicht um eine genaue Aussage machen zu können. Aglutinierende Sprachen kennen keine oder nur sehr wenige unregelmäßige Verben. Um die Zeitform anzuzeigen wird nicht der Wortstamm des Verbs verändert wie beispielsweise im Deutschen, sondern es wird ein Partikel angehängt. Das wird tabibito sicherlich bestätigen können. Die Finnen und die Türken kommen ursprünglich aus Ostasien ebenso wie wahrscheinlich auch die Japaner und Koreaner es wäre möglich das sie einer gemeinsamen Urzivilisation entstammen, die eine Ursprache verwandte aus der sich Japanisch etc. entwickelt haben, aber schaut her da sind wir wieder bei Atlantis. =lach=. Puhh, ziemlich viel Text. Sorry wollte nur mal mit meinem Fachwissen angeben.

    Gruß aus NRW

  5. Und keiner von denen hat sich gewundert, warum überall die Flaggen an den Kobans hingen?

    War übrigens auch in der Arbeit :)

    Weil ich scheinbar von 70 Leuten der einzige bin, der Excel bedienen kann, meine Belohnung der Woche ;)

  6. Nun dürft ihr mal raten wo ich war…

    Flasche Antwort nein ich war nicht im Ebisu-Park bei den Linken und hab die Rechten verbal verhauen. Ob gleich mir das sicher auch viel Spass gemacht hätte!!! Ich war brav und noch dazu an der Arbeit. Weil wir ja schon aus Prinzip die Feiertage ausfallen lassen.

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