BlogExpo 2025 in Osaka: Der Stand der Dinge

Expo 2025 in Osaka: Der Stand der Dinge

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Es ist nur noch ein knappes Jahr, genauer gesagt 347 Tage, bis zur EXPO 2025 — diese wird, wie bereits die im Jahr 1970 — von der Stadt Osaka ausgerichtet. Diese „World Expo“ genannten Ausstellungen — in Japan nennt man sie schlicht banpaku, finden im Schnitt alle 5 Jahre statt, wobei die erste vor sage und schreibe 172 Jahren in London stattfand. Die Weltausstellungen haben dabei manch bleibhafte Spuren im Stadtbild hinterlassen – man denke da zum Beispiel an den Eiffelturm, das Atomium oder die Space Needle.

Die Weltausstellung 1970 hinterliess ebenfalls ein markantes Monument — den Sonnenturm, geschaffen von einem der bekanntesten Künstler der Gegenwart, Okamoto Taro. Auch bei der Expo 2025 wird geklotzt: Im Zentrum des Ausstellungsgeländes steht eine riesige, ringförmige Struktur aus Holz mit einem Innenumfang von über 600 Metern und einer Höhe von 20 Metern. Dieses ō屋根yane („großes Dach“) beziehungsweise einfach nur リングringu (Ring) genannte Gebilde ragt teilweise von der Neulandinsel auf das Meer hinaus. Die meisten Pavillons befinden sich dementsprechend innerhalb dieser, wenn sie fertiggestellt ist, größten Baustruktur aus Holz auf der ganzen Welt.

Das ganze Gelände entsteht auf der 夢洲 (Yumeshima), der „Flußinsel der Träume“, einer Neulandinsel in der Bucht von Osaka, gute 10 km westlich des Stadtrandes gelegen. Mit der Aufschüttung wurde 1991 begonnen, und sie wird rund 390 Hektar groß sein. Schaut man sich die Insel auf Google Earth an, so sieht man zur Zeit — gar nichts, doch das täuscht, denn der Großteil des oben genannten Rings hat schon deutlich an Form gewonnen.

Leider kann man nicht das Gleiche über die einzelnen Pavillons sagen, denn hier gibt es bereits zahlreiche Verspätungen. Und nicht nur das — auch die Kosten explodieren. So ist man bereits bei mehr als dem Doppelten angelangt, was ursprünglich veranschlagt wurde.

Satellitenaufnahme von Yumeshima, Stand März 2022 (Quelle: Google Earth)
Satellitenaufnahme von Yumeshima, Stand März 2022 (Quelle: Google Earth)

Natürlich gibt es gerade bezüglich der Baukosten viel Kritik — immerhin wird die Expo mit mindestens umgerechnet 1,5 Milliarden Euro zu Buche schlagen. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn der Yen hat seit Beginn der Planung ordentlich an Wert verloren — allein die Kosten für das Baumaterial explodieren entsprechend.

In der Zeit von der Eröffnung am 13. April 2025 bis zum Ende am 13. Oktober 2025, ein halbes Jahr also, rechnen die Veranstalter mit circa 28 Millionen Besuchern.

Das Thema der EXPO 2025 lautet „Designing Future Society for Our Lives“, das Konzept wird kurz als „People’s Living Lab“ beschrieben. Der Mensch steht also im Vordergrund, mit Unterthemen wie Lifestyle, Lebensrettung (inkl. Impfungen, Hygiene usw.) und der Verlängerung der Lebenserwartung.

Das Maskottchen der EXPO 2025 ist ein amorphes Gebilde aus Wasser (blau) und Zellklumpen (rot) — mit Augen. Es sieht etwas gewöhnungsbedürftig aus und wird ミャクミャク (myakumyaku) genannt. Das onomatopoietische Wort bedeutet in etwa „kraftvoll fortbestehen“.

Zu dem Maskottchen gibt es bereits zahlreiche Animationen, die etwas mehr Sinn ergeben als das schlichte Abbild. Und natürlich gibt es bereits zahlreiche Ideen dafür, wie das Maskottchen vermarktet werden soll. Immerhin ist man hier etwas einfallsreicher gewesen als beim Maskottchen der EXPO 2005, die in Aichi, ebenfalls in Japan, stattfand — damals gab es nur einen gestrichelten Ring.

Myakumyaku, das Maskottchen der EXPO 2025 in Osaka
Myakumyaku, das Maskottchen der EXPO 2025 in Osaka

Probleme hat man noch bei der Akzeptanz in der Bevölkerung beziehungsweise am allgemeinen Interesse. Die Sankei Shimbun veranstaltete dazu in den vergangenen 3 Jahren Umfragen. Den Umfragen, hauptsächlich unter Bewohnern der Stadt und Präfektur Osaka, zufolge stieg zwar der Bekanntheitsgrad der EXPO in den vergangenen 3 Jahren von 82 auf knapp 90%, doch während Ende 2021 noch rund 52% der Befragten angaben, Interesse daran zu haben, die Expo zu besuchen, so waren es Ende 2023 nur noch knapp 34%1.

Das wachsende Desinteresse ist nicht ganz einfach zu erklären — am Wahrscheinlichsten ist jedoch, dass viele Menschen heute mehr denn je empfinden, dass es dringendere Probleme als die EXPO gibt – die anhaltenden Kriege in der Ukraine und Gaza zum Beispiel, oder der stetig fallende Yen, einhergehend mit anhaltenden Preissteigerungen. Die Verzögerung beim Bau sowie die Kostenexplosion tragen natürlich ebenso zum fallenden Interesse beziehungsweise schlechten Image bei.

Die Gedanken sind berechtigt. Braucht man diese EXPO wirklich? Meine Antwort wäre „ja“ — denn sie trägt zur Völkerverständigung bei und zum Ideenaustausch. Sie bildet. Und sicherlich wird es mit der EXPO 2025 wie mit vielen anderen Sachen in Japan sein: Hat sie erstmal angefangen, wird sie sicherlich auch immer mehr Besucher anziehen. Das war bei der letzten Expo 2005 in Japan genauso. Man rechnete mit 15 Millionen Besuchern, musste sie jedoch aufgrund der großen Nachfrage noch verlängern. Letztendlich kamen mehr als 22 Millionen Besucher zur Ausstellung.

Die Expo 2000 in Hannover fand ich persönlich jedenfalls sehr interessant — in dem Sinne werde ich sicherlich auch nächstes Jahr in Osaka vorbeischauen.

  1. siehe hier
tabibito
tabibitohttps://japan-almanach.de
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei der Tabibitos Blog empfohlen.

6 Kommentare

  1. an die EXPO 1970 kann ich mich gut erinnern, habe auch noch Photos und Dias. (war meine 2. Japanreise). War – wie die gesamte Reise -sehr eindrucksvoll, nur daß kein Japaner die Worte EXPO oder ekishipo verstand, war bei minimalsten Japanisch Kenntnissen enttäuschend. Wir hingegen konnten mit banpaku nichts anfangen.

  2. Der Osaka-Expo von 1970 verdanken wir nicht nur den Sonnenturm. Das Gelände war auch Kulisse für „Gamera vs. Jigar“ – ist vielleicht sogar das größere kulturelle Vermächtnis? ;-)
    Ob Kadokawa/Daiei die Chance für einen neuen Gamera-Film nutzen wird? Wäre doch ein echter Marketing-Geniestreich für beide Seiten.

    • Nicht wundern über die doppelte Maskottchen-URL, mein Post (s.u.) war wohl noch in der Moderation, als Deiner aufgetaucht ist, Anne – die Plüschtierchen haben wir damals auch mitgenommen ;)

  3. In Bezug auf Maskottchen der EXPO 2005 in Aichi kann ich aus eigener Erfahrung berichten, dass es zwar auch besagten gestrichelten Ring gab , aber vor allem zwei omnipräsente kleine Wesen: Kiccoro (キッコロ) und Morizo (モリゾー), die natürlich in jeglicher Form von Merchandise zu haben waren und landesweit auf den EXPO-Plakaten warben. Kein Design-Blob, sondern ganz klassische Maskottchen, eher kindliche Blätterwesen.

    http://www.expo2005.or.jp/en/whatexpo/mascot.html

    Und diese EXPO 2005 lief unter dem Motto „Nature’s Wisdom“, weshalb viele Pavillons Exponate zu Themen wie Nachhaltigkeit, Bionik, Ökosphäre und Biotope usw. zeigten. Insofern zumindest der Versuch eines Kontrasts zu der Techniklastgkeit und Gigantomanie manch anderer EXPOs. Der deutsche Pavillon war natürlich auf Bionik ausgerichtet, also nur von und weniger für die Natur.

    Das Gelände war von vorneherein auf Renaturierung ausgerichtet und viele Konstruktionen wurden mit wiederverwendbaren bzw. leicht abbaubaren Baustoffen errichtet, auch diesbezüglich also kein reiner Etikettenschwindel.

    Damals waren selbst die EXPO und Touristen-Magnete wie Kyoto natürlich noch zu 99% von japanischen Touristen bevölkert – eine intensive Erfahrung, aber schön und auch ein gutes Japanisch-Training.

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