BlogWirtschaft und Wein

Wirtschaft und Wein

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So, nun ist es auch hier amtlich: Japan steckt in der Rezession – um das behaupten zu können, muss das Wirtschaftswachstum ja in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen im Minus sein. Und genau das ist nun sicher. Aber da sieht es ja in Europa nicht anders aus.
Was hat das nun mit Wein zu tun. Nun, auch in Japan warten alljährlich Millionen und aber Millionen auf den Erstverkauf des „Beaujolais nouveau“ aka „Beaujolais primeur“ – einer der wenigen Weine, der schon im Jahr seiner Herstellung getrunken werden – wie das Kind auf den Weihnachtsmann. Der Verkauf startet traditionell in der dritten Novemberwoche – morgen ist es wieder so weit, und wie jedes Jahr veranstalten die Marketingfuzzis ein grosses Getöse. Doch ach, dieses Jahr gingen von den Grosshändlern nur Bestellungen für 6,48 Millionen Flaschen (à 750 ml) ein. Ein Rückgang von 20% verglichen zum Vorjahr.
Jedoch ist auch das noch eine betrachtliche Menge – das bedeutet immerhin, dass jeder 20. Japaner eine Flasche kauft. Statistisch gesehen zumindest. Ich bin jedenfalls keiner der 6,48 Millionen – warum ich für einen meiner Meinung nach doch relativ geschmacksneutralen Rotwein 2 bis 3’000 Yen ausgeben soll leuchtet mir Weinbanausem nicht ein.
Das Wort des Tages: 解禁 kaikin – „aufheben, lösen – Verbot“. Eines der Lieblingswörter der Marketingstrategen in Japan – bezeichnet den Moment, in dem ein Produkt auf die Lämmer losgelassen wird. Mäh.

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tabibito
tabibitohttps://japan-almanach.de
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei der Tabibitos Blog empfohlen.

2 Kommentare

  1. also mein Erlebniss mit Beaujolais in Japan war fürchterlich.. ich dachte, ich trinke puren Essig!! Der Rückgang hat aber vermutlich nichts mit der Qualtät zu tun.. (hatte in Kobe in einem super feinen Restaurant mal einen EISKALTEN Bordeaux.. der arme Bordeaux..

  2. „…warum ich für einen…. geschmacksneutralen Rotwein 2 bis 3’000 Yen ausgeben soll leuchtet mir Weinbanausem nicht ein.“

    Wirtschaftsbanause! Na um die Wirtschaft anzukurbeln natürlich!
    Kampf der Rezession – und jeder 20. Japaner macht mit, das ist mal nicht schlecht.
    Und so schliesst sich der Kreis: die 12,000 JPY die jeder zw. 18-65 (also alle die Alkohol kaufen können) vom Staat kriegt, fliessen in 2-3 Kisten Beaujolais und so mit Gewinn zurück zum Staat.
    Die Politiker sind zufrieden und Yamada Taro ist Ende Jahr dreifach glücklich: Geld vom Staat geschenkt bekommen, selbiges in guten Wein investiert und heiter angetrunken eine flotte Neujahrsrede über Aufschwung am TV geguckt, die mit jedem Glas noch wonniger klingt. Ein gutes Jahr, ein gutes Jahr.

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