BlogFukushima fischt / VerAPPLEung Japans schreitet voran

Fukushima fischt / VerAPPLEung Japans schreitet voran

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Zur Abwechslung zwei kurze Nachrichten aus der Wirtschaft:
Zum einen: Laut Yahoo! Japan und zahlreichen anderen Quellen haben heute einige Fischereigenossenschaften in der Präfektur Fukushima die Fischerei wieder aufgenommen – nach rund einem Monat Pause, also seit bekannt wurde, dass unkontrollierte Mengen radioaktiv verseuchten Wassers ins Meer gelang(t)en. Die Fischer befürchten jedoch 風評 – fūhyō – wörtlich: Wind – Kritik (Gerüchte, schlechtes Ansehen) ihrer Fangprodukte. Nein, sie befürchten nicht, dass der Fang verseucht ist, sondern Gerüchte darüber. Nun soll der Fang zwei Mal gemessen werden, bevor er in den Handel gelangt, doch was heißt das schon… Umetikettierung, falsch vorgenommene oder gar ausgelassene Messungen und des weiteren sind auch in Japan nicht unbekannt.
Zum anderen: Die neuen iPhones verkaufen sich in Japan wie warme Semmeln. Das ist keine große Überraschung, kann man doch in Japan häufig beobachten, wie sich ein System langsam aber sicher durchsetzt – und dann durch breite Bevölkerungsgruppen hinweg über Jahre viel Zuspruch erhält. Windows nebst dem berüchtigten Internet Explorer und Excel sind da ein besonders hervorzuhebendes Beispiel: Während die Marktanteile andernortens schwinden, hält man in Japan verbissen daran fest. Windows ist Standard. Das iPhone ist zwar noch nicht Standard, aber trotzdem muss man kein Hellseher sein, um zu erkennen, dass Japan auf lange Sicht ein starker Markt für Apple sein wird. Mittlerweile ist auch der letzte große Mobilfunkanbieter, Docomo, auf den Zug aufgesprungen und bietet seinen Kunden das iPhone an. Laut diesem Artikel ist es jedoch Softbank, die mit knapp 45% die meisten neuen iPhones verkauft. Das wundert nicht, denn jahrelang war Softbank der alleinige Vertriebspartner in Japan. Erst später kam au hinzu – jene verkaufen, wie auch Docomo, rund 27%. Nur jedes achte neue iPhone in Japan ist ein 5c – der Rest ist 5s. Silbergrau, denn die anderen Farben könnne zur Zeit nicht geliefert werden. Noch eine weitere Zahl: 77% aller verkauften Mobilfunktelefone in den drei Tage seit des Verkaufsstarts der neuen iPhone-Linie waren iPhones. Absolute Verkaufszahlen sind aus Japan jedoch leider nicht bekannt.

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Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei der Tabibitos Blog empfohlen.

12 Kommentare

  1. Vielleicht sollte man ergänzend erwähnen:
    Das iPhone zählt seit seiner Markteinführung zu den _günstigen_ Smartphones in Japan, während es anderorten meist zu den teuersten Lösungen gehört. Das liegt daran, daß
    – die Datentarife in Japan exorbitant teuer sind, und quasi durch Eingreifen Apples Softbank seit jeher ein etwas günstigeren Datentarif für das iPhone anbietet – im Gegensatz zu allen anderen Herstellern
    – Der Verkauf von Handys in Japan fest in der Hand der Provider ist – ein (vernünftiges) Telefon bekommt man nämlich nur, wenn man einen 2-Jahresvertrag abschließt. Dort wird heftig hin- und hersubventioniert, und zufällig haben die Hersteller meist nur verhältnismäßig hochpreisige Geräte im Angebot. Die werden natürlich sehr günstig angeboten (aber letztendlich durch die Gebühren doch wieder bezahlt).
    Was Mobilfunk angeht, ist Japan aufgrund des Nicht-Einschreitens der Kartellbehörden einfach nur ein Trauerspiel…

      • Nein: 1.) Die Datentarife sind generell teuer 2.) Provider nehmen einfache, preiswerte Handys generell nicht mit in Angebot und schließen Fremdhandys mit allerlei Tricks aus ihren Netzwerken aus 3.) Apple sagt mit seiner Marktmacht: Willst Du das iphone bei Dir verkaufen, musst Du dazu spezielle Datentarife anbieten (so wie bei Softbank).
        Dadurch sind iPhones in Japan ein „preiswerter“ Deal, während sie anderswo eher am oberen Ende der Preisskala zu finden sind.

    • Es gibt eine Kartellbehörde in Japan? Wow, die müssen aber einen sehr …. ich meine wirklich sehr ruhigen Job haben.
      Ich kann mich noch gut an die Zeit um 2000 erinnern, wo ich extrem fasziniert war über die spitzen Handys in Japan. Farbige Display, tolle töne.. Internet!!! Alles Sachen die wir hier nicht hatten oder nur Ansatzweise. Aber dann haben sich die Provider und Hersteller irgendwie zurück gelehnt und ab 2007 / 2008 haben die Japanischen Mobile Hersteller den Anschluss verloren (zumindest was Software/Betriebssystem betrifft). Nun hat man entweder Android oder eben ein iPhone.
      Für meine Frau ist dies jedoch ein grosse Vorteil, da sie nun dank iMessage und Facetime gratis mit ihren Verwandten und Bekannten kommunizieren kann (hat niemand ein PC für Skype).
      Gibt es eigentlich immer noch keine PrePaid Sim Karten? Diese Miet-Sim kommt für mich nicht in Frage (viel zu teuer).

      • Das schlimmste sind imho wirklich die fehlenden Prepaid-Karten (mit Datenverbindung). Wie schön einfach das Leben wäre, wenn man in Japan einfach mal eine Prepaid-Karte mit Datenvolumen kaufen könnte….
        Meinetwegen kann das auch etwas teurer sein, aber zumindest sollte es das geben.
        Leider muss man ja in Japan für alles einen ewig langen Vertrag abschließen.
        Ich finde es ja auch lustig, dass die Provider die Handys immer umbennen. Die Handys heißen dann immer „Softbank xyz“ oder sowas, aber nicht vom eigentlichen Hersteller.

    • Sieht nicht so aus, als könnten wir was dran ändern, also wozu ewig drüber lamentieren?
      In Japan ist das durchaus anders, die haben ja Wahlen und könnten theoretisch schon was bewegen. Da fehlt allerdings der Wille.

  2. Die Taktik geht gut auf!
    Verseuchter Fisch? Pfft scheiß egal es gibt das neue iPhone!
    Also ich hab bei meinem letzten Besuch das iPhone relativ selten gesehen vllt änder sich das ja langsam…
    Sonst immer nur diese ekligen (!persönliche Meinung!) Klapphandy’s.
    Ach wer brauch schon Prepaid, dazu gibt’s doch Roaming!
    Günstige 25€ für 10MB und 2,99€ pro Minute!!! (magenta T)

  3. Wenn ich so die Kommentare hier lese (bzw. nicht nur hier sondern auch in allen anderen Artikeln zu dem Fukushima unglück) muss ich das mal los werden.
    Danach ist jeder immer schlauer.
    In den Nachrichten kommt „XY ist das Problem“ und alle Kritiker sofort „Wie dumm kann man sein, das hätte jeder vorher wissen können, da muss man jetzt natürlich das machen“ und ein tag Später „XY war doch nicht das Problem, wohl eher ZV“ und da kommt natürlich die passende Antwort der Kritiker und so geht das Spiel immer weiter ohne das die Kritiker je überhaupt jemals wussten was wirklich das Problem war, jedoch für alles sofort eine Lösung parat hatten; danach!
    Jemand der danach Schlauer ist, hat seine Chance vertan. Man braucht jemand der davor schlauer ist und so oft geht ein Atom Reaktor nunmal nicht hoch…
    Ich bezweifel das es uns, welche Politiker auch immer an der Macht wäre, besser gehen würde.
    Zumal irgend jemand das auch alles bezahlen muss.
    TEPCO muss/soll das selber bezahlen und regeln –> alle beschweren sich das die gar kein Know How dafür haben und nicht genug Geld –> dann bezahlt der Staat und alle beschweren sich warum sie neben dem Strompreis jetzt auch noch Ihre steuern für so etwas abdrücken müssen, sie sind ja nicht Schuld am Unglück.
    Niemand ist mit so einem Unglück zufrieden, weder TEPCO, noch der Staat noch die Leute.
    Die Leute wollen billigen Strom und das hat, welch Wortwitz, seinen Preis.
    Langsam kotzt es mich echt an wie deutsche meinen sich das Recht herauszunehmen über „die Japaner“ zu urteilen ohne es selber besser zu machen.
    Die Vergangenheit, vor allem unsere eigene, hat uns ja bewiesen dass es Schwachsinn ist so zu denken und das am ende selten besseres sondern meistens nur anderes heraus kommt da dann, welch Überraschung, auf einmal Lauter Faktoren da sind von denen die ganzen oberschlauen Leute auf einmal nichts wussten (und natürlich auch nicht verantwortlich sind dass sie das nicht wussten).
    Manche Dinge sind einfach unschön und man muss das beste daraus machen, da bringt es nichts unnütze und un konstruktive Beschuldigungen ala „hätten die mal mich gefragt, mensch sind die alle blöd“ in den Raum zu werfen.
    „“Wir““ sind ja sogar zu blöd ein Endlager für unseren Atommüll zu finden und lagern den in maroden Ablageplätzen in kaputten Fässern, wir haben als letzte das Recht über die Probleme anderer, in so einer Sache, zu urteilen.
    Auch war unser Land für 2 Weltkriege verantwortlich (der letzte endete mit 2 Atombomben, für die wo sich noch erinnern).
    Diese Arroganz so über eine ganze Bevölkerung eines Landes zu Urteilen können wir uns als letzte erlauben, euch hätte ich mal gerne an der Spitze von TEPCO gesehen als das passiert ist.
    Muss jetzt nicht jeder gleich auf die Goldwaage legen und persönlich nehmen, man sollte sich manchmal nur etwas disziplinierter ausdrücken wenn man von „den Japanern“ redet, aber Höflichkeit ist ja nicht gerade die Stärke unserer Sprache.

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