BlogSpaß mit der Schule Teil so und so

Spaß mit der Schule Teil so und so

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Nun ist es also geschafft – mein Jüngster hat erfolgreich die Grundschule (sprich, die ersten sechs Schuljahre) absolviert und darf nun die nächsten drei Jahre seiner frischen Jugend an der örtlichen Junior High School (Mittelschule?) verbringen – womit dann auch die Pflichtschulausbildung beendet wäre. Ich hatte dabei schon beinahe verdrängt, was mit dem Aufrücken alles verbunden ist, zum Beispiel:

Der Erwerb der Schuluniform und Sportkleidung. Beides ist festgelegt und kann nicht einfach irgendwo erworben werden – erst recht nicht online. Man muss Monate vorher zu einem ganz bestimmtem Schulsachenanbieter, wo die lieben Kleinen dann vermessen werden. Darauf basierend werden dann die Schuluniformen hergestellt. Der Spaß kostet dann mal eben bis knapp 100’000 Yen, also rund 750 Euro. Wir reden hier wohlgemerkt über eine öffentliche Schule und Teil der Pflichtschulausbildung.

Leider zählen zu dem obigen Prozedere die Sportschuhe nicht dazu. Um diese zu erwerben, denn auch hier müssen es ganz bestimmte Schuhe sein, hat man zwei Möglichkeiten – man fährt zu einem ganz bestimmten Anbieter, irgendwo JWD, in der Hoffnung, dass er geöffnet und die passende Größe im Angebot hat. Oder man findet sich an einem regnerischen und kalten Sonnabend-Morgen an der Schule ein, wenn nämlich besagter Anbieter genau eine Stunde lang unter einer Treppe seine Waren verscherbelt. Das sieht dann ein bisschen nach 3. Welt-Basar aus, mit einem leichten Hauch von Illegalität, nach dem Motto: „Psst! Du! Ja, genau du! Wollen ein paar heiße Schuhe kaufen?“ Natürlich kann das auch nur mit Bargeld bezahlt werden.

Immerhin schraubt man an japanischen Schulen jetzt die PTA-Aktivitäten herunter — die waren bisher sehr aufwändig und basierten auf der Annahme, dass mindestens ein Elternteil keiner bezahlten Tätigkeit nachgeht (in 99% der Fälle war das traditionsgemäß natürlich die Mutter). Wie sich beim Schuluniform- und Schuhkauf zeigt, gibt es aber noch genügend altertümliche Prozeduren, die man als Eltern durchlaufen muss. Gerade mit der Schuluniform-Sache stehe ich da ein bisschen auf Kriegsfuß. Die Uniform hat ihre Vorteile – da alle die gleiche Uniform tragen, kommen gesellschaftliche Unterschiede bei der Kleidung nicht ins Tragen. Außerdem erkennt man an den Uniformen, an welche Schule die Kinder gehen – richten sie etwas an, wird das an die Schule gemeldet. Andererseits war ich noch nie Freund von Uniformen und Uniformität, und die Tatsache, dass alle Eltern — auch die mit einem sehr geringen Einkommen — diese ganz bestimmte Uniform für relativ viel Geld kaufen müssen, ist einfach verkehrt.

tabibito
tabibitohttps://japan-almanach.de
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei der Tabibitos Blog empfohlen.

5 Kommentare

  1. „Die Uniform hat ihre Vorteile – da alle die gleiche Uniform tragen, kommen gesellschaftliche Unterschiede bei der Kleidung nicht ins Tragen.“

    Sollte man meinen. Zumindest in anderen Ländern mit Schuluniform erkennt man die Unterschiede dann daran, wer sich zum Beispiel eine neue Schuluniform leisten kann oder die vom älteren Geschwister auftragen muss. Oder wie abgewetzt die eigene Uniform ist, weil man sich keine neue leisten kann. Die Gleichheit im Äußeren gibt es immer nur auf den ersten Blick.

  2. Wenn eine Schuluniform schon Monate vor Schulbeginn angemessen werden muss, passt sie dann bei Schulbeginn? Kinder in dem Alter haben manchmal enorme Wachstumsschübe. Wieviel Schuluniformen braucht ein Kind während seiner Schulzeit?
    Bei Uniqlo kann man für 750 Euro einen Menge Kleidung kaufen. Da scheint mir die Schuluniform doch überteuert zu sein.
    Gibt es in Japan so etwas wie Schulelternbeirat, der mitreden darf bei Schulangelegenheiten?
    Die Schulzeit der Kinder kann eine harte Prüfung für Eltern sein, wenn man so manchen Unsinn nicht nachvollziehen kann, das ist wohl überall so.

  3. Was ist, wenn man sich schlichtweg keine Uniform für 750 € leisten kann? Gibt es Second-Hand Möglichkeiten oder ausleihen? Was ist, wenn sie nicht passt? Muss jedes Mal eine neue ausgemessen werden? Das sind ja Unsummen, wenn die Kinder in der Pubertät wachsen.

  4. Hallo,
    über Uniformen kann man denken was man will, sie haben Vor und Nachteile, aber der Preis ist schon sehr happig und duftet deutlich nach Abzocke. Keiner kann mir erzählen das Sportklamotten und Uniform so teuer sind, selbst wenn die Materialien sicher Hochwertig sind. Ähnliches scheint auch für Schulranzen zu gelten soweit ich gelesen habe.

  5. Bei uns gibt es eine Initiative (von Müttern?) die eine wohltätige Gesellschaft zur Weitergabe von gebrauchten Uniformen gegründet hat. Ein altes Geschäft wurde als Speicher angemietet. Man muss einen Anprobe-Termin ausmachen, sonst ist das Geschäft geschlossen. Die Preise decken wohl gerade mal die Miete und die Administration denke ich. Man bekommt nicht alle Sachen die man braucht aber wenn man Glück hat gibt es sehr gut erhaltene Stücke für sehr wenig Geld.

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