BlogSchluss mit Analog / Blogveränderungen

Schluss mit Analog / Blogveränderungen

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Maskottchen „Chidejika“

 

Wie bereits vor drei Jahren (!) in diesem Artikel angekündigt, wurde in Japan am vergangenen Sonntag der analoge Rundfunk (Fernsehen) eingestellt. Endlich! Mehrere Jahre lang wurde im Fernsehen mit mehr oder weniger blickigen Werbespots und Extrasendungen daraufhingewiesen, damit auch ja Ururoma Yamada in Yoshida hinter den 7 Bergen weiss, was los ist, wenn die Glotze plötzlich nicht mehr funktioniert. Experten hatten darob grosse Sorge: Was ist mit all den armen Menschen, die die Umstellung nicht rechtzeitig machen konnten? Aus lauter Sorge liess die Regierung deswegen sogar kostenlos Digitaltuner an einkommensschwache Haushalte verteilen, damit auch ja keiner dem Fernsehen entkommt. Es war wie in 1984.
Meine Schwiegereltern, von Haus aus keine grossen Fernsehgucker (laut Eigenaussage) freuten sich schon auf den Moment, an dem ihren alten Fernseher das Signal ausgestellt wird. Letztendlich machten sie aber auch vor ein paar Wochen schlapp und kauften sich ein neues Gerät.
In den drei vom Erdbeben am stärksten betroffenenen Präfekturen (Iwate, Miyagi und Fukushima) wurde die Umstellung übrigens auf einen späteren Zeitpunkt verschoben, da die Bewohner dort verständlicherweise mit anderen Problemen zu kämpfen haben – und sie zudem mehr als alle Anderen auf Informationen angewiesen sind.

Noch ein Nachtrag in eigener Sache: In absehbarer Zeit, ich denke mal innerhalb der nächsten Tage, werde ich diesen Blog komplett umkrempeln. Die Inhalte bleiben natürlich, aber dies nur als Vorwarnung; nicht dass jemand aus den Pantoffeln kippt, wenn plötzlich alles anders aussieht.

Ach ja – das komische Tier im Bild rechts nennt sich 地デジカ Chidejika. „chideji“ ist die Kurzform für „地上デジタルテレビ放送“ (chijō dejitaru terebi hōsō) – Terrestrischer digitaler Fernsehfunk; -ka bezeichnet einen Prozess (etwa wie -ung). -jika wiederum heisst auch „Reh“. Ja, da hat man sich ordentlich was einfallen lassen…

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tabibitohttps://japan-almanach.de
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei der Tabibitos Blog empfohlen.

7 Kommentare

  1. Damit Opi und Omi es sicher nicht verpassen, wurde es selbst im Radio lang und breit angekündigt, damit es selbst die wissen die gar keinen TV haben. Im fernen Toyama legte man sich dafür tüchtig ins Zeug: https://www.digisuppo.jp/news/detail/1048/
    Dann auf den Link klicken um sich die Radiowerbung auch anzuhören. Der Songtext ist einfach umwerfend.

    Und um auch den letzten Opa mit der Chideji Welle zu erfassen, stellt man auch gern mal auf Enka um: http://www.youtube.com/watch?v=7Ze17YjX-1o

    Ein Tänzchen gefällig? http://www.youtube.com/watch?v=iPDSwRFH_vA

    So wie das hier beworben wurde konnte man manchmal meinen, Chideji wär eine neu entdeckte Form der Energiegewinnung und Segen der Menschheit oder gar der wiederauferstandene Hirschgott aus „Prinzessin Mononoke“. Ob Opi und Omi im Hinterland wohl verstanden haben, worum es bei der Sache eigentlich ging? Die *kreative* Werbung hat uns jedenfalls jede Menge Schmunzeleien beschert, plus einen nackten Kusanagi.

  2. Ja, es war in der Tat schwerlich zu verpassen, dass das analoge Fernsehen abgestellt werden würde…

    Trotzdem, so habe ich den Nachrichten entnommen, sind an besagtem Sonntag wohl alleine bei NHK bis 2 Uhr nachmittags schon ca. 130.000 Anrufe eingegangen, was denn mit dem Empfang los sei.

    Ob das alles Leute waren, die an präzise diesem Tag zum ersten Mal seit Monaten wieder ihren Fernseher angeschaltet haben, und sich darüberhinaus auch nicht im öffentlichen Raum bewegt haben…?

    Für uns bleibt nur zu hoffen, dass 地デジか jetzt endgültig von der Bildfläche verschwindet.

  3. Genau wie in Deutschland wo sie jetzt schon Werbung machen, das 2012 das analoge Sateliten Fernsehn abgestellt wird, nur würde uns hier niemand einen Digitalen Receiver schenken :-)

  4. Ich frage mich, ob wir unseren Fernseher per Sodaigomi entsorgen koennen. Wir haben die Umstellung jedenfalls als Anlass genommen zu unserem fernseherlosen Leben zurueckzukehren.

  5. Ich weiss nicht worüber ich da mehr den Kopf schütteln soll. Über die so drollige Eigenart der Japaner solche Großprojekte umzusetzen? Oder vielleicht doch eher darüber, dass man in Deutschland 18km Luftlinie ohne Berge von einem DVBT Sender entfernt leben kann ohne einen eizigen Sender reinzubekommen.

    So interessant die aufopfernde Fürsorge für die vielen werbungsempfänglichen Zuschauer dann doch ist, so scheint sie dann angesichts 130000 Ratloser doch auch in der Vehemenz (chidejika, ich brech ab….) dazu zu führen, dass viele Leute schlicht auf Durchzug stellen.
    Angesichts des Chideji-Projekts fällt mir wieder ein, dass mich viele Leute fragen: ist Japan denn besser als Deutschland (ja ich weiss….) — worauf ich dann immer antworte…. „Keine Ahnung, ob man da von besser oder schlechter reden kann. Anders ist es jedenfalls in vielerlei Hinsicht.“

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