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Royale Sorgen

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Beinahe schon so sehr wie die Coronalage beschäftigte ein Brief die Medien und deren Endverbraucher in den vergangenen Tagen. Verfasst wurde der 24 Seiten lange, offene Brief von Kei Komuro, seines Zeichens Verlobter von Prinzessin Mako – diese wiederum ist die Tochter des jüngeren Bruders des amtierenden Kaisers. Die beiden jetzt 29-jährigen hatten sich 2012 als Kommilitonen an der ICU (International Christian University), einer Eliteuniversität in Tokyo, kennengelernt und 2017 bekanntgegeben, heiraten zu wollen. Das sollte eigentlich im Herbst 2018 geschehen, jedoch: Das 宮内庁 kunaichō, das Kaiserliche Hofamt (welch Klang!), erhob Einwände.

Komuro ist kein Adliger – aber das war nicht der Hauptgrund des Einwandes. Obwohl dies durchaus etwas bedeutet, denn da die Prinzessin, man ahnte es schon, weiblich ist, verliert sie mit der Hochzeit all ihre Adelstitel und avanciert dadurch zu einer ganz gewöhnlichen Person. Grund des Einspruchs war der schnöde Mammon: Bei der Durchleuchtung der Familienfinanzen des Prinzessinengemahls fiel auf, dass Komuros Mutter finanziellen Ärger hatte: Ihr Ex-Verlobter verlangte nämlich rund 4 Millionen Yen von ihr zurück, also rund 35,000 Euro, doch die Mutter war nicht bereit, das Geld zu bezahlen. Angeblich bestand diese Schuld hauptsächlich aus den Studiengebühren des Sohnes, der nicht nur an der Eliteuniversität in Tokyo, sondern seit 2018 auch an einer Rechtsuniversität in New York studiert. Mutter und Sohn verstanden das vom Ex-Verlobten aufgewendete Geld als Geschenk, doch offensichtlich empfand der Ex-Verlobte dies anders.

Mehr als zwei Jahre nun wurde die Hochzeit verschoben, doch nun trat Komuro die Flucht nach vorn an. In dem offenen Brief gab er bekannt, den Streit beigelegt zu haben, indem er den Ex-Verlobten auszahlt. Woher er, inmitten des Studiums an einer ebenfalls sicherlich sehr teuren Universität in New York, das Geld hat, um 4 Millionen Yen zurückzuzahlen, wird natürlich nicht deutlich, und so richtig ergibt es auch keinen Sinn – schliesslich hätte er ja dann das Geld eher zurückzahlen können, womit dem Paar vieles an Ärger erspart geblieben wäre.

Den ganzen Wortlaut kann man bei NHK nachlesen – siehe hier.

Die Moral von der Geschichte: Sich mit dem Kaiserlichen Hofamt einzulassen ist kein Pappenstiel, und wenn es um die kaiserliche Familie geht, haben auch die Medien einiges mitzureden. Ach ja – just in: In China ist ein Sack Reis umgefallen.

tabibito
tabibitohttps://japan-almanach.de
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei der Tabibitos Blog empfohlen.

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