BlogErste Maßnahmen gegen zu viele Touristen

Erste Maßnahmen gegen zu viele Touristen

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Das Stichwort „Overtourism“ macht schon lange die Runde — vor allem seit sich die Besucherströme nach Ende der Pandemie wieder über Japan ergiessen. Bereits im Herbst vergangenen Jahres wurden deshalb erste Stimmen laut, die nach Maßnahmen riefen. Erwartungsgemäß wird dies vorerst (und hoffentlich nur) auf lokale Maßnahmen beschränken. Und so gab es heute dementsprechend zwei relevante Meldungen:

1) Osaka überlegt, ab 2025 eine Besuchersteuer zu erheben. Schon jetzt zahlen Besucher, die in einem Hotel in Osaka übernachten, zwischen 100 und 300 Yen „Kurtaxe“, gestaffelt nach dem Preis der Übernachtungen (ausgenommen sind Unterkünfte, die weniger als 7000 Yen pro Nacht kosten). Das macht man wohl auch im Hinblick auf die Expo 2025, die auf einer der Neulandinseln von Osaka ausgerichtet wird (auf der gleichen Insel sollen dann ab 2030 Casinos Besucher aus nah und fern anlocken). Wie genau die Besteuerung aussehen wird, ist noch offen – es ist also unklar, ob man diese zum Beispiel ebenfalls durch die Unterkünfte beziehen will oder durch die üblichen Eintrittspunkte wie Flughafen und Bahnhof. Auch die Höhe der Gebühr ist noch offen. Mehr dazu siehe hier.

2) Auch in Kyoto macht man sich Gedanken, wie man der Massen Herr werden kann. Ein besonderes Ärgernis sind dort wohl Touristen, die die kleinen Gassen des traditionellen Maiko-Viertels Gion verstopfen und teilweise sogar die Geiko & Maiko belästigen. Zahlreiche der kleinen Gassen sind Privatstraßen, und schon seit 2019 stehen dort mitunter Schilder, die das Fotografieren bei einer Androhung von 10’000 Yen Strafe verbieten. Nun sollen die privaten Gassen komplett für Besucher gesperrt werden, wobei auch hier noch nicht ganz klar ist, wie das durchgesetzt werden soll. Dass das Laufen durch die mitunter nur eins, zwei Meter breiten Gassen für die Maiko ein Spießrutenlaufen ist, kann man sich gut vorstellen, von daher sind dort etwaige Maßnahmen erwartbar und vertretbar. Mehr zu dieser Meldung siehe hier.

Eine andere Maßnahme wurde hier bereits vor ein paar Wochen erwähnt — die Erhebung einer Gebühr von 2’000 Yen für diejenigen, die den Fuji-san auf der populärsten Route besteigen wollen.

Für ausländische Besucher wird es also noch ein bisschen teurer und komplizierter. Man hört auch erste Stimmen, die auf ein Ende des Hypes hindeuten, denn mit der großen Zahl der Touristen steigen natürlich auch die Probleme an – zumindest wenn man sich dort rumtreibt, wo sich der große Rest auch rumtreibt. Denn so viel steht fest: Rund 100 Millionen Besucher pro Jahr in der 1,5-Millionen-Einwohnerstadt Kyoto hinterlassen nunmal ihre Spuren.

tabibito
tabibitohttps://japan-almanach.de
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei der Tabibitos Blog empfohlen.

7 Kommentare

  1. 100 Mio Besucher ist schon üppig, Hamburg kommt auf wohl ca. 7 Mio Besucher pro Jahr (mit 15 Mio Übernachtungen), Berlin auf 12 Mio Besucher (mit 30 Mio Übernachtungen). Davon dürfte nochmal ein großer Teil Geschäftsreisende sein.

    Tokyo hat durch seine Größe keine Probleme?

    • In Tokyo zerläuft sich das schon ganz gut, aber bei den Hauptsehenswürdigkeiten herrscht schon Trubel. Ich laufe jeden Tag vom und zum Bahnhof Shibuya – sicher, da sehe ich schon viele Touristen, aber es ist überschaubar

  2. jahrelang gehörte für mich ein Besuch in Kyoto zur Japanreise. 2014 war ich zum letzten Mal da, aber die vielen Ausländer (bin ja selbst einer), besonders US-Amerikaner und Chinesen haben meine gute Stimmung doch zu sehr gestört, es war mein letzter Besuch in Kyoto (danach war ich – bislang 4 Mal ohne Kyoto in Japan). Es bleiben schöne Erinnerungen an Kyoto und viele Photos.

  3. Ich war im Januar in Kyoto. War das letzte Mal 2015 da.
    Ich fands jetzt irgendwie nicht so schlimm. Der Kinkakuji war zB irgendwie 2015 wesentlich voller.
    Vielleicht war ich einfach zur falschen Zeit am falschen Ort :D
    Mehr Verschmutzung (generell) musste ich aber dennoch feststellen.

  4. Wir reisen im November nach Japan (2. Besuch). Wir planen gerade und versuchen auch die vermutlich sehr überlaufenen Gegenden zu meiden. Auf Kyoto werden wir aber wohl nicht verzichten – höchstens auf die Hotspots. Die waren 2018 schon voll.

  5. Naja. Ich weiss nicht, was ich davon halten soll. Auf der einen Seite wird jahrelang massiv mit Steuergeld Werbung gemacht (Yokozou Japan) und auf der anderen Seite beschwert man sich, wenn zuuu viele Leute das als Einladung betrachten … Oder sind etwa die Interessen der Hotel – und Gastwirtelobby und der sonstigen Tourismusindustrie unterschiedlich zu den Interessen der Be- und Anwohner??
    Im übrigen lese ich auch nicht nur in den Reiseführern, sondern auch in jedem Japan-Blog, naja, fast jedem, mehr oder weniger hochwertige, mehr oder weniger gleiche „Reisetipps“, die sich oft wie ein Ei dem anderen ähneln, und dann die Massen dahin lenken, wohin die Massen dann auch gehen. (Auf der anderen Seite mal ehrlich: liest jemand den 500ten Artikel über den Philosophenweg oder Ginkakuji noch und startet dahin durch?).

    Im übrigen könnte man denken, dass es sich bei dem Übertourismus nicht zuletzt um ein innerjapanisches Problem handelt: wenn man an den großen Parkplätzen (da habe ich nur Erfahrung in Kyoto) auf die Buswerbung schaut, und die betagten und hochbetagten Ausflügler, dann ist da von Hiroshima bis Kanagawa fast jede Provinz vertreten …

  6. Leider sind solche geringen Beträge wirkungslos gegen den Massentourismus. Das macht die Reise zwar etwas teurer, im Falle von Japan durch den günstigen Yen momentan nur minimal, und lässt sich an anderer Stelle leicht einsparen.

    Wenn sich jemand Japan vorgenommen hat, wird eine Bettensteuer ihn nicht davon abhalten. Extrem hohe Flugpreise hätten meiner Meinung nach eine ganz andere Wirkung, und wären auch klimawirksamer.

    Das Gewinnbestreben aller Beteiligten lassen Vernunft an dieser Stelle leider nicht zu.

    Auf der anderen Seite wünscht sich auch niemand ein Ereignis wie den Tsunami 2011, der durch die ausgelöste Atomkatastrophe den Tourismus für kurze Zeit total gestoppt hat.

    Die innerjapanischen Rentner-Reisegruppen sind jedenfalls nicht Schuld an Verschmutzung und respektlosem Umgang mit Natur und Sehenswürdigkeiten.

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