BlogGebrauchtwagenkauf in Japan

Gebrauchtwagenkauf in Japan

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Wie vor ziemlich genau 5 Jahren in diesen packenden Beiträgen beschrieben (Fahrschule in Japan Teil 1 & Teil 2), habe ich meinen Führerschein erst ziemlich spät gemacht — vorher sah ich einfach keine Verwendung dafür. Dem Führerschein folgte umgehend der Kauf eines Gebrauchtwagens, in weiser Voraussicht meiner gerade erst erworbenen Fähigkeiten (und die meiner Frau, die ebenfalls ein Jahr später ihren Führerschein machte). Der gute Wagen kostete damals umgerechnet rund 6,500 Euro, hatte 22’000 Kilometer auf dem Tacho und sah soweit ganz praktisch aus. Einziges Manko war die Tatsache, dass der Vorbesitzer in den vergangenen 7 Jahren zwar kaum vor, aber in den ganzen Jahren scheinbar nicht ein einziges Mal die Reifen wechselte. Sie hatten dementsprechend zwar noch gut Profil, waren aber schon so mürbe, dass wir sie umgehend ersetzen mussten.

Nach 5 Jahren guter Dienste (in denen wir rund 70’000 Kilometer zurücklegten) ohne größere Reparaturen kündigte sich jedoch jüngst ein Unheil an: Die vor einem Jahr ausgewechselte Batterie war plötzlich tot. Zwei Mal liessen wir den Service antanzen, zum Glück in der Versicherung inbegriffen, um den Wagen wieder in Gang zu bringen. Der erste wechselte die Batterie aus, doch was wir auch machten – nach einem Tag Stillstand war die Batterie wieder tot. Diagnose: 漏電rōden – irgendwo leckt der Wagen Spannung. Unsere Werkstatt meint dazu: Das können wir nicht reparieren, wir haben die Pläne nicht. Also zu Honda. Die machten uns gleich klar, was sie von Besitzern eines alten Autos halten: Also, bis Mitte Januar können wir gar nichts machen. Danach brauchen wir 2 Wochen, um einen Kostenvoranschlag zu machen. Ob es dann auch repariert werden kann, wissen wir nicht. Und bevor sie fragen: Einen Wagen, den sie in der Zwischenzeit benutzen können, haben wir zur Zeit auch nicht. Aha.

Innenraum des Honda Odyssey
Innenraum des Honda Odyssey

Gleich in der Nähe gibt es einen Händler, der mit 認定nintei中古車chūkosha, mit vom Hersteller zertifizierten Gebrauchtwagen, handelt. Und dort fiel er uns sofort ins Auge: Fast genau der gleiche Wagen, mit exakt der gleichen (und wohlgemerkt edlen!) Innenausstattung. 47’000 Kilometer auf dem Tacho, 1 Jahr Garantie und 車検shaken (die japanische Variante des TÜV, fällig alle zwei Jahre), die erst beim Kauf gemacht wird und bereits im Preis inbegriffen ist. Das Gefährt selbst sollte rund 3’000 Euro kosten – kein schlechter Preis, wenn man bedenkt, dass Garantie und TÜV dabei sind. Faul, wie wir also sind, haben wir uns umgehend für den entschieden, denn wir lieben das Gefährt einfach (es ist ein Honda Odyssey der 3. Generation). Es fährt sich gut, hat einen ordentlichen 2.4l-Motor (der könnte ehrlich gesagt auch ein bisschen kleiner sein) und ist groß genug. Viel erwarten wir nicht, aber wenn der Wagen die nächsten zwei Jahre durchmacht, können wir uns ja langsam auf eine längerfristige Lösung vorbereiten.

So gesehen sind Gebrauchtwagen in Japan sehr, sehr günstig – obwohl der Markt für jüngere Gebrauchtwagen in letzter Zeit stark angezogen hat – aufgrund des Halbleitermangels muss man in Japan zur Zeit mitunter ein Jahr auf einen Neuwagen warten, weshalb sich so mancher für einen Gebrauchten entscheidet.

Mit dem Kauf entstehen natürlich zahlreiche weitere Kosten, die sich letztendlich auf rund 2’000 Euro belaufen. Dies sind Gebühren für die Registrierung des Wagens, ein neues Nummernschild, eine Prozedur zur Umschreibung des Objektes, denn Autos gelten in Japan genau wie Immobilien als 資産shisan – als Kapital – und das kann nicht so einfach weitergegeben werden. Auch die Ummeldung für die Autosteuer und dergleichen sind erforderlich – was der Autohändler gern erledigt, aber dementsprechend kostet das ganze einiges an Geld. Immerhin dauert es bis zur 納車nōsha, also bis zur Übergabe des Autos, nur rund eine Woche. Genau richtig, denn danach machen fast alle Autohändler zwei Wochen Urlaub. Ich hoffe nur, dass der neue Alte nicht auch bald Strom leckt…

tabibito
tabibitohttps://japan-almanach.de
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei der Tabibitos Blog empfohlen.

4 Kommentare

  1. Da war ich schon überrascht, dass ein Weitgereister so spät den Führerschein gemacht hat. Wie man sieht kommt man auch ohne Auto weit. Allzeit gute Fahrt mit eurem Wunschauto und keine stundenlangen Staus wie letztens nach Gotemba.
    Happy Chrismas und alles Gute 2023 für dich und deine Familie

    • Der Weitgereiste ist früher oft mit dem Daumenexpress unterwegs gewesen und hat jede müde Mark ins Reisen gesteckt. Ging auch ohne eigenes Auto.

      Ich hoffe, Du hattest ebenfalls erbauliche Feiertage – die Reise nach Japan schien jedenfalls sehr gelungen zu sein!

  2. Oh, hilf „Kriecher“
    Zangenampermeter für niedrigen Gleichstrom z.b. Uni-T 210 E damit es nicht zu teuer wird und an der Baterieleitung den Strom mit der Zange messen und dann die einzelnen Stromkreise weiter.
    Damit kann man auch die Spannung messen

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