BlogErlöser Obama?

Erlöser Obama?

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Da ist es also vollbracht. Ein Schwarzer, zumal noch mit dem Zweitnamen Hussein, ist Präsident der Vereinigten Staaten. Und mit was für Getöse. Wie wahrscheinlich überall war auch in Japan der Vereidigung mit – für japanische Verhältnisse – grosser Erwartung entgegengefiebert worden. Obwohl ich schon sagen muss, dass mir nachwievor eine riesige Menschenmasse, die frenetisch ihren Führer bejubelt, nicht ganz geheuer ist. Ähnliches bekam und bekommt man ja schliesslich auch in Nordkorea zu sehen oder in historischen Aufnahmen aus Deutschland. Andererseits ist der Jubel nach acht Jahren Bush auch nachvollziehbar.
Ganz klar, dass Aso, Japans Ministerpräsident, sofort Laut gegeben hat – er erwarte, dass Obama ihn als ersten Regierungschef Asiens treffen wird. In der Beziehung bin ich äusserst neugierig, wie und wo Obama Prioritäten setzen wird. Wenn er nicht aufpasst, kommt er da ganz schnell unter die Räder ostasiatischer Gross- und Möchtegern-Grossmächte. Da werden die Erwartungen an ihn in Asien ganz sicher genauso gross sein wie in der Heimat.
Nun denn, man darf sich aussenpolitisch auf ein spannendes Jahr einrichten. Welche Linie wird er gegenüber Nordkorea fahren? Wird er China eine grössere Rolle zugestehen – wenn ja, wie gross? Was wird aus Afghanistan und dem Irak? Was will er mit dem Nahen Osten machen und Iran? Prognosen zur Hand? Dann her damit! Das ist die Chance, in einem halben Jahr zu sagen „ich hab’s gewusst – da steht’s“!
Das Wort des Tages: 就任 shūnin – der Amtsantritt.

tabibito
tabibitohttps://japan-almanach.de
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei der Tabibitos Blog empfohlen.

7 Kommentare

  1. hm, hier meine prognosen:

    zu nordkorea: ich bin mir sicher er wird wie versprochen gespräche anbieten, jedoch trotz allem eine harte linie ziehen und sich von dem rumgestrampel unseres lieblings-pyjama-träger nicht beirren lassen. intensive sanktionen werden die folge sein, wobei die USA auch druck auf china ausüben könnten, NK nicht weiter zu unterstützen. könnte zwar auch böse enden, andererseits hätten wir damit noch in diesem jahrhundert eine sensation in asien.

    zu china: wenn schon seine ersten worte in china zensiert wurden dann verheißt das nicht unbedingt etwas gutes. insbesondere was den sicherheitspolitischen aspekt im asien-pazifik-raum angeht wird obama sicherlich keine truppen aus der region gegen chinesische eintauschen wollen. dann wäre taiwan entweder weg oder atomar aufgerüstet, japan würde atomar aufrüsten und nordkorea würde gar eventuell unter chinesische fuchtel fallen. da wird sich wohl nich viel an der situation ändern.

    naher osten: ich denke er wird seine truppen verstärkt zurückholen und europa „bitten“ zu übernehmen. armee im ausland kostet.

    wirtschaftlich: viel hängt davon ab ob die konjunkturpakete greifen und wie schnell er auf nachhaltige stärkung der US-wirtschaft setzt. die taten der ersten tage lassen jedoch bereits hoffen, dass er nicht nur gut im ausgeben ist, sondern auch intensiv untersucht an welchen stellen gelder gestrichen werden können. die kürzung der gehälter im weißen haus und die auflösung von guantanamo sind gute zeichen.

    alles in allem: ich mag auch nicht so einen riesengebummel um eine person, aber hoffentlich haben wir glück und es ist doch tatsächlich einmal der fall eingetreten, dass nun einer am hebel sitzt der nicht nur ein kluger kopf ist, sondern auch das herz am rechten fleck hat. positiv denken.

  2. ich hoffe mal, die jubelnden massen waren freiwillig bei der amtseinführung des herrn obama. ich glaube aber auch, dass viele einfach froh sind, endlich die dumpfbacke los zu sein.

    zum orakeln bin ich nicht wirklich geboren. hoffnungen haben viele. aber man sollte bedenken, dass auch herr obama zwängen ausgesetzt ist, denen er sich nicht entziehen kann.
    ich gehe davon aus, dass er sich zunächst innenpolitisch um das kriselnde wirtschaftssystem in den usa kümmern wird.
    außenpolitisch sehe ich auch den nahen / mittleren osten als zweite baustelle, die er gern anderen überlassen würde. außerdem werden dadurch mittel frei, um das wirtschaftssystem zu stützen. vielleicht ist dies ein positiver aspekt der derzeitigen wirtschaftssituation.

    für ostasien fehlt mir der einblick. also taiwan wird mittelfristig sicher wieder bei china landen. wenn die entwicklung der wirtschaft chinas so anhält, kann sich taiwan der dann auch wirtschaftlichen übermacht nicht mehr entziehen. und da auch usamerikanische unternehmen nun zugang zum chinesischen markt besitzen, hat eine bedrohung / abschreckung chinas keinen sinn für die usa mehr.
    und nordkorea ist derart con china abhängig, dass nur ein völlig durchgedrehter führer des volkes probleme bereiten könnte.

    ich kenne ja nicht die wirtschaftsdaten japans und statistiken habe ich noch nie geglaubt. irgendwelche wirtschaftsweisen orakeln auch nur um ihre existenzberechtigung zu rechtfertigen. glaubt der gute ministerpräsident wirklich an eine starke rolle japans in ostasien? sollte man (auch in europa) sich nicht langsam mit den realitäten anfreunden und china und indien als die nächsten großen wirtschaftsmächte (zumindest in geographischer hinsicht) dieses planeten anerkennen und entsprechend darauf vorbereiten?

    letztendlich wünsche ich noch herrn obama ein langes leben. es soll da schon andere präsidenten der usa gegeben haben, deren politische haltung so manchen missfallen hat. derzeit scheint sich herr obama mit seiner politischen ausrichtung hier einreihen zu können. ich hoffe, dass wir hier in acht jahren ein resümee über die arbeit des herrn obama aufstellen können. vielleicht sollte dieser blog dann auch wieder herangezogen werden.

  3. Dies ist auch meine Befürchtung, dass Obama vor dem Ende seiner Amtszeit abtreten muss. Wenn man zrückblickt hat es immer wieder Attentate auf US Präsidenten gegeben. Und unglücklickerweise oder sollte ich seltsamerweise sagen hat es immer denjenigen ein frühes Ende beschert die den Konservativen zu sehr die Pfründe beschneiden wollte. Zeiten mögen sich wohl ändern, aber Interessenkonflikte mit Blei zu lösen ist eine sehr amerikanische Tradition. Leider. Meine Prognose fällt aber trotzdem hoffnungsvoller aus. Die Truppen werden aus dem Irak zurückgezogen, wenn auch nur um teilweise in Afghanistan neu eingesetzt zu werden. Europa wird sich vermehrten Forderungen gegenuber sehen, was den positiven Effekt haben wird das die EU Aussenpolitik an Profil und Struktur gewinnen wird. Die wirklich interessante Frage aber wird sein ob Obama die Kehrtwende in der Klimapolitik wirklich konsequent durchziehen kann, oder angesichts der Krise lieber auf Schnusekurs zur Wirtschaftslobby geht. Denn das Hemd, sprich Arbeitsplätze liegt einem ja näher als die Hose, sprich das Klima. Hier bin ich sehr Skeptisch, was umso bedauerlicher ist weil Konflikte ob nun militärisch oder wirtschaftlich, werden kommen und gehen, aber das Klima damit werden wir leben müssen. So oder so.

  4. Sicher kann man in dem Jubel für diesen Mann auch was schlechtes sehen. Natürlich kann man sagen, dass ihm das Volk in gewisser weiße wirklich sehr vertraut und auf ihn einfach auch baut. Aber ich denke, dass er dies nicht ausnutzen wird. Ich denke, dass er sehr wohl weiß was er für eine Verantwortung trägt und was er jetzt zu tun hat, denn ich denke nicht, dass die Amis noch mal so was mit machen werden wie mit Bush. Dieses ist vorbei und sie möchten Erfolge sehen. Er wird es schaffen.

  5. ich überlege gerade was passieren würde, wenn obama tatsächlich vorzeitig ins jenseits befördert werden würde… also ganz ehrlich, ich glaube diese massen von menschen die an ihn glauben, die würden durchdrehen. damit würden sich weder die konservativen noch die faschisten einen gefallen tun. nicht nur dass er dann ein märtyrer wäre. die menschen haben obama gewählt, weil sie das korrupte und kriegerische nicht mehr mitmachen wollten. sie hatten kein vertrauen mehr in die regierung, deswegen setzt obama jetzt auch so auf transparenz. er will dieses vertrauen wieder aufbauen. bei einem attentat würde dass die meinung der leute bestätigen, dass ihre interessen nicht mehr gewahrt werden – und nichts ist gefährlicher für eine demokratie, als ein totaler vertrauensverlust. selbst für ein land wie amerika könnte das gefährlich werden.

  6. Ein Bekannter von mir wohnt in North Carolina und meinte auf meine Frage kurz nach der Wahl „wie ist die Stimmung?“
    „Die hohlen hier fast die weißen Laken wieder hervor…“
    Man sollte die rassistischen Querköpfe nicht unterschätzen. Bislang waren nur Anschläge auf demokratische Präsidenten erfolgreich… Honi soit qui mal y pense? ;)

    Ich persönlich hoffe er hält die 8 Jahre durch und kann alle kommenden Anfeindungen erfolgreich entgehen.
    Andererseits ist die USA ja das einzige Land wo ein Präsident fast über den Missbrauch einer Zigarre fallen kann. Sprich die Dreckschleuder der Konservativen wird jetzt erst richtig losgehen.

    Außenpolitisch, im Vergleich zu Bush, könnte Obama sich nur noch verschlechtern wenn er einen Weltkrieg auslöst. :/

    Prognosen…
    Innenpolitisch:
    Umweltpolitik, Abkehr vom öl als Energiequelle Nr.1 Förderung der alternativen Energien.

    Außenpolitisch:
    Raus aus dem IRAK ASAP…
    Reduktion der Truppen in Afghanistan (das könnte aber nach hinten losgehen weil die Taliban eben doch zwar keine Topterroristen aber doch ein kriminelle Fanatiker sind IMHO)
    Wieder Annäherung an Europa.

    Asien ist und bleibt ein Minenfeld für die USA wegen dem fehlendem kulturellem Verständnis.

  7. Also so schnell wird der Mann jetzt auch nicht ins Jenseits befördert. Man muss es ja auch mal so sehen, dass er sehr gut geschützt wird. Natürlich will er selbst sehr viel Kontakt zu den Menschen und er ist sich auch glaube ich noch nicht ganz bewusst, wie extrem die Leute werden können. Aber ich denke, dass er jetzt in einigen Wochen schon begreifen wird, dass er persönlich von den Menschen etwas Abstand halten muss um sein Leben zu schützen. Schlecht wäre es wirklich, wenn er ins Gras beissen würde. Die würden sicherlich verzweifeln, denn die letzte Hoffnung wäre weg.

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