BlogDruck auf Japan, die Grenzen zu öffnen, wächst

Druck auf Japan, die Grenzen zu öffnen, wächst

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Noch immer hält Japan an im internationalen Vergleich sehr rigiden Regeln zur Einreise fest – doch die Kritik daran wächst, sowohl im Inland als auch im Ausland. Ein Artikel in der Japan Times von heute fasst zum Beispiel die Problematik der ausländischen Studenten gut zusammen1 – demzufolge geht man von fast 150,000 ausländischen Studenten aus, die seit Beginn 2020 planten, eine gewisse Zeit an einer japanischen Bildungseinrichtung zu studieren. Doch seitdem jagt eine Einreisebeschränkung die nächste, und es gab seitdem gerade mal Ausnahmen für 400 Studenten. Dass mittlerweile viele von ihnen ihre Pläne aufgegeben haben dürfte klar sein.

Japan steckt in diesem Punkt in einem Dilemma. Einerseits gibt es harrsche Kritik an den strengen Maßnahmen. Der charismatische Rakuten-Gründer (ein heimischer und sehr großer Onlinehändler) Mikitani verglich die Abschottungsmaßnahmen mit der Landesabschließung während der Edo-Zeit von 1603 bis 1868, in der kaum Ausländer nach Japan einreisen durften. Man muss allerdings noch nicht einmal so weit in die Geschichte zurückblicken, denn 1985 schottete sich Japan auch schon fast vier Jahre lang ab, und zwar um die Ausbreitung von Aids zu vermeiden. Andererseits sieht sich die Politik jedoch in ihren Maßnahmen von der Bevölkerung bestätigt – verschiedenen Umfragen zufolge sind die meisten Japaner nicht mit den Maßnahmen insgesamt zufrieden, aber eine Abschottung nach draußen wird meistens von rund 80% gut geheißen.

Dass sich Japan so schnell von anderen Ländern mitreißen lässt, darf bezweifelt werden: Australien öffnet nun zum ersten Mal seit zwei Jahren seine Grenzen für (fast alle) Touristen, und in Großbritannien werden fast alle Restriktionen ab März fallengelassen. Die Frage ist jedoch, inwieweit sich die Bevölkerung von diesen Entwicklungen im Ausland beeindrucken lässt – und nicht die Politiker. Solange die Bevölkerung es für richtig hält, sich abzuschotten, wird man diese Politik wohl fortführen. Immerhin halten die meisten Japaner jedoch ein waches Auge auf das, was im Ausland in Sachen Pandemie geschieht, und so findet vielleicht in den kommenden Monaten wirklich ein Umdenken statt.

  1. siehe hier (Englisch)
tabibito
tabibitohttps://japan-almanach.de
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei der Tabibitos Blog empfohlen.

6 Kommentare

  1. Ich hatte schon länger vor mal wieder nach Japan zu reisen, um Urlaub zu machen. Schönes Land, nette Leute, mal wieder in einer anderen Umgebung zu sein, als der gewohnten hier in Europa.
    Finanziell ist alles tutti, an freie Urlaubstage bei meinem Arbeitsgeber fehlt es auch nicht, nur an die aktuelle Lage in Japan liegt der Hund begraben.
    Und weil das eben so ist, hab ich meine Pläne bis auf weiteres um 2 Jahre (müsste hoffentlich reichen) nach hinten verschoben, damit die Enttäuschung dass man immernoch nicht hinreisen darf als Tourist, sich in Grenzen hält.
    Aufgegeben hab ich nicht, da ich mir denke: Japan ist auch noch in 2 oder mehr Jahren da. Nur dass einige bekannte Locations geschlossen haben, das find ich schon sehr traurig.
    Fly on!

  2. Tja, wenn ich an diesem Punk an Japan denke, dann denke ich immer an einen Bekannten der selber sehr stur und vorsichtig ist sich von anderen nicht beeinflussen lässt. Er hat selber eine sehr spezielle Lebensweise und wenn er sich doch für etwas mainstreamartiges entschieden hat, dann musste es so sein so wie er wollte. Obwohl er sehr zurückgezogen lebt und teilweise viele Menschen um sich hatte die ihn deswegen schlecht behandelt haben. Trotzdem hält er an seinen Prinzipien fest. Auf der anderen Seite hat er auch viele Menschen in seinem Umfeld die ihn deswegen mögen und bei bestimmen Problmen zu ihm kommen.

    Man sollte akzeptieren das Japan nunmal nicht nach den Vorstellungen vieler Länder reagiert und immer schon gerne ihr eigenes Süppchen gekocht haben. Die Bevölkerung ist selber dafür bekannt gerne alles in “Gruppen” einzuteilen. Ich möchte das nicht gutreden was die Politik macht, aber man sollte akzeptieren wenn ein Land nicht nach den Regeln der anderen spielt.

    Bevor es noch jemand sagt, nein ich finde die Entscheidung nicht gut, nein ich bin keine Japanliebhaber und NEIN ICH BIN KEIN WEEB!!!!

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