BlogDer eine macht's auf Twitter, der andere auf Facebook...

Der eine macht's auf Twitter, der andere auf Facebook…

-

… und zwar das Wählervolk für dumm verkaufen. Während Trump ja bekanntlich Twitter für sich entdeckt hat – das Zeichenlimit ist wahrscheinlich genau das Richtige für ihn – ist es in Japan neben Twitter auch Facebook. Da fiel nun Abe’s schillernde Göttergattin Akie Abe auf. In einem Facebookbeitrag vom 11. März (siehe unten) schrieb sie über ein Event im Nordosten Japans – es ging um die Bewältigung der Naturkatastrophe von 2011. Doch als in den folgenden Tagen mehr und mehr über die Verstrickung des Ehepaars im Moritomo-Skandal bekannt wurde, mehrten sich die Kommentare, die nicht zum Thema passen. Ein User schrieb dabei:

野党のバカげた質問ばかりで、旦那さんは毎日大変ですね
yatō no bakageta shitsumon bakari de, danna-san ha mainichi taihen desu ne
(All diese dümmlichen Fragen von der Opposition – Ihr Mann hat es auch jeden Tag ziemlich schwer, oder?)

— und sieh mal einer an, wer da den “いいね” (Gefällt Mir)-Button drückt? Nein, ausnahmsweise mal nicht Shinzo Abe persönlich, dafür aber eben seine Frau. Und die versuchte sich später zu entschuldigen, indem sie sagte, das “Gefällt mir” bezog sich nur auf einen anderen Teil des Kommentars.
Sicher, das ist nur eine kleine Anekdote aus dem, was sich da momentan abspielt. Aber die Unverfrorenheit, mit der Abe und andere Politiker mit dieser ernstzunehmenden Korruptionsaffäre umgehen, schreit einfach zum Himmel. Interessant war da übrigens der normalerweise relativ ernste Wochenrückblick auf Fuji TV vom Sonntag, dem 25. März. Die Sendung heisst Mr.サンデー Mr Sunday, und man hatte sich aus Dringlichkeitsgründen den smarten Ex-Präfekturvorstand von Osaka und Anwalt, 橋下徹 Hashimoto Tōru, ins Studio geholt, der über die Moritomo-Affäre erzählen sollte. Dazu hatte man sich dann auch ein paar dutzend ausgewählte Zuschauer ins Studio geladen, die dann in mit “Stimme zu” und “Stimme nicht zu”-Areale laufen sollten, nachdem sie Hashimoto’s Erklärungen hörten. Doch obwohl Hashimoto hochintelligent ist, wirkte das ganze jedoch wie ein abgekartetes Spiel, bei dem jemand hoch oben in der Regierung Hashimoto in den Medien-Ring steigen liess, um die Korruptionsaffäre kleinzureden. Was blieb, war ein ganz deutliches Geschmäckle….

tabibito
tabibitohttps://japan-almanach.de
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei der Tabibitos Blog empfohlen.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Neueste Beiträge

Kolumne: Plötzliche Neuwahlen, mutige Wahlversprechen und eine neue Partei

Keine drei Monate ist Takaichi Sanae als Premierministerin im Amt, und dann das: Vor ein paar Tagen kündigte sie...

Verschwinden die “Verspätungsbescheinigungen” bald aus dem Berufsverkehr?

Es sind manchmal die kleinen Dinge, die viel über ein Land aussagen und einen staunen lassen. Dazu gehören in...

Verwirrende Wegbeschreibungen im Japanischen

In Japan liebt man Lautmalerei - in der Linguistik als Onomatopeia bekannt. Das ist kein rein japanisches Phänomen, schließlich...

Zahl der Firmenpleiten bleibt auf hohem Niveau: Mehr als 10’000 Konkursfälle in 2025

Tokyo Shoko Research, Ltd. (TSR), eine seit 1892 existierende Auskunftei für Firmen in Japan, veröffentlichte heute Zahlen über die...

Die kleinen Fabriken in den Stadtzentren

Auf meinem Weg zum Büro, von Shibuya bis Hiroo, komme ich tagtäglich an einer kleinen Fabrik vorbei, die mich...

Shakotan – raue Küste mit außergewöhnlichen Felsen

Die Shakotan-Halbinsel im Südwesten von Hokkaido lockt mit grandiosen Küstenabschnitten und sehr guten Meeresfrüchten.

Must read

Die 10 beliebtesten Reiseziele in Japan

Im Mai 2017 erfolgte auf dem Japan-Blog dieser Webseite...

Auch lesenswertRELATED
Recommended to you