BlogGelbhemden auf Okinawa: Hatoyama erntet wütenden Protest

Gelbhemden auf Okinawa: Hatoyama erntet wütenden Protest

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Die Debatte zog sich so lange hin, doch im Prinzip war alles umsonst: Es ging seit Jahren darum, den US-Marines Stützpunkt im Herzen der Hauptinsel von Okinawa zu verlegen. 2006 gab es dazu eine erste Absichtserklärung zwischen Japan und den USA: Man verlegt den Stützpunkt zwar, aber er bleibt auf der Insel, und zwar am Kap von 辺野古 Henoko. Dort befindet sich schon ein Stützpunkt (Camp Schwab), aber nun muss man zwecks Verlegung dort einen Militärflughafen bauen – in die Lagune herein.
Dann siegten die Demokraten um Hatoyama Ende vergangenen Jahres, und damit begann ein aussichtsloser Kampf. Die Demokraten versprachen den Insulanern, sich um eine andere Lösung zu bemühen. Eine (von Japan bezahlte) Verlegung nach Guam war im Gespräch – Amerika lehnte erbost ab. Dann war eine Verlegung auf die Insel Tokushima (zwischen Okinawa und Kyushu) im Gespräch – erwidert mit heftigem Widerstand seitens der kompletten Inselbevölkerung. Immer wieder zögerte Hatoyama dabei eine Entscheidung heraus, und er bezog Prügel von allen Seiten.
„Alea iacta est“ hiess es dann schliesslich Ende vergangener Woche: Der Stützpunkt wird verlegt, und zwar – trara – nach Henoko. Die ganze Diskussion war umsonst (und Hatoyama, dass man sollte man hier anmerken, konnte eigentlich nur verlieren).
Der Empfang für Hatoyama war dementsprechend „begeistert“: Geschätzte 1’000 Protestler (zu erkennen an den gelben T-Shirts) hielten Schilder mit dem Zeichen 怒 (Ikari – Zorn) hoch. Man kann nur hoffen, dass sich die Gelbhemden kein Beispiel an den Rothemden nehmen.

Wie so oft hat aber auch diese Geschichte ihre andere Version: Es ist nicht so, dass die komplette Bevölkerung von Okinawa gegen die Stützpunkte ist – die Arbeitslosigkeit auf Okinawa ist auch mit Stützpunkten die höchste in Japan, doch ohne die Stützpunkte könnte man galopp gesagt die Insel gleich ganz zumachen, und das wissen auch viele Insulaner.
An der Stelle soll noch ein Mal betont werden, dass die USA nicht für die Stützpunkte bezahlt – Japan bezahlt. Das ist der Preis für ein unilaterales Sicherheitsabkommen mit den USA.

tabibito
tabibitohttps://japan-almanach.de
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei der Tabibitos Blog empfohlen.

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